Sky Ferreira - Night time, my time

Sky Ferreira- Night time, my time

Universal
VÖ: 25.03.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Noch lange nicht zu spät

Was nun wirklich nicht zur Gewohnheit werden sollte: Platten erscheinen zu einem bestimmten Zeitpunkt in den Vereinigten Staaten und werden hierzulande erst mit monatelanger Verzögerung offiziell herausgebracht. War letztes Jahr schon bei Miguels "Kaleidoscope dream" der Fall, einem der besten R'n'B-Alben der letzten fünf Jahre. Nun ist auch das Debüt-Album des It-Girls und Medienphänomens Sky Ferreira, "Night time, my time", mit reichlich Verspätung am Start. Zumindest in der Schweiz, deutsche Ferreira-Hörer müssen nach wie vor importieren. Für eingefleischte Electropop-Freunde könnte sich ebendies aber auch lohnen.

Sky Ferreira, die im wirklich echten Leben natürlich genauso heißt, macht auf ihrem Debüt prinzipiell alles, was man so macht, wenn man für sich selbst eine Karriere als Popstar vorgesehen hat: Auf dem Cover ein bisschen sexy-lasziv in die Kamera schauen, raumgreifende Refrains in den nicht sehr komplexen Songaufbauten installieren und den gut gemeinten Pop-Entwurf mit Electro- und Rock-Einschüben konterkarieren. Von einem Erfolgsrezept würden wir jetzt nicht reden, aber das sind schon viel versprechende Ingredenzien, möchte man samstagnachmittags bei H&M oder Zara oder meinetwegen auch American Apparel in der Umkleide laufen.

Klingt jetzt negativ? Ist nicht so gemeint, Freunde! Wer das nach wie vor sensationelle Haim-Debüt mag, könnte hiermit prinzipiell ganz glücklich werden, ebenso wie Freunde von Robyn, Lorde und Co. "Night time, my time" liefert perfekt ausproduzierten Hochglanz-Pop mit veschmiertem Kajal, Pudding in den Knien und tollen Melodien, vollkommen überraschungsarm, aber Überraschungen taugen ja ohnehin nur dann, wenn sie positiver Natur sind. Wenn man ebensolche nicht in petto hat, dann verzichtet man besser ganz drauf. Hier also: Vorhersehbare Songs, die von Liebe, Enttäuschung und den Schattierungen dazwischen berichten. Damit wird man keinen Literaturnobelpreis gewinnen, kann aber juvenile Herzen höher schlagen lassen. Manchmal ist das ja auch mehr wert.

"Night time, my time" ist ein fast ausnahmslos fillerfreies Album, einzig das noisig-verspulte "Kristine" wirkt obsolet. Dem gegenüber stehen eine Reihe glänzender Pop-Momente, die moderner und zeitgemäßer kaum sein könnten. "You're not the one" zelebriert die 80s mit lässigen Beats und coolem Refrain, "Nobody asked me (if I was okay)" präsentiert sich hingegen als uneheliches Kind von Katy Perry und Courtney Love. Kann man sich nicht vorstellen? Dann reinhören, Leute! Besonders hervorzuheben wäre noch "Heavy metal heart", eine Liebesentzugshymne vor dem Herrn, die ein wenig an Sleigh Bells erinnert. Klasse! Nicht minder toll: die bereits bekannte Single-Auskopplung "Everything is embarrassing", die in zwei gelungenen Versionen vorliegt. Da stört letztlich kaum noch, dass dieses Album erst jetzt offiziell erscheint. Passt doch ohnehin besser in den Frühling.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Nobody asked me (if I was okay)
  • You're not the one
  • Heavy metal heart

Tracklist

  1. Boys
  2. Ain't your right
  3. 24 hours
  4. Nobody asked me (if I was okay)
  5. I blame myself
  6. Omanko
  7. You're not the one
  8. Heavy metal heart
  9. Kristine
  10. I will
  11. Love in stereo
  12. Night time, my time
  13. Everything is embarrassing
  14. Everything is embarrassing (Unknown Mortal Orchestra Remix)

Gesamtspielzeit: 57:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MopedTobias

Postings: 9051

Registriert seit 10.09.2013

2014-04-14 22:44:55 Uhr
Wahnsinn, da hätte eigentlich das Raum-Zeit-Kontinuum in sich zusammenbrechen müssen :D

MopedTobias

Postings: 9051

Registriert seit 10.09.2013

2014-04-14 19:24:30 Uhr
Ja, das weiß ich selbst und du hast natürlich vollkommen recht. Der Satz war unglücklich formuliert und ich würde ihn so wohl nicht nochmal posten. Ich meinte es tatsächlich auf das subjektive Empfinden bezogen.

MopedTobias

Postings: 9051

Registriert seit 10.09.2013

2014-04-14 10:37:35 Uhr
Ach, jetzt grade diskutiert er doch ganz vernünftig :) seine Ergüsse in Bezug auf das Albumcover sind natürlich anderes Kaliber^^

JaRaDa

Postings: 169

Registriert seit 15.06.2013

2014-04-14 07:42:49 Uhr
Diskutier doch gar nicht erst mit diesem Deppen, MopedTobias...

MopedTobias

Postings: 9051

Registriert seit 10.09.2013

2014-04-14 06:24:31 Uhr
Stimmt natürlich, andererseits darf man aber auch die Subjektivität solcher Wertungen nicht aus den Augen verlieren. Wenn für mich persönlich (!) guter Gesang das Wichtigste bei Musik ist, warum darf ich nem Grindcore-Album dann keine 1 geben? Natürlich würde ich dann jedem Grindcore-Album auf der Welt eine solche Wertung geben, aber was hält mich denn davon ab? (ausgehend natürlich von rein persönlichen Bewertungen, bei seriösem Musikjournalismus muss man das anders betrachten.)
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