Architects - Lost forever / lost together

Architects- Lost forever / lost together

Epitaph / Indigo
VÖ: 07.03.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Umparken im Kopf

Das erste Wort, das einem in den Sinn kommt, sobald das neue Album von Architects anrollt? Metalcore. Und damit eine Menge gruseliger Erinnerungen. An Baukastensongs etwa, die so lange nach der gleichen Formel aufgezogen sind, bis auch dem Letzten die Ohren bluten. An Bands, die mitsamt ihren Instrumenten einen Salto vom Boxenturm hinlegen können, ohne die Frisur zu beschädigen oder auch nur eine winzige Note in den Sand zu setzen, sich dabei aber unsympathisch geil fühlen. An ein Wasteland der Ideen. Ein fürchterliches Genre einfach, wie viel öfter bestätigt wurde, als man es eigentlich gebraucht hätte.

Glücklicherweise muss das Architects nicht wirklich kümmern. Sie sind nämlich clever und vor allem gut genug, um sich nicht lediglich auf ein einzelnes Genre reduzieren zu lassen. Klar geben sich hier wenig überraschend Blastbeats und Breakdowns im fliegenden Wechsel die Klinke in die Hand und das famose Geschrei kippt dann und wann in cleanere Gefilde ab. Langweilig wird einem auf "Lost Forever / lost together" trotzdem so gut wie nie. Weil Genre-Stereotypen hier mit Einsprengseln aus Mathcore und – hört, hört – Postrock verprügelt werden zum Beispiel. Vor allem aber, weil diese Band bei dem, was sie tut, absolut kompromisslos vorgeht. 16 Sekunden dauert es, in denen ein dezent verzerrtes Intro durch die Gegend wabern darf, ehe "Gravedigger" sich selbst von der Leine lässt und allem, das zufällig in der Nähe ist, eine blutige Nase verpasst.

Wer erwischt wurde, darf sich wenigstens ein bisschen trösten: Melodischer kann man kaum eine verpasst bekommen. Worin eine der großen Stärken dieser Platte liegt. Hier wird – man höre nur das sensationelle "The devil is near" – instrumentales Kleinholz am Fließband fabriziert, ohne auch nur einen Moment lang das Gespür für Melodie aus den Augen zu verlieren. Über diesem mehr als soliden Fundament trohnt Sam Carters beeindruckendes Organ als Kirsche auf dem Sahnehäubchen und keift der Welt und allem, was auf selbiger so schief läuft, seine Missachtung entgegen. Leichte Kost geht anders. Wenn bei all dem schwer Verdaulichen, das Architects ihren Hörern vorsetzen, aber solche Großtaten wie "Naysayer" oder "Colony collapse", das sich kurzzeitig gar als Thrice-Nummer ausgibt, heraus kommen, verlässt man sich gerne auf seinen guten Magen und nimmt "Lost Forever / lost together" begierig auf.

Dass man sich den Magen nicht verdirbt, dafür sorgen Architects praktischerweise auch gleich selber. Indem sie ihre größtenteils rasante Postmetal-Mathcore Abfahrt gerade abwechslungsreich genug gestalten, um jeglichen Ermüdungserscheinungen vorzubeugen. Hier ein Instrumentalstück, da ein Gastauftritt und ganz zum Schluss noch ein Stück vom Schlage eines "The distant blue", das in seinen fünf Minuten noch ein mal alles an Atmosphäre heraus holt. Und "Lost Forever / lost together" wird eine runde Sache. Die sachte nachfragt, ob man diesem verflixten Genre nicht ein wenig Unrecht getan hat.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Gravedigger
  • Naysayer
  • C.A.N.C.E.R
  • The distant blue

Tracklist

  1. Gravedigger
  2. Naysayer
  3. Broken cross
  4. The devil is near
  5. Dead man talking
  6. Red hypergiant
  7. C.A.N.C.E.R
  8. Colony collapse
  9. Castles in the air
  10. Youth is wasted on the young
  11. The distant blue

Gesamtspielzeit: 43:26 min.

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