Schoolboy Q - Oxymoron

Schoolboy Q- Oxymoron

Interscope / Universal
VÖ: 28.02.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Provinz war gestern

Einhundert Leute haben wir gefragt: Nennen sie etwas, das sie mit Wiesbaden verbinden!

Landeshauptstadt von Hessen ....................................... 45
Kurhäuser ........................................................................ 24
Durchschnittlicher Drittliga-Fußball .................................. 14
Tatort mit Gehirntumor .......................................................11
Rentner-Paradies ............................................................... 5
Gangsta-Rap ...................................................................... 1

Gangsta-Rap und Wiesbaden? Gangsta-Rap und Wiesbaden! Jetzt aber mal langsam und von vorne: Quincy Matthew Hanley wird 1986 in Wiesbaden geboren. Sein Vater ist als Mitglied der US-Army in einer hessischen Militärbasis stationiert. Die Ehe seiner Eltern hält nicht, so dass er gemeinsam mit seiner Mutter zurück in die Vereinigten Staaten zieht. In den USA entdeckt Quincy seine Leidenschaft für Dinge, die man eben cool findet, wenn man jung ist und in bestimmten Kreisen aufwächst: Football, Gangs, Drogen, Rap-Musik.

Mittlerweile nennt sich Quincy Schoolboy Q und hat sein Augenmerk auf eine Karriere als Rap-Star gelegt. 2011 erschien sein Debüt-Album "Setbacks", das in Europa ziemlich unbeachtet blieb. Ein Jahr später gelang ihm dann mit "Habits & contradictions" der halbe Durchbruch. Bei Pitchfork und Co. wurde er gefeiert, was nicht zuletzt auch an seinen prominenten Unterstützern liegen dürfte, die ihn ordentlich pushten. Ebendiese sind auch auf dem dritten Album "Oxymoron" am Start: Neben seinem Black-Hippy-Bro Kendrick Lamar rappen auch Tyler The Creator und Raekwon fleißig mit, während unter anderem Pharrell Williams und The Alchemist an den Reglern saßen. Das liest sich doch fast wie das Who's-Who des amerikanischen Rap. Und ist so weit von Wiesbaden entfernt wie der Hamburger SV vom internationalen Geschäft.

Natürlich trägt Schoolboy Q dick auf, doch das ist eben sein Business, und auch wenn "Oxymoron" manchmal seine Längen hat, richtig langweilig wird es nie. Dafür wirken seine meist recht reduziert arrangierten Songs zu konsistent, seine Straßengeschichten und Alltagsbeobachtungen sind dafür zu amüsant. Dass er sich soundtechnisch zwischen den Stühlen platziert, irgendwo zwischen Oldschool-Verbeugung und Wolf-Gang-artiger Trash-Ästhetik, geht auch vollkommen klar, solange er sich immer wieder auch Ausreißer erlaubt, wie im ausproduzierten R'n'B-Stück "Studio" oder der tollen Raekwon-Kollaboration "Blind threats".

Ansonsten steht Q auf eher schattigere Plätze und düstere Klänge, wie im siebenminütigen Quasi-Titelstück "Prescription/Oxymoron", in dem Streicher groß auffahren, was dem Song letztlich einen melodramatischen Anstrich verleiht. Für das exaltiert-aggressive "The purge" gleicht sich Schoolboy Q ausdruckstechnisch seinem Rap-Partner Tyler The Creator an, inklusive Sirenen-Beats und fies fiepender Synthies, die durch die kaputte Beton-Landschaft torkeln. Klares Highlight der Platte ist das furiose und nicht unbedingt für Femen-Ohren geeignete "Man of the year", das vor allem aufgrund seiner tollen Soundästhetik punkten kann und unterstreicht, dass Schoolboy Q derzeit einer der hoffnungsvollsten Rap-Player ist. Von Wiesbaden in die weite Welt. Das wäre dann doch bitteschön die Top-Antwort wert.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Collard greens (feat. Kendrick Lamar)
  • Blind threats (feat. Raekwon)
  • Man of the year

Tracklist

  1. Gangsta
  2. Los awesome (feat. Jay Rock)
  3. Collard greens (feat. Kendrick Lamar)
  4. What they want (feat. 2 Chainz)
  5. Hoover street
  6. Studio (feat. BJ The Chicago Kid)
  7. Prescription/Oxymoron
  8. The purge (feat. Tyler The Creator & Kurupt)
  9. Blind threats (feat. Raekwon)
  10. Hell of a night
  11. Break the bank
  12. Man of the year
  13. His & her friend (feat. SZA) [Bonus-Track]
  14. Grooveline pt. 2 (feat. Suga Free) [Bonus-Track]
  15. Fuck LA [Bonus-Track]

Gesamtspielzeit: 69:58 min.

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