The Flaming Lips - Yoshimi battles the pink robots

The Flaming Lips- Yoshimi battles the pink robots

Warner
VÖ: 22.07.2002

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Girl power

Superhelden sind schon tolle Leute. Groß, muskelbepackt, eindrucksvoll. Für jeden da und immer zuverlässig. Aber der Begriff "immer" ist bekanntlich oft dehnbar, und unsere Helden haben sich einfach verdrückt. Also liegt es nun an einem kleinen Mädchen namens Yoshimi, die Welt zu beschützen. Und welch garstige Bedrohung uns doch bevorsteht! Fiese pinke Roboter wollen uns alle plattmachen. Wie gut, daß diese Yoshimi den schwarzen Gürtel trägt. She don't use jelly, she uses karate.

So weit, so obskur. Wenn die Flaming Lips schon ein Konzeptalbum abliefern, wird neben den bösen, bösen Maschinen natürlich auch jegliche Erwartungshaltung gesprengt. Statt Bombast setzt es Ballons, und anstelle von Zerstörungswut gibt's Zuckerguß. Schon der herrlich verstrahlte "Fight test" weist den Weg. Und der führt nicht nur bei dieser entrückten Verballhornung von Cat Stevens' "Father and son" an allem vorbei, was bunt ist und leuchtet. Eine stotternde Akustikgitarre erklärt uns wenig später, wer dieses kleine, japanische Mädchen überhaupt ist, das uns den Arsch retten soll. Spieluhren und blubbernde Bässe umsäumen eine Kinderliedmelodie, die völlig unschuldig von grausamen Maschinen und der heldenhaften Weiblichkeit säuselt. "You won't let those robots eat me, Yoshimi." Na, dann ist ja gut.

Im heillosen Durcheinander ihres Klangschrankes findet die Truppe um Wayne Coyne mit der bewährten Hilfe Dave Fridmanns immer wieder zuckersüße Melodien und schrullige Arrangements. Der Vocoder lispelt und synthetische Symphonien schweben umher, doch an den Spielereien aus dem Rechner schummeln sich immer wieder handgespielte Momente vorbei. Verdrehter Country fusioniert mit insulinpflichtigen Soundtracks und spacigem Gebastel. Da werden Pingpong-Bälle genauso zum Instrument wie singende Sägen. Der spielerische Umgang steht im Vordergrund. Radiohead trifft die Teletubbies.

Unter den naiven Optimismus mischt sich aber immer wieder eine merkwürdige Melancholie: "It's summertime / And I can understand if you still feel sad." Salzige Tränen fallen auf die Lollipops. Fragen tun sich auf. Nach dem Sinn der Existenz. Nach der Bedeutung des Lebens. Nach der Seele in der Maschine. Und so entpuppt sich der doppelte Boden von "Yoshimi battles the pink robots". Es geht eigentlich gar nicht um die im Titel reißerisch angekündigte Schlacht zwischen Mensch und Maschine. Der Roboter, der Yoshimi auslöschen sollte, verliebt sich und begeht lieber Selbstmord, als ihr ein Haar zu krümmen. Seufz. Dabei wäre nach Coynes Ansicht doch alles so einfach gewesen: "Sollen die Computer doch die Macht übernehmen und die ganze Scheißarbeit machen, dann haben wir endlich mehr Zeit für Sex, Schlafen, gutes Essen, Rasenmähen und Kindererziehung." Und für verdammt gute Musik.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Fight test
  • One more robot - Sympathy 3000-21
  • Yoshimi battles the pink robots (Part I)
  • In the morning of the magicians
  • Are you a hypnotist?

Tracklist

  1. Fight test
  2. One more robot - Sympathy 3000-21
  3. Yoshimi battles the pink robots (Part I)
  4. Yoshimi battles the pink robots (Part II)
  5. In the morning of the magicians
  6. Ego tripping at the gates of hell
  7. Are you a hypnotist?
  8. It's summertime
  9. Do you realize?
  10. All we have is now
  11. Approaching Pavonis Mons by ballon (Utopia Planitia)

Gesamtspielzeit: 47:30 min.

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User Beitrag

musie

Postings: 2349

Registriert seit 14.06.2013

2017-08-22 22:13:19 Uhr
Waren am Pukkelpop vor ein paar Tagen wieder eine Klasse für sich.. herrlich überdreht

Mister X

Postings: 2286

Registriert seit 30.10.2013

2017-08-22 21:11:45 Uhr
fight test is ja mal hart von father and son gestohlen
humbert humbert
2013-04-06 10:52:59 Uhr
Flaming Lips spielen das komplette Album
live . Habe es jedoch nicht sehr weit geschafft. Der Gesang strengt mich doch zu sehr an.
jeckyll
2011-09-25 00:13:27 Uhr
Eine Band, bei der mit die genaue Einsortierung und Bewertung immer schwer fällt.

Als Album ist Yoshimi sicher ihr geschlossenstes.

Die meisten großartigen Einzelsongs hat dennoch Soft Bulletin.

Den höchsten Suchtfaktor hatte bei mir jedoch Clouds Taste Metallic, immernoch mein liebstes album.

Den imho geilsten Sound hat die "Trilogie" At War With The Mystics - Christmas On Mars OST - Embryonic.

Meine Lieblingssongs verteilen sich ebenfalls auf diverse Alben:

Jesus Shootin Heroin (Here It Is)
Slow Nerve Action (Transmissions...)
Bad Days (CTM)
Evil Will Prevail (CTM)
Christmas At The Zoo (CTM)
A Spoonful Weighs A Ton (SB)
What Is the light (SB)
Race for the prize (SB)
are you a hypnotist (yosh)
do you realize (yosh)
the wand (myst)
pompeii am gotterdammerung (!!! myst)
convinced of the hex (embr)
watching the planets (embr)

die seven nation army version kann auch einiges =) i'm gonna cut off both my legs...


so long. hoffe auf baldiges neues album.
The MACHINA of God
2011-09-24 19:01:32 Uhr
Inzwischen würde ich es als ihr bestes Gesamt-Album bezeichnen. Noch vor "The soft bulletin" und "The clouds taste metallic". Wirklich wunderschön zum Teil.
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