Pale - How to survive chance

Pale- How to survive chance

Defiance / Zomba
VÖ: 05.08.2002

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

The time is now

Einer Revolution kam "Razzmatazz" nicht gleich. Eher schon einem Wachrütteln. Einem unüberhörbaren Weckruf an eine schnarchnasige Drei-Buchstaben-Szene, mit deren Bandnamen man einen ganzen Kalender füllen könnte, in der die Shirts den Bauchnabel freilegen und die Haare genauso glatt gebügelt scheinen wie der Sound. H-A-L-L-O, aufwachen! Hier sind vier Mannen aus der deutschen Provinz, die so vieles anders machen als die um die Wette Trübsal blasende Kollegenschaft aus den Staaten! Und vor allem: sorgfältiger. Pale fühlten sich nicht gefangen in der Zwangsjacke des Konzeptalbums über einen verlorenen Sohn, der in seine Heimat zurückkehrt, sondern pudelwohl. Und unterm Strich standen ein Dutzend heimlicher Hits und die Ovationen.

Und jetzt? Gibt es ein Leben nach dem Konzeptalbum? Sieht so aus. Bei Pale heißt es "How to survive chance" und läßt ein Epos über Zufall, Schicksal und höhere Gewalt erahnen. Aber ist - streng genommen - nicht absolut jedes Album ein Konzeptalbum über das Unvorhersehbare? Insofern machen Pale keine Ausnahme und sammeln dreizehn Songs über positives Denken und negative Schicksalsschläge, über hellen Wahnsinn und dunkle Flecken, über gute Zeiten und schlechte Zeiten. Wie man den Zufall überlebt? Indem man mit ihm lebt.

Auch wenn Pale der Legende nach mit gerade mal einem fertig geschriebenen Song ins Studio gegangen sind und am Ende sogar die Reihenfolge der Tracks dem Schicksal in Gestalt des Computers überlassen haben, sind sie meilenweit davon entfernt, eine Reihe von Glückstreffern zu landen. Dann schon eher Volltreffer. Mitten ins Schwarze. "Goodbye trouble" heißt so ein Blattschuß und gleichzeitig die allererste Single der Band. Ein Zuckerwatte-Sample liefert den Startschuß in eine große kleine Hymne über die bessere Zukunft. Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben. "It's time for something good". Aber allerhöchste.

Selbst die Mauerblümchen unter den Songs erblühen in voller Pracht, wenn man sie nur fleißig gießt. Auch die eingestreuten Instrumentals und nur auf den ersten Eindruck farblosen Schmachtfetzen, die zwischendurch immer wieder auf die Bremse drücken. Songs wie "Drop that beat", das aus einer Akustik-Coverversion von Molokos "The time is now" hervorgegangen ist und statt aus den Kehlen von Frontmann Holger Kochs und Co-Frontmann Christian Dang eigentlich gleich aus Dutzenden am knisternden Lagerfeuer gesungen gehört. Und jetzt alle: "Hey come on, we get on grooving / Let's drop that beat". Auch im nicht minder hymnischen "Hello. Lucky thing" harmonieren die beiden Frontmänner glanzvoll wie einst Liam und Noel - nur friedlicher. Und ein Song wie "(I am your) 808" mit seinem unwiderstehlichen Auftakt-Freudenschrei und himmelhochjauchzendem Refrain würde in einer besseren Welt die Charts all around the Globus anführen. Den Haken kennen wir leider alle.

Dabei sind es bei weitem nicht alleine die Melodien, die "How to survive chance" zu einem kleinen Meisterwerk Aachener Musizierkunst veredeln. Zwischen galoppierenden Trompeten und geschmeidigen Streichern zerbröckelt das Wörtchen "Emo" in seine drei Buchstaben und findet als "Pop" wieder zu sich selbst. Genauso kommt "How to survive chance" einem Puzzle gleich, bei denen die Knobler zuerst die Ecken fixieren, dann den melodischen Rand zusammenfügen und schließlich in liebevoller Kleinstarbeit die Zwischenräume auffüllen. Ein Teil paßt ins andere. "Letztes Jahr ist so viel durch Zufall passiert, vielleicht passiert es dieses Jahr wieder", gab die Band im Interview zu verstehen. Und wer "How to survive chance" gehört hat, weiß auch: Pale warten nicht auf den Ruhm, der Ruhm wartet auf Pale.

