Max Cooper - Human

Max Cooper- Human

Fields / Groove Attack
VÖ: 04.04.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Mensch-Maschine

Ist Musik per se menschlich? Weil sie von Menschen gemacht ist? Noch hat es kein Computer geschafft, ganz von selbst Musik zu komponieren. Zumindest keine, die unseren ästhetischen Vorstellungen gerecht wird. Aber wie ist es mit elektronischer Musik, der Kombination von Mensch und Computer? Ganz klar: "Human", meint Max Cooper.

Der Mann kennt sich aus mit den Zusammenhängen zwischen Mensch und Maschine, war Genforscher in London und hat in Bioinformatik promoviert. Inzwischen ist er Vollzeit-Musiker, nebenbei tüftelt er noch an einem abgefahrenen 4D-Soundprojekt in Amsterdam. Doch elektronische Musik begleitet ihn schon länger. Zwischen Forschung und Programmierung schlug sich Cooper die Nächte als DJ um die Ohren, produzierte fleißig Singles und EPs und beschloss irgendwann, die Genetik Genetik sein zu lassen. Längst konnte er auf eine stattliche Diskografie zurückblicken, nur ein Album war noch nicht dabei.

"Human" gibt sich glücklicherweise nicht damit zufrieden, bloß diese Tatsache zu ändern. Das Album grenzt sich deutlich von den kleineren Veröffentlichungen ab: Neben Techno und House sind da Elemente aus Glitch und IDM und generell ruhige Passagen ohne selbstbewusst tanzbare Beats. So entspannt wie der Opener "Woven ancestry" werden Coopers Live-Sets fast nie - einfach, weil solche Klänge dort nichts verloren haben, wenn es um ekstatisches Tanzen geht. "Human" aber ist häufig Kopfhörermusik und gewinnt enorm durch solche Stücke. Charakteristisches Element hier: Field Recordings mit spezieller binauraler Aufnahmetechnik, die einem unter Kopfhörern das Gefühl gibt, mittendrin zu sein. Im Fall von "Woven ancestry": mitten im Foyer des Londoner National History Museum.

Diese Field Recordings, so Cooper, geben der Platte echte Emotionen, sind das Sahnehäubchen des menschlichen Gefühls in der Musik. Alles andere hat er am Computer zusammengeschraubt, nichts stammt von echten Instrumenten. Abgesehen natürlich vom Gesang. Der kommt zum ersten Mal direkt nach "Woven ancestry" in Track zwei: "Adrift". Hier singt Kathrin deBoer, Ex-Mitglied des Electro-Soul-Trios Belleruche, über sanfte Klavierakkorde und unruhige Percussion und zeichnet sich mitverantwortlich für eines der Highlights auf "Human".

Doch trotz all der Ausflüge in ruhigere Sphären ist dieses Debüt weit weg von Easy Listening, vieles hier funktioniert zweifellos auch auf der Tanzfläche. Wie wichtig Cooper dieser Teil seines Schaffens noch immer ist, zeigt "Impacts" besonders deutlich. So ein brachial knüppelndes Drum-Machine-Solo als zweite Single auszukoppeln, muss sich erst mal jemand trauen. Mit Pop hat das rein gar nichts zu tun. "Human" stehen die vielen Einflüsse aber ausgesprochen gut zu Gesicht. Nicht selten versucht Cooper, Ideen aus der Forschung auf die Musik zu übertragen. Wenn der gebürtige Ire über seine Ideen hinter den einzelnen Tracks spricht, wird schnell klar, wie sehr er noch in der Wissenschaft verwurzelt ist. Und der Genetiker in ihm sagt: Die wirklich komplexen Maschinen sind doch eigentlich wir Menschen.

(Konrad Spremberg)

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Highlights

  • Woven ancestry
  • Adrift (feat. Kathrin deBoer)
  • Automaton (feat. Braids)
  • Numb (feat. Kathrin deBoer)

Tracklist

  1. Woven ancestry
  2. Adrift (feat. Kathrin deBoer)
  3. Automaton (feat. Braids)
  4. Supine
  5. Seething
  6. Numb (feat. Kathrin deBoer)
  7. Impacts
  8. Empyrean
  9. Apparitions
  10. Potency
  11. Awakening

Gesamtspielzeit: 56:48 min.

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User Beitrag

Kai

Postings: 93

Registriert seit 25.02.2014

2014-05-14 21:45:56 Uhr
Max Cooper - Human • Rezension Plattentests.de

Interessante Scheibe vom Sound her eher bei Fuck Buttons als bei Ellen Allien
Zum kompletten Thread

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