Crippled Black Phoenix - White light generator

Crippled Black Phoenix- White light generator

Cool Green / Mascot / Rough Trade
VÖ: 14.03.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Unverwirrbaren

Crippled Black Phoenix hält nichts und niemand auf: Was das Auftreten der Band und vor allem von Mastermind Justin Greaves stets schon vermittelte, wird inzwischen auch durch die reinen musikalischen Fakten mehr als belegt. Denn mittlerweile irritiert es das Bandkollektiv noch nicht einmal mehr, wenn mit Sänger/Gitarrist Joe Volk nicht nur die Stimme ihrer zurückliegenden vier Studioalben, sondern eben auch ein Gründungsmitglied von Bord hüpft. Eine neue EP steht an? Dann schaut her, hier ist unser neuer Sänger. Ein neues Album soll es sein? Kein Problem, dann singt einfach noch mal jemand anderer. Daniel Änghede heißt der gute Mann, mehr oder (eher) weniger bekannt als Teil des schwedischen Shoegaze-Duos Hearts Of Black Science. Und damit niemand behaupten kann, Greaves wechsele seine Mitspieler mindestens ebenso schnell wie ein Krake die Fellfarbe, kehrt zu "White light generator" mit Daisy Chapman an Stimme und Piano eine alte Weggefährtin zurück, die sich mit "Shameless winter" eigentlich schon längst aus Greaves' Teufelsküche in ihre eigene gottesfürchtige Solokarriere gerettet zu haben schien.

Doch so einfach lässt Greaves eben nicht los. Und Crippled Black Phoenix schon gar nicht. Das zeigt schon die Art und Weise, wie sich die Eröffnungstakte von "No! Part 1" mit Gitarre, Piano und zaghaft hereinströmendem Feedback-Delay auf den dazwischenspurtenden Beat vorbereiten, der – einmal präsent – das Geschehen derart eng an die Kandare nimmt wie zuletzt wohl in der Tat "Suppose I told the truth" auf dem Debütalbum "A love of shared disasters". Im Gleichmaß hämmern die Akkorde auf die Viertelnoten ein, periodisch vertieft der Bass die Marschrichtung, das Schlagzeug schreitet mit apodiktischer Konsequenz ausschließlich voran, und Chapmans Klavierläufe schwirren zwar hier und da umher, werden aber sogleich wieder wie lästige Insekten abgeschüttelt: Zäh, robust, unbeirrbar – dieser Song ist eine einzige Geste der Entschlossenheit, und passt damit perfekt zu Gusto, Auftreten und Selbstverständis der sieben Bristoler.

Weshalb es auch nur auf dem Papier etwas bringt, wenn Crippled Black Phoenix "No!" in zwei Teile zerschlagen. Denn insgesamt über 13 Minuten ein und dasselbe Akkordmuster ist so oder so eher ein Statement als ein echter Spannungsthriller. Andererseits ist es natürlich immer wieder schön zu hören, wenn auch Bands eine Akkordfolge derart liebgewonnen haben, dass sie einfach nicht von ihr lassen können, sondern sie so lange prog-solieren, bis schlussendlich alle schnaufend am Boden liegen. Kein Problem, zumal bei Crippled Black Phoenix immer schon galt: "Eine CD fasst 74 Minuten, also bloß keine Panik – wir haben Zeit." Fürwahr, die haben sie, und zwar Endzeit, um genau zu sein. Denn auch das stimmt nach wie vor: Die Stimmung auf "White light generator" bleibt düster bis hoffnungslos, weshalb selbst die schweren Riffs von "Let's have an apocalypse now!" und "Parasites" nicht wirklich für Metal-Halligalli sorgen. Vielmehr sind sie eine apokalyptische Kahlrasur, auf deren Boden die zweite, als "White side" bezeichnete Albumhälfte eine weitaus ruhigere Atmosphäre verbreitet als ihre nur unwesentlich schlechtere, schwarze Hälfte.

Statt Grunge und Proto-Doom regieren nun Piano, Folