Milow - Silver linings

Milow- Silver linings

Island / Universal
VÖ: 28.03.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Zwischen den Stühlen

Milow macht es einem mitunter nicht leicht, ihn zu mögen. "We must be crazy / But you're so beautiful / Life is hasty / Just like me and you", trällert er in der ersten Single seines neues Albums. Hätte er doch nur etwas Craziness in den Song gepackt, aber das balladeske Stück ist, mit Verlaub, eine käsige Notensuppe, weich wie drei Tage alte Butter im Sonnenlicht und so hektisch wie die Lebensgeschichte eines in Rente geschickten Lochers. Der Eindruck ärgert gleich doppelt, verfestigt sich so doch ein Bild von Milows Musik, das auf Albumlänge – erneut – nicht einmal die halbe Wahrheit darstellt.

"We must be crazy" ist ein Ausrutscher, eine zugegebenermaßen erfolgreiche Bewerbung als Stammgast für tragbare CD-Spieler von Teilnehmern des VHS-Kurses "Duftkerzen selber gestalten", aber kein Maßstab für "Silver linings". Auch weil es eine Zuckrigkeit vorlebt, die den meisten Stücke nicht innewohnt. Im gesteckten Rahmen des Singer-Songwriter-basierten Pops fördert Milow andere Melancholie-Kaliber zutage. "Wind me up" dirigiert das Saxophon in schummriges Jazz-Licht und "Blue skies" wandert zwei Minuten auf den Spuren von Nick Drake - und muss sich auch in keinster Weise verstecken, wenn die Mundharmonika Gesellschaft leistet.

Jonathan Vandenbroecks fünftes Album, das mehr Americana atmet als seine Vorgänger, erhält zudem eine weibliche Note. Courtney Marie Andrews begleitet Milow beispielsweise beim sehr harmonischen, mit Harfe eingeleiteten und Xylophon versehenen "Echoes in the dark". Die Streicher hier und im netten Piano-Abschluss "My mother's house" hätten unter einer geringeren Dosierung sicherlich nicht gelitten, Andrews' Gesang aber ist ein Gewinn für die Platte. Wer noch einen Beleg benötigt, folge ihrer Stimme, während sie an Milows Seite den Uptempo-Country-Folk-Pop "The golden hour" umgarnt.

Spannender ist es sicherlich, zu hinterfragen, ob "Mistaken" durch seinen synthetischen Taktgeber schon dem Electro-Folk zugerechnet werden kann. Oder zu lauschen, wenn der Belgier als Geschichtenerzähler in "You're still alive in my head" fungiert und an sein 2009er Album "Milow" erinnert. Bevor irgendwer nörgelt: Auch eingängigere Tracks funktionieren. Beispiel: Der Opener. Der Geist von Tom Petty, dezente Bläser und eine Pedal-Steel-Gitarre fahren auf dem Highway der Midtempo-Nummer "Learning how to disappear" – und wieder steht "We must be crazy" am Seitenrand, weil es niemand mitnimmt. "Against the tide" würde das ebenfalls gerne gelingen, aber schon nach dem zweiten Hören möchte man der Glocke ihren Klöppel klauen, um sie dem von Streichern getragenen Optimismus überzuziehen. Es wird käsig, es pappt. Vermutlich die nächste Single.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Blue skies
  • Wind me up
  • You're still alive in my head
  • The golden hour

Tracklist

  1. Learning how to disappear
  2. Echoes in the dark
  3. We must be crazy
  4. Mistaken
  5. Blue skies
  6. Against the tide
  7. Wind me up
  8. You're still alive in my head
  9. The golden hour
  10. My mother's house

Gesamtspielzeit: 34:35 min.

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musie

Postings: 1957

Registriert seit 14.06.2013

2014-04-01 07:19:45 Uhr
obwohl die single ein bisschen zu zuckrig geraten ist, das ist mit abstand des beste album von milow. die ergänzung mit der weiblichen stimme funktioniert und live ist er eh gut. man merkt dem album an, dass er genau diesen moment einfangen wollte. und wem 22 children von der bonus cd nicht ans herz geht, der hat ein herz aus stahl.

Armin

Postings: 10028

Registriert seit 08.01.2012

2014-02-04 17:33:12 Uhr
Single "We Must Be Crazy"
VÖ: 14.03.2014

"Nach insgesamt fünf Jahren quasi nonstop auf Tournee fühlte ich mich Ende 2011 unglaublich ausgelaugt, sowohl körperlich, als auch seelisch. Deshalb bin ich im Januar 2012 nach Kalifornien gegangen - ganz spontan. Ich habe mir damals einen Flug nach L.A. gebucht, mir ein Apartment gemietet und einfach Zeit genommen, um zu entspannen und vor allem eins zu tun: zu schlafen!
Bald darauf fing ich wieder an Musik zu machen, einfach so, ohne ein bestimmtes Ziel oder eine Deadline im Hinterkopf. Ich fing an die Lieder zu schreiben, die sich später zu meinem neuen Album zusammenfügten. "We Must Be Crazy" ist dort entstanden und steht als Symbol für diese fantastische, kreative (und sonnige!) Zeit in meinem Leben. Eine Zeit, in der ich mich wieder auf meine musikalischen Wurzeln zurückbesonnen, aber auch neue Inspiration gefunden habe. Es beschreibt meine persönliche Reise, richtet sich aber gleichzeitig auch an all diejenigen, die sich in gewisser Weise auch gefangen fühlen und gerne eine Veränderung hätten.

Genau wie auch größtenteils den Rest meines neuen Albums "Silver Linings" habe ich diesen Song live bei Fairfax Recordings in Los Angeles aufgenommen - das ist der neue Name der legendären Sound City Studios, wo Albumklassiker wie die von Fleetwood Mac, Neil Young, Nirvana und Tom Petty recorded wurden. "We Must Be Crazy" wurde von Larry Goldings (James Taylor, Maceo Parker, etc.), dem Drummer Matt Chamberlain (Fiona Apple, Bruce Springsteen, David Bowie) und meinem langjährigen Gitarristen Tom Vanstiphout produziert; alle Streichinstrumente wurden live aufgenommen, worauf ich besonders stolz bin.
Mein großer Wunsch für dieses Album war, die Magie eines Live Recordings einzufangen, die entsteht, wenn man großartige Musiker in einen Raum packt und sie miteinander - weitestgehend ohne moderne Technologie - anfangen, zu musizieren. Und das alles mit dem Ziel, etwas Zeitloses zu erschaffen.
Danke fürs Zuhören"
Milow
(Januar 2014)



Album am 28.03.
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