Kaiser Chiefs - Education, education, education & war

Kaiser Chiefs- Education, education, education & war

SPV
VÖ: 04.04.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zehn Jahre Arbeit

Langsam, aber sicher darf sich die "Class of 2005" auf das zehnjährige Jubiläum vorbereiten. Auch die Kaiser Chiefs betraten in jenem ominösen Jahr mit ihrem starken Debüt "Employment" die Manege. Da die ersten Singles der Briten jedoch schon ein Jahr früher erschienen, verlegen wir das Jubiläum frecherweise vor in 2014. Was also bleibt von zehn Jahren Kaiser Chiefs hängen? Ein gigantischer Hit mit "Ruby" und Alben von wechselnder Qualität, zuletzt platzierte sich "The future is medieval" im oberen Drittel der Skala. Auf jeden Fall muss man den Kaiser Chiefs echte Arbeiter-Qualitäten attestieren. Album, Tournee, Album, Hit, Tournee und so fort. In diesem schnörkellosen Stil hätte es ewig weiter gehen können. Hätte.

Denn Ende 2012 sagte überraschend Schlagzeuger Nick Hodgson "Servus", und die Kaiser Chiefs verloren Knall auf Fall ihren Haupt-Songwriter. Ein Ersatz-Drummer wurde mit Vijay Mistry (Club Smith) zwar gefunden, dennoch haftet dem fünften Studioalbum "Education, education, education & war" nun der Hauch eines Neubeginns an. Wie klingt die Band ohne den bisherigen Kreativ-Chef?

Nimmt man den Opener "The factory gates" als Maßstab, dann lautet das erste Fazit: Im Grunde wie gewohnt, aber weitaus bissiger. Sänger Ricky Wilson röhrt wütende Klassenkampf-Lyrik über einen rockigen Teppich aus Orgel und Gitarren, der durchaus an "I predict a riot" erinnert. Nach dem guten Einstieg folgt mit "Coming home" die eher konventionelle Single-Hymne, ehe "Misery company" deutlich macht, was die Kaiser Chiefs unter Frühjahrsputz verstehen. Wilsons Stimme geht im psychedelischen Orgel-Gefiepe fast unter, begleitet von manischem Gelächter. Und dann zieht plötzlich ein ausuferndes Gitarrensolo durch die Szenerie. Einen Song wie diesen hätte man den Briten so nicht zugetraut.

"Education, education, education & war" wagt aber trotz dieses Auftakts nicht den radikalen Bruch mit dem bisherigen Output. Songs wie "Meanwhile, up in Heaven" und "My life" können selbst fachfremde Hörer nach wenigen Sekunden den Kaiser Chiefs zuordnen. Ob man das positiv oder negativ wertet, ist Ansichtssache. Die Briten lieben weiterhin und seit jeher die großen Refrains und die noch größeren Gesten. Weil sie dieser Leidenschaft nun aber mit spürbar neuer Lust nachgehen, ist der Rückgriff auf Bewährtes nicht zwingend ein Nachteil.

Dennoch ist es schade, dass der Abenteurer-Geist, mit dem "Education, education, education & war" zu Beginn punkten kann, mit zunehmender Spieldauer flöten geht. "Bows & arrows" ist nichtssagend, bei "Cannons" gefällt wenigstens der überdrehte Mittelteil. Immerhin überzeugt das getragene "Roses" als Rausschmeißer. Doch das Album hinterlässt gemischte Gefühle. Ein richtiger Neuanfang sieht anders aus. Eher bestätigen die Kaiser Chiefs auch ohne Hodgson ihren Ruf als solide Arbeiter. Zum Zehnjährigen erwarten wir also kein rauschendes Fest, sondern eher einen gemütlichen Playstation-Abend mit Kumpels und Bier. Die einen mögen es, die anderen finden es langweilig.

(Mark Read)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • The factory gates
  • Misery company
  • Roses

Tracklist

  1. The factory gates
  2. Coming home
  3. Misery company
  4. Ruffians on parade
  5. Meanwhile, up in Heaven
  6. One more last song
  7. My life
  8. Bows & arrows
  9. Cannons
  10. Roses

Gesamtspielzeit: 45:59 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
GZSZ-Leon
2014-06-25 12:09:16 Uhr
Hammerauftritt im Mauerwerk
Patrick
2014-06-25 12:07:55 Uhr
Kein Wort zu 'Ruffians on Parade'?
Der Track rockt ja mal gnadenlos!! Gute alte mid2000 Indieschule, könnte von der Gitarrenführung her auch aus Franz Ferdinands Kiste stammen.
Christian Steiffen
2014-06-05 02:11:23 Uhr
Hätte nicht gedacht - nach Ruby und Off With Their Heads - dass die Truppe sich noch mal befreien kann. Ist sicher nicht alles Gold, was da glänzt, aber The Factory Gates und Misery Company sind wirklich mehr als annehmbar.
KaiserChief
2014-04-05 00:16:53 Uhr
Naja...ne 7/10 hätte es aber schon sein dürfen

Achim

Postings: 5380

Registriert seit 13.06.2013

2014-04-04 14:13:00 Uhr
Hat jemand das Album schon gehört? Eure Eindrückeè :)

bin, wie auch schon von der maximo park, positiv überrascht.

Achim.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum