Oskar Schuster - Sneeuwland

Oskar Schuster- Sneeuwland

Oskar Schuster
VÖ: 21.03.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Welt in Sepia

Oskar Schuster macht alles falsch. Obwohl er immense Angst vor dem Publikum hat, widmet er sich dem Musizieren. Sein Studium der Musikwissenschaft schmeißt er kurz vor dem Abschluss. Und das Angebot einer Plattenfirma schlägt er entschieden aus. Er macht aber auch alles richtig. Der 30-Jährige hat eigene Ideen und folgt seiner Vision ohne Rücksicht auf Konventionen und Sicherheit. Im stillen Kämmerlein komponiert, arrangiert und produziert er instrumentale Kostbarkeiten zwischen Piano-Pop, Chanson und Contemporary – und genießt dabei seine volle künstlerische Freiheit. Zwölf seiner Stücke sind nun versammelt auf “Sneeuwland“, und was für ein Album das geworden ist. Eines wie aus einem Guss, ohne Schwachpunkt. Eines, das garantiert durchläuft, wenn man es auflegt. Weil die Stücke kaum voneinander zu trennen sind. Weil sie ein großes Ganzes ergeben. Und weil sie wirken.

Von der ersten Sekunde des Openers "Fjarlægur" an taucht Schusters Musik die Welt in Sepia und drückt die Slow-Motion-Taste. Es ist, als habe man an einer riesigen Spieluhr für Erwachsene gezogen oder als begäbe man sich auf "eine Reise zu fremden Gedankenplätzen", wie er es selbst sich von seinen Hörern wünscht. Intim klingt das meist, verletzlich mitunter. So wie in "Vleurgat" oder "Les sablons", zwei der fragilsten Kompositionen des Albums. Bester Song der Platte ist wohl "Valtameri", dessen naiv-warmherzige Melodie nur der Startplatz für eine Reise durch emotionale Landschaften ist, während der es unterm Flieger auch mal gefährlich zu brodeln scheint. Der Titeltrack dagegen strotzt vor Kraft und überzeugt durch Spielfreude. Natürlich drängt sich beim Hören der Vergleich mit Yann Tiersen auf – immerhin eines der Vorbilder des Wahl-Berliners.

Und doch haben seine Stücke eine ganz eigene Sprache. Schuster spielt Piano und Glockenspiel, kreiert dazu Beats mit der Schreibmaschine und dem Klicken alter Kameras und Radioapparate. Auf vier Songs kommt ein Streichquartett zum Einsatz. Dabei klingt "Sneeuwland" weder modern noch antik. Schuster hat eine Platte aufgenommen, die man im besten Sinne zeitlos nennen kann. Um "Sneeuwland“ adäquat aufzunehmen, sammelte er über eine Crowdfunding-Kampagne auf Sellaband 6.000 Euro. Nach Veröffentlichung des Albums sollen die Spender demnächst entlohnt werden. Für großzügige Gönner wird Schuster ein privates Konzert geben. Seine Publikumsscheu wird er dafür nicht überwinden – der Gig wird von seinem WG-Zimmer aus per Skype übertragen. Der Mann weiß sich eben zu helfen.

(Sebastian Meißner)

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Highlights

  • Fjarlægur
  • Valse imaginaire
  • Sneeuwland
  • Les sablons

Tracklist

  1. Fjarlægur
  2. Valse imaginaire
  3. Valtameri
  4. Sneeuwland
  5. Vleurgat
  6. Marlene
  7. Les sablons
  8. Les îles féroé
  9. Dinan
  10. Wunder
  11. Lumehelves
  12. Koma aftur

Gesamtspielzeit: 42:05 min.