(Armin Linder)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Goodbye trouble
  • (I am your) 808
  • Hello. Lucky thing

Tracklist

  1. Girl afraid
  2. Goodbye trouble
  3. Sometimes somewhere
  4. Karaoke queen
  5. Pinky tunes
  6. Everytime you say "Hey"
  7. (I am your) 808
  8. Let's get it on
  9. All walls are bricks
  10. Drop that beat
  11. Thank you Finsbury
  12. Hello. Lucky thing
  13. How to survive chance

Gesamtspielzeit: 36:34 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

eric

Postings: 1995

Registriert seit 14.06.2013

2014-08-16 00:28:39 Uhr
Es kam doch 2006 noch eine Platte. Die konnte aber an dieses Album nicht heranreichen. Tolles Ding, jepp. :)
Mic
2014-08-15 23:55:35 Uhr
Höre nun how to survive ... zum dritten mal hinteneinander. Dieses Album hat mich damals so sehr begleitet. Grandios. Schade, dass die Jungs damals echt schluss gemacht haben. Tolle Band
Mic
2014-08-15 23:34:26 Uhr
Armin: Hast du eine Ahnung was der Sänger so macht und die Band? Dachte immer, die kommen wieder zusammen
Mic
2014-08-15 23:16:37 Uhr
Der Song "Everytime you say hey". Wow immernoch. Gradios!
Armin
2004-10-02 20:41:18 Uhr
THE PALE FOUR NEUIGKEITEN



>>IL MOTOBECANO: Go Moto Go!
So, nun ist es endlich soweit, los companeros Holger y Olivier gehen endlich mal zusammen auf die Bühne.
Am nächsten Samstag den 02.10. im JUZ Leer auf dem 'EasysListening Festival' wird dann die Premiere stattfinden: Der erste gemeinsame Auftritt der beiden als Il Motobecano.
Weiter Infos hier und kosten würde das ganze dann herrlich wenige 8 Eur für zusätzlich noch Jona und OneManAndHisDroid in akustischer Version oben drauf!

>>PALE KLUB: Was Für Die Augen, Baby!
Ach ja, wie versprochen haben wir die Zeit zwischen Proberaum und Studio für ein paar Updates genutzt... Getreu der alten Jupp-Derwall-Weisheit 'Es geht immer weiter!' haben wir die Video-Sektion um 2 neue Clips bereichert: 'Town Called Malice' und 'Today Stopped Counting' finden sich jetzt eben dort und alles aufgenommen mitten auf der Bühne im Hyde Park anno 2001.
Da trifft spielerische Nachlässigkeit auf explodierende Freude und am Ende werden sogar noch neue Aufstellmöglichkeiten für das Schlagzeug ausgelotet. Mensch, das kann nicht gut gehen!

Zum anderen gibt es als Nachschlag zur Tour im Frühjahr noch die fehlenden Photos aus dem K19 in Kassel, nicht vielel, aber immerhin hat die Kamera nicht alles gefressen, seien wir dankbar...

>>Was ist denn das? Der Pale Klub?
Wie? Du weisst nicht, was das ist? Immer noch keinen Schimmer, wo es die tollen Extras von Pale gibt? Wo man sich austauschen kann und als erster von allen Neuigkeiten erfährt? Na, dann... Nochmal Glück gehabt. Denn hier gehts lang zum exklusiven Pale Klub
... Community Baby!
Einfach Anmelden und freuen, was das Zeug hält!


So, dann noch einen schönen Tag!
Euer TP4* Online Team


Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv