Dawn Of Destiny - F.E.A.R.

Dawn Of Destiny- F.E.A.R.

Phonotraxx / Soulfood
VÖ: 07.03.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sieg des Strebens

Vor das Schreiben haben die Götter das Hören gesetzt. Und immer dann, wenn Plattenfirmen beschließen, in kürzester Zeit irrsinnige Mengen an Metalalben auf den Markt zu schmeißen, feiern unerbittliche Plattentester regelrechte Orgien blutender Ohren auf schwermetallischen Schrotthaufen. Die meisten dieser Alben stellen sich nämlich als höchst mittelmäßige Veröffentlichungen heraus, die der weltweit gefürchteten Bewertungsdespotie nichts entgegen zu setzen haben. Und manchmal ist man gar geneigt, dem Henker den Vortritt vor dem Richter zu lassen. Besonders dann, wenn die betreffende Band bisher nicht wirklich durch Ausnahmealben auffiel.

Doch Dawn Of Destiny sind mit ihrem fünften Studioalbum erstmals warmer Worte würdig. Bislang sah es so aus, als würde die Bochumer Band ihren Power-Metal-Stiefel relativ routiniert runterspielen, sich von genregewogenen Gazetten gefällige Noten abholen und hätte am Ende des Tages doch nicht viel gewonnen. Die Gefahr, in einer abgelegenen Sackgasse zu enden, haben die vier Herren und die eine Dame vielleicht selbst gesehen, doch was auch immer sie dazu veranlasst haben mag, das zu tun, was sie auf "F.E.A.R." tun, es sollte sich als goldrichtige Entscheidung erweisen. Denn "F.E.A.R." ist in vielerlei Hinsicht ein Triumph. Wäre es nicht so unangemessen, könnte man den Titel eines berühmt-berüchtigten Propagandafilmes von Leni Riefenstahl auf dieses Album anwenden. Da man es nicht kann, muss ein kläglicher Ersatzausdruck dafür herhalten, denn die Willenskraft, die hier zum Ausdruck kommt, ist kaum deutlicher zu fassen. "F.E.A.R." jedenfalls ist ein erstklassiges Zeugnis des Willens zur Veränderung und zum Überleben.

Es zeugt vom Willen zur Veränderung, weil Dawn Of Destiny damit zwar nicht alle Brücken zu ihrer Vergangenheit einreißen und höchstwahrscheinlich auch keine "neue Generation des Metals" einleiten, wie es voller Stolz, doch hoffentlich augenzwinkernd von der Bandhomepage prahlt, sich aber von dem recht schnörkellos gehaltenen Power-Metal früherer Tage erkennbar gelöst haben. Klang eine Kurskorrektur schon auf dem letzten, 2012 erschienenen Album "Praying to the world" an, begeben sich Dawn Of Destiny mit "F.E.A.R." nunmehr auf einen deutlich breiteren Pfad, denn diese großvolumige Symphonie ist eine stilschwelgende Vollbedienung in Sachen Metal, die eher auf Weltbühnen aufgeführt werden, als in MP3-Dateien gefangen sein sollte.

Es zeugt vom Willen zum Überleben, weil im Zentrum dieses Konzeptalbums das von Mastermind Jens Faber ersonnene Schicksal eines Mädchens steht, das seit einem durch die eigene Mutter verschuldeten Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist. Schon die Langfassung des Albumtitels – "Forgotten, Enslaved, Admired, Released" – deutet darauf hin, dass diese (entsprechend in vier Akte gegliederte) Geschichte gleichermaßen von Schwermut wie von Lebensmut geprägt ist. Das mag im textlichen Detail nicht immer Goethe sein, wird aber so aufrichtig und hingebungsvoll präsentiert, dass der geneigte Hörer von den ersten Worten in "And with silence comes the fear" bis zum finalen "To live is to suffer" mitgelitten, mitgerissen und mitgelebt haben sollte.

Jene ersten schicksalsskizzierenden Worte werden in "And with silence comes the fear" nahtlos von einem zupackenden Song abgelöst, der bereits andeutet, was Dawn Of Destiny ab sofort zu tun gedenken: emotionalen Exzesse ausleben, besitzergreifende Refrains von sich geben, dem Rezensenten die Wahl der Highlights erschweren und trotz großer Vielfalt einen eher gewachsenen als entworfenen Eindruck zu hinterlassen. Im Zusammenspiel mit der ungemein dynamisch, wie besonders im unverschämt opulenten "One last time" teils merklich progressiv agierenden Rhythmusfraktion, sind es vor allem die formidablen Gesangsleistungen inklusive fein gesetzter Growls, die "F.E.A.R." zu einem enorm gefühlsbetonten Erlebnis machen. Ob flehentlich wie in "Waiting for a sign", verzagt wie in "Innocence killed" oder dem Schicksal mit Anlauf ins Gesichts spuckend wie in der entwaffnend zuversichtlich daherkommenden Dreieinigkeit aus "Finally", "Prayers" und "Then I found you" - Dawn Of Destiny spielen sich und den Hörer in einen Rausch, der nicht nur im letztgenannte Song eindeutig musicalartige Ausmaße annimmt. Nein, "F.E.A.R." ist sicher nichts für Leute, die "ausdrucksstark" mit "pathetisch" übersetzen. Und auch wenn Namedropping als schlechter Stil gilt: Wem die Vorstellung behagt, sich eine Mischung aus Savatage, Within Temptation und Symphony X oder ähnlichen Acts anzuhören, ist bei den Dawn Of Destiny des Jahres 2014 bestens aufgehoben.

Apropos Namen: keine Geringeren als Savatage-Urgestein Jon Oliva und Therion-Sänger Mats Levén konnten als Gäste gewonnen werden. Mats Levén liefert sich im bereits genannten Opener ein dramatisches Duell mit Sängerin Jeanette Scherff, während "No hope for the healing" dank eines Jon Olivas, der sich hier mächtiger ins Zeug legt, als man das von seinen letzten Eigenveröffentlichungen gewohnt ist, unter allen großartigen Songs noch mal heraussticht. Ein Brocken von einem Mann singt ein Brocken von einem Lied. "This is the best song someone asked me to sing guest vocals on", so Oliva. Das darf man gerne glauben. Glauben und hoffen darf man zudem auch, dass Dawn Of Destiny mit "F.E.A.R." den verdienten Erfolg haben werden, denn es handelt sich um ein Metal-Album, wie es nicht alle Tage erscheint. Schon gar nicht in diesen Zeiten. Den Göttern sei Dank!

(André Schuder)

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Highlights

  • Innocence killed
  • No hope for the healing
  • Prayers
  • Then I found you
  • One last time

Tracklist

  1. And with silence comes the fear
  2. Waiting for a sign
  3. My memories
  4. Innocence killed
  5. End this nightmare
  6. No hope for the healing
  7. Rising angel
  8. Finally
  9. Prayers
  10. Then I found you
  11. One last time
  12. Dying in your arms
  13. To live is to suffer

Gesamtspielzeit: 64:03 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2014-03-17 21:55:40 Uhr
Frisch rezensiert!

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