Kevin Drew - Darlings

Kevin Drew- Darlings

Arts & Crafts / City Slang / Universal
VÖ: 21.03.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Auf und ab

Irgendetwas musste so langsam ja auch passieren. Vier Jahre ist es her, seit Broken Social Scene mit "Forgiveness rock record" ihr letztes Album als Kollektiv veröffentlichten, 2011 verkündete die Band schließlich, dass man eine längere Pause einlegen würde. Und außer der kleinen Mini-Reunion, um das zehnjährige Bestehen ihres Labels Arts & Crafts zu feiern, schien es das tatsächlich gewesen zu sein. Höchste Eisenbahn also für Gründungsmitglied Kevin Drew, der den Fans ohnehin längst einen Nachfolger seines schon 2007 erschienenen Solodebüts "Spirit if..." schuldig ist. Mit "Darlings" legt Drew nun nach – und haut dabei ordentlich auf den Putz.

Musikalisch ist da fast alles beim Alten. Der 37-Jährige bleibt sich auch auf seinem zweiten Alleinflug treu und mischt in seinen elf neuen Songs munter Indie-Rock mit Baroque-Pop, unterlegt sie hier und da mit ein paar Synthies und darf das Endprodukt dann sogar ganz ohne "Broken Social Scene presents"-Zusatz veröffentlichen. Die neue Freiheit feiert er auch gleich wie ein echter Rockstar: Auf "Darlings" zelebriert Kevin Drew die zwischenmenschliche Liebe, bis die Ohren schon fast so rot sind wie die Wangen. In der ersten Single "Good sex" geht es um eben diesen, und im dazugehörigen Video wird so munter gevögelt, als müssten die Darsteller schnellstmöglich eine neue Generation Erdenbürger erschaffen. Kein Wunder, dass es in den USA nur mit einem fettgdruckten und drei Ausrufezeichen versehenen "NSFW"-Sticker ("Not safe for work") zu finden ist.

So ein bisschen körperliche Liebe schadet ja auch nicht. Dass das stellenweise wirkt, als würde man mit seinem Vater über Sex sprechen, sorgt jedoch mitunter für etwas Unbehagen, und dass Papa Drew dabei mehr ein ums andere Mal wie Dr. Sommer anmutet, mag nicht jedermanns Sache sein. Dennoch: Songs wie die pulsierende New-Wave-Hymne "You gotta feel it" liebkosen den Gehörgang, und das Herz wird gestreichelt von der tröpfchenartigen Melodie in "My God", während der breitbeinige Rocker "Bullshit ballad" die Dinge in die Hand nimmt – letzterer übrigens ganz ohne zweideutige Anspielung.

Trotzdem geht es auf "Darlings" nicht nur auf-, sondern hier und da auch mal ein wenig abwärts. Ausgerechnet der schmierige Opener "Body butter" trägt eine Spur zu dick auf, um noch mit einem Augenzwinkern aufgenommen zu werden, und der extreme Prince-Vibe, mit dem Drew das erzählerische "Mexican aftershow party" skandiert, ist einfach zu viel des Guten und lässt "Darlings" an Standhaftigkeit einbüßen. Mit dem schmusigen "You got caught" kriegt der Kanadier kurz vor Schluss doch noch die Kurve und erinnert dabei sicher nicht zufällig an das grandiose "Lover's spit" vom wunderbaren Broken-Social-Scene-Album "You forgot it in people". Der Schlussakt "And that's all I know" vollzieht den Tempowechsel zum genau richtigen Zeitpunkt und sorgt für einen weiteren, wenn auch späten Höhepunkt auf "Darlings", das bis dato vor Anzüglichkeiten nur so strotzte, aber größtenteils zu befriedigen wusste. Mal sehen, was sich Papa Drew für das nächste Zusammenkommen überlegt.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Good sex
  • You gotta feel it
  • You got caught
  • And that's all I know

Tracklist

  1. Body butter
  2. Good sex
  3. It's cool
  4. Mexican aftershow party
  5. You gotta feel it
  6. First in line
  7. Bullshit ballad
  8. My God
  9. You in your were
  10. You got caught
  11. And that's all I know

Gesamtspielzeit: 42:31 min.

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