Bring The Mourning On - Northern ghost

Bring The Mourning On- Northern ghost

Stargazer / Broken Silence
VÖ: 04.04.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Wie kalter Herbstregen

Es gibt Songs, die treffen einen wie ein Schlag in den Magen. Andere berühren einen wie eine freundschaftliche Umarmung. Wieder andere sind gemütlich wie ein gemütliches Federbett. Dann gibt es solche, die einen wie eine Meute Hunde durch die Straßen hetzen oder wie ein Wolkenbruch mit Blitz und Donner von Himmel regnen. Bring The Mourning On schreiben die Art Song, die sich anfühlt, als würde einem jemand mit einem Kissen den Hintern versohlen, während man im kalten Regen steht, auf eine Umarmung wartet und merkt, dass sich ein Hund gerade am eigenen Hosenbein erleichtert: irgendwie miserabel, ein bisschen skurril, aber nicht ganz hoffnungslos.

Der zurückhaltende Folk auf "Northern ghost" ist dabei genauso fragil wie die Konstruktion des obigen Vergleiches. Beim ersten Hören fallen so viele Dinge auf, die auch ganz furchtbar hätten schiefgehen können. Die Songlängen gehen in Richtung Progrock, die Songideen allerdings nicht. Zwar folgt jedes Stück einer wohlüberlegten Spannungskurve, aber komplizierte Musik machen Bring The Mourning On nicht. Und dann die Menge der Instrumente: Angesichts der unzähligen verschiedenen Streich- und Zupfinstrumente, Klavier, Akkordeon, Mundharmonika, Orgel und des häufig mehrstimmigen Gesangs könnte diese Platte hoffnungslos überladen wirken.

Dass "Northern ghost" über eine ganze Stunde lang in keine dieser Fallen tappt, ist eine kleine Meisterleistung einer Band, die ein fantastisches Gespür dafür hat, wie viel Pathos und Harmonie, wie viel Substanz und wie viel Luft in einen Song gehören. Das siebenminütige "Long way gone" wäre auch nur mit Akustikgitarre eine großartige Neofolk-Ballade. Das verschleppte Schlagzeug, das den Song auch nach der Hälfte noch in der Spur hält, die schimmernde Orgel in der zweiten Hälfte und die herzzerreißende Harmoniestimme machen den Song aber erst zu einem ganz großen Kloß-im-Hals-Kandidaten. Ähnliches gilt für das skizzenhafte "Nicotine", das zu Beginn nur ein paar Verse zwischen zwei Mundharmonika-Melodien stellt und dann urplötzlich mit einer geradezu choralen Coda endet.

Die Schweden brechen mit fast jedem Song die Barriere zwischen einfachem Hören und fasziniertem Gebanntsein. Ob nun kalt von oben, weich von hinten oder warm am Bein, die Band lässt einen nie unberührt. Auch nicht während der letzten 13 Minuten von "97,7%". Für eine mittelmäßige Platte wäre so ein ausuferndes Ende vielleicht der Todesstoß. Auf "Northern ghost" lässt man sich gerne noch ein letztes Mal umarmen, bevor es wieder raus in den Regen geht und ganz am Ende der einsamste aller vorstellbaren A-capella-Abgesänge die Türen schließt.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Nicotine
  • Long way gone
  • 97,7%

Tracklist

  1. Cut
  2. Let you down
  3. Nicotine
  4. Without you
  5. This time
  6. Trust me
  7. Even it out
  8. Fading trail
  9. Long way gone
  10. 97,7%

Gesamtspielzeit: 56:59 min.

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User Beitrag

Hollowman

Postings: 152

Registriert seit 14.06.2013

2015-12-11 11:35:43 Uhr
Mir ist grad aufgefallen, dass es hierzu noch gar keinen Thread gibt. Kennt die jemand? Tolle Folk-Platte aus Schweden wie ich finde, hier 2014 mit 7/10 bewertet. Für mich auf jeden Fall eine gute 8.

Reinhören z.B. auch bei Spotify möglich. Anspieltipps: Let you down, Nicotine, Even it out. Ich könnte aber genauso gut noch Cut, Without you oder 97,7% nennen ;-)
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