Band Of Skulls - Himalayan

Band Of Skulls- Himalayan

Electric Blues / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 28.03.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hinter den Bergen

Gemäß der Axiome mancher im Plattentests.de-Forum anzutreffenden Vermutungsschaftler gibt es tatsächlich Musikgruppen, die die Besprechungen ihrer Werke auf Plattentests.de auch höchstpersönlich lesen. Die britischen Band Of Skulls haben die konstruktive Standpauke zum vorherigen Eigenplagiat "Sweet sour" nicht nur als solche hingenommen, sondern sich hierzu offenkundig weiterführende Gedanken gemacht. Und höre da: Im einleitenden "Asleep at the wheel" wird flink aufs Parkett gerotzt und beim Hechtsprung übers Promotionsbüffet dann allen anwesenden VIP-Luschen eine tüchtige Ohrlasche verpasst, auf dass ihnen der letzte Rest Larmoyanz endlich aus den Visagen kippen möge. Besser kann man die ungeteilte Aufmerksamkeit seines Publikums wohl nicht erzwingen. Gegengebürstet wird das Ganze nur unwesentlich später durch schmusige Placebo-Akkorde ganz in Moll und die bemerkenswerte Fangfrage "If I die tomorrow, would you be upset?" - "Nein, natürlich nicht, Liebes, aber wenn Du schon unbedingt aus dem Fenster springen musst, dann nimm doch bitte gleich den Müll mit runter..." - Schlagfertigkeit ist freilich etwas, das den Briten nicht erst verspätet auf dem Heimweg in den Sinn kommt. Dazu fällt ihr einvernehmlicher Steppenblues viel zu liedgewandt und keinesfalls eilfertig aus.

Folglich lassen Band Of Skulls den Lärm der ersten beiden Alben dieses Mal vorwiegend im Probekeller rumoren und machen sich im Studio lieber nackig - allerdings weder politisch noch sexuell, sondern auf emotional entwappnende Weise. Nicht mehr alles zerschlagen, sondern lieber die eigene Sinnlichkeit endlich ohne Reue zeigen dürfen, so muss das wohl. Gefühle statt Getöse, davon aber bitte jede Menge und trotzdem eine ordentliche Schippe Energie oben drauf. Ob es nun das treibend-anzügliche "Hoochie coochie" oder "Ten men" mit seinem jubilierenden Wahwah-Gekrähe und den sturen Tempowechseln ist: Wenigstens mit den Blood Red Shoes dürfen sich die Southamptoner ab sofort um den Titel "Tiefgaragenrockalbum des Jahres" kloppen. Die Kills schauen sich das Ganze besser aus der selbstgewählten Versenkung an und weitere Streitplätze vergibt wie immer der Aufsichtsratsvorsitzende Jack White unter Ausschluss des Rechtsweges.

Wer sich deswegen nun anstellt, kann sich darauf einstellen, sich anderswo erneut hinten anstellen zu dürfen. Denn das hier ist der Rhythmus, bei dem man schlichtweg mit muss. Kraftvolle Balladen wie "I guess I know you well" und das über den Gestaden von Hard-Fi schwebende "Be mine" unterstützen dieses Vorhaben nach Leibeskräften. Dazu gesellt sich die glamouröse Eingängigkeit des letzten Albums der Yeah Yeah Yeahs, was angesichts des gemeinsamen Produzenten Nick Launay ein offenes Geheimnis darstellt. Im friedvollen Ellenbogen-Schunkler "Nightmares" und bei "Get yourself together" traut sich selbst die herbstliche Noblesse der Landsleute von Rialto für einige güldene Momente zurück ins Scheinwerferlicht. Handelt es sich dabei doch um eine längst verschlissene Britpop-Formation, wegen deren hierzulande meist ignoriertem Oeuvre mancher Szene-Kenner heute noch wissend mit den Ohren schnalzt.

Insgesamt fühlt sich "Himalayan" jedoch vornehmlich dem musikalischen Leid der Südstaaten auf alteuropäisch offenherzige Weise verpflichtet und zugleich über sämtliche Erwartungen erhaben, die man für dieses Trio zuletzt hegen durfte. Ob die drei über das Notenpapier hinaus den Sprung vom bisherigen Mittelgebirge zum künstlerischen Hochplateau hinauf schaffen werden, bleibt allerdings abzuwarten. Es könnte womöglich in größeren Stadien enden, irgendwann - als Begleitung zum großen Fackellauf oder vielleicht als einhelliger Kurvengesang, wer weiß das schon. Wäre dies eine lohnende Aussicht?

(Andreas Knöß)

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Highlights

  • Asleep at the wheel
  • Cold sweat
  • Ten men

Tracklist

  1. Asleep at the wheel
  2. Himalayan
  3. Hoochie coochie
  4. Cold sweat
  5. Nightmares
  6. Brothers and sisters
  7. I guess I know you very well
  8. Yaatian
  9. Ten men
  10. Torreador
  11. Heaven's key
  12. Get yourself together
  13. Be mine

Gesamtspielzeit: 50:18 min.

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noise

Postings: 606

Registriert seit 15.06.2013

2014-04-02 13:17:06 Uhr
Habe sie erst einmal gehört, aber finde sie schon etwas auf zu glatt getrimmt. Die ruhigen Stücke gefallen mir auch nicht besonders.
Na, ja, insgesamt ganz ok. Finde aber die ersten beiden besser. Die beiden reichen mir dann auch.

Armin

Postings: 13137

Registriert seit 08.01.2012

2014-04-01 19:11:42 Uhr
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