The Pretty Reckless - Going to hell

The Pretty Reckless- Going to hell

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 14.03.2014

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Entweder und

Musizierende Schauspieler und schauspielernde Musizierende gibt es ja schon ein paar Tage. Zu letzteren konnten sich etwa die Fab Four, Elvis und Sinatra zählen. Zu ersteren gehören Woody Allen, der wöchentlich in einer Jazzband den Eskapismus vom Drehbuchschreiben und Filmedrehen lebt, oder David Hasselhoff aka "The Hoff", der sich allerdings, so munkelt man, verlaufen hat, als er sich einst auf den Weg machte die Freiheit zu suchen. Bei der Frontfrau von The Pretty Reckless, einer gewissen Taylor Momsen, verhält sich das ähnlich. Die 20-jährige Amerikanerin arbeitet bereits seit sie süße zwei Jahre alt war als Schauspielerin. Bekannt wurde sie durch die Verkörperung der entzückenden Jenny Humphrey in der US-Serie "Gilmore girls". Mit "Going to hell" veröffentlicht Momsen mit ihrer New Yorker Neo-Hardrock-Truppe ihr zweites Studioalbum.

Klar, irgendwann wird es trist, dieses goldige Image. Also was macht die Gute? Sie pinselt sich Asche um die Augen, zwängt sich in eine Korsage, schiebt sich Strapse oder zumindest etwas strapsähnliches über die Schnenkel und schmückt ihren Hals mit Leder, Nieten und Stacheln. Aus Sicht der Frau Mama und des Herrn Papa mutmaßlich ein schwerer Schlag. Die impfen ihrer lieben Frau Tochter seit Jahr und Tag das Bild vom Everybody's Darling ein und die Göre sagt: "So bin ich aber gar nicht ätschbätsch! Ich bin nämlich eher böse!"

"Wie? Ne biste nich!", denkt sich da aber der Rezensent. Denn "Going to hell", das direkt im Zusammenhang mit dem Schminkkasten und den schrecklich hohen Absätzen steht, ist überhaupt nicht besonders anders oder schockt in irgendeiner erdenklichen Weise, sondern ist einfach nur sterbensöde. Schlichtes Mittelmaß, 4/10, knapper Durchschnitt. Manchmal scheint es so als wäre sich Momsen selbst gar nicht so sicher, ob alles hart und dreckig oder doch eher balladesk und mit Watte ausgestopft sein soll.

"Sweet things" macht erst ein bisschen auf Hardrock, hat dann einen merkwürdigen Cardigans-Moment, bis Synthiebeat, Zucker im Arsch und Singstimme plötzlich kollabieren nur um zwanzig Sekunden später dann mit Maschinengewehrriff und folgendem Gekreische wieder loszufeuern bis der nächste Break folgt und abermals seltsam beseelt dahinschwadroniert wird. Das ist nichts halbes und nichts ganzes. Während der Einstieg in "Absolution" gerade noch so klar geht und "Fucked up world" den ein oder anderen Avril-Lavigne-Fan – ja, wirklich – begeistern könnte, schreibt "Blame me" sehr offensichtlich bei den mediokren Be-Yourself-Ära-Audioslave ab und kann so natürlich nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Taylor Momsen ist tatsächlich daran schuld.

Vermählt mit dieser prototypischen Neo-Hardrockband und entsprechender Produktion hat das was von Vorband aus der Ne-da-war-ich-noch-nicht-in-der-Halle-Kategorie. Die Frage, ob und warum sich immer wieder semibegabte Schauspieler und Schauspielerinnen auch musikalisch auf der großen Bühne beweisen wollen, sollte mittlerweile wirklich nicht mehr gestellt werden, derartige Künstler zu ignorieren ist weitaus effektiver. Das fällt natürlich umso leichter wenn die Musik so arm an Ereignissen und so unentschieden ist wie "Going to hell" über weite Strecken. Hey Schuster, warum bleibst Du denn nicht endlich mal bei Deinen Leisten?

(Tobias Scheibe)

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Highlights

  • Follow me down

Tracklist

  1. Follow me down
  2. Going to hell
  3. Heaven knows
  4. House on a hill
  5. Sweet things
  6. Dear sister
  7. Absolution
  8. Blame me
  9. Burn
  10. Why'd you bring a shotgun to the party
  11. Fucked up world
  12. Waiting for a friend

Gesamtspielzeit: 45:16 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Ü.ü
2014-04-07 19:19:09 Uhr
Gilmore Girls...Gossip Girls....ist doch letztendlich eh alles dasselbe
DashboardConfessional
2014-04-07 19:06:29 Uhr
Ja, gibt es. Und zwar eine, in der schon banalste Infos, wie die Serie, in der Momsen mitgespielt hat, verwechselt werden. Vielleicht, auch bei Verrissen, mal besser vorbereiten.
XY
2014-03-27 22:56:51 Uhr
Gibt's dazu eine Rezension?

House on a hill find ich auch gut. Rest nicht so. Aber für Alter so eine Stimme - Respekt!
manu
2014-03-13 11:12:00 Uhr
Da morgen das neue Album erscheint...

Musikalisch ist das natürlich keine Offenbarung, wirklich schlecht ist es jetzt aber auch nicht.

House on a Hill finde ich im übrigen richtig gut.
TaylorMomsenIhreTrapse
2010-11-25 19:14:32 Uhr
Was haltet ihr von der Band von Gossip-Girl-Star Taylor Momsen?

http://www.youtube.com/watch?v=GSr53xHI_MQ
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