Karate Andi - Pilsatør Platin

Karate Andi- Pilsatør Platin

Macheete / Distributionz / Soulfood
VÖ: 21.02.2014

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Stumpf als Trumpf?

Die Rezension zu Bushidos Album "Sonny Black" schlug ja schon ein paar Wellen. Muss man die Integrationsfigur des deutschen Gangsta-Rap überhaupt besprechen? Und wenn man es denn dann tut, sollte man nicht wie bei allen anderen Platten eine Wertung in Form von Punkten finden? Wo hört Inszenierung auf und wo fangen homophobe und sexistische, bodenlose Dummheiten an? Und kann man die eigentliche Disziplin des Raps überhaupt losgelöst davon betrachten? Eine weitere Möglichkeit der Auseinandersetzung bietet nun Karate Andis "Pilsatør Platin".

Denn auch der Kosmos des "Boss vom Hinterhof" bewegt sich zwischen dreckigen Puffs, Neuköllner Kneipen, Drogen aller Art und selbstverständlich ist auch sein "Schwanz fett und groß wie die Sowjetunion". Dabei kann Karate Andi doch tatsächlich auch mit Technik statt purer Größe glänzen. Seine Reimketten auf eine oder mehrere Silben haben ihn schon beim beatbefreiten Battlerap bei Berlins "Rap am Mittwoch" schnell zu Ruhm verholfen. Nun kommen noch die von 7inch produzierten, zumeist eindringlichen Taktschläge dazu und schon könnten Tracks wie "Lösch meine Nummer" – trotz derber Sprache – zu Wertungen über dem Durchschnitt verhelfen. Auch das ironisch-schmusige "So viel gemeinsam" geht ohne unflätige Betitelungen und diskriminierende Sprache recht ordentlich in den dafür sensiblen Gehörgang.

In allen anderen Stücken ist der Berlin-Zugezogene aber voll und ganz im Prollrap-Metier, das Themenspektrum entsprechend oft schon dagewesen. Zwar existieren immer mal wieder durchaus gelungene sprachliche Bilder und Vergleiche, nur gehen diese eben zwischen hier nicht wiederholenswerten Titulierungen verschütt. Kompetitiver Battlerap – Karate Andis Paradedisziplin – hin oder her, nur ließe sich die eigene Überlegenheit doch sicher anders ausdrücken. Die beträchtliche Palette Ironie beim Krawall gegen alles und jeden ist dabei ohne Frage offensichtlich, kann aber letztlich eine Abwertung, aufgrund des durch niveaulosen Schimpf geschädigten Rezensentenohres, nicht verhindern.

Trotzdem ein neuer Vorschlag zur Güte zum Umgang mit Gangsta- und Prollrappern: Einfach vorstellen, es handele sich um Exhibitionisten. Die beste Reaktion auf Entblößer im Park ist noch immer der konsequente Lachanfall über das entgegengestreckte Genital. Selbiges gilt für HipHopper zwischen Freudenhaus und U-Bahnschacht: Einfach mal über die dicke Hose lachen. Dann entscheidet es sich; entweder bauen sich infolgedessen muskelbepackte Vasallen vor einem auf und weisen bestimmt auf Verfehlungen hin – ein sicheres Zeichen für tatsächliche geistige Umnachtung. Oder der Halbnackte lacht einfach mit und entblößt sich zusätzlich als Teil einer Inszenierung. Mit Karate Andi wäre wohl zumindest gut schallend lachen.

(Andreas Menzel)

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Highlights

  • So viel gemeinsam (feat. Mortis One)
  • Lösch meine Nummer

Tracklist

  1. Willkommen im Karateclub
  2. Generation Andi
  3. So viel gemeinsam (feat. Mortis One)
  4. Kindergeld
  5. Big trouble at little Hermannplatz
  6. Der Boss vom Hinterhof (Fuckmaschine)
  7. Verschwende Deine Jugend
  8. Breakdancebattle (feat. Gustav)
  9. Lösch meine Nummer
  10. Goldener Schuss (feat. Gustav)
  11. Morgen hör ich auf
  12. Doppelpunktklammerauf

Gesamtspielzeit: 40:10 min.