Lacuna Coil - Broken crown halo

Lacuna Coil- Broken crown halo

Century Media / EMI
VÖ: 28.03.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Aus einem Aufguss

Es ist schon faszinierend. Schon seit mehreren Alben kennen Lacuna Coil nur einen Weg: den nach oben. Insbesondere mit den letzten beiden Platten "Shallow life" und "Dark adrenaline" nahmen die Italiener den für europäische Bands außerordentlich komplizierten amerikanischen Markt im Sturm. Hohe Platzierungen in den Rock- und Independent-Charts, Platz 15 in den Billboard Top 200, ausverkaufte Touren – das alles nötigt höchsten Respekt ab. Das Rezept dafür: konsequentes Feintuning der eigenen Stärken und das Wissen darum, dass eine Mischung zwischen Modern Metal, Gothic und Hard Rock offensichtlich immer noch zieht.

Insofern wäre es natürlich absolut vermessen zu erwarten, "Broken crown halo" könnte in irgendeiner Form den Bandsound revolutionieren. Und in der Tat lassen vor allem die ersten Songs keine Fragen offen. Angedüstertes Keyboard-Intro, ein Urschrei von Co-Sänger Andrea Ferro, und schon wickelt Frontfrau Cristina Scabbia zum dezent selbstbeweihräuchernden "Nothing stands in our way" den Hörer gekonnt um den Finger, gut vorangetrieben durch ein stampfendes Disturbed-Riff. Ähnlich gelagert ist das vom italienischen Horror-Regisseur Dario Argento inspirierte "Zombies", das mehr denn je die schon lange gepflegte Nu-Metal-Schlagseite forciert, ohne durch penetrantes Genöle der Marke Linkin Park zu nerven.

Richtig fein jedoch ist dann "Hostage to the light", das mit einem wunderbaren Refrain erneut unter Beweis stellt, dass Lacuna Coil mittlerweile ein feines Gespür für Ohrwürmer besitzen. Und doch beherrschen die Italiener auch immer noch die Sperrigkeit, denn "Victims" will zunächst so gar nicht zünden oder sich gar festsetzen. Auch wenn Scabbias Mut, zwischendurch sogar kurz zu rappen, durchaus Anerkennung verdient hätte. Dann allerdings beginnt die Crux an "Broken crown halo" – was ist kalkuliert, was ist bewährt? Als bestes Beispiel fungiert "I forgive (but I won't forget your name)" – was die einen als Pop-Appeal bezeichnen, nennen böse Zungen Anbiederung. Und auch danach gibt es wenig, was den Verdacht ausräumen könnte, es handele sich lediglich um einen zweiten Aufguss von "Dark adrenaline". Auch wenn das abschließende "One cold day" eine wunderbar bittersüße Ballade ist, die Lacuna Coil dem letztes Jahr verstorbenen Gründungsmitglied Claudio Leo widmen.

Ist "Broken crown halo" nun eine schlechte Platte, ein Ausfall gar? Nein, ganz und gar nicht. Aber der Grat zwischen Kalkül und Nummer Sicher einerseits und bewusster Weiterentwicklung andererseits ist verdammt schmal. Und den Italienern gelingt es im Gegensatz zu "Dark adrenaline" eben nicht immer, aus einer Position der künstlerischen Konstanz heraus dauerhaft überragende Songs zu produzieren. Im Gegenteil, mit "Die and rise" hat sich sogar ein echter Stinker eingeschlichen, der so gar nicht zum gewohnten Niveau passen will. Die Charts werden sich Lacuna Coil auch mit "Broken crown halo" von oben betrachten, insbesondere in den Staaten. Ein wenig mehr Mut wäre allerdings dringend ratsam, bevor die künstlerische Sackgasse erreicht ist.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Nothing stands in our way
  • Hostage to the light
  • One cold day

Tracklist

  1. Nothing stands in our way
  2. Zombies
  3. Hostage to the light
  4. Victims
  5. Die and rise
  6. I forgive (but I won't forget your name)
  7. Cybersleep
  8. Infection
  9. I burn in you
  10. In the end I feel alive
  11. One cold day

Gesamtspielzeit: 47:39 min.

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Armin

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2014-04-07 18:25:58 Uhr
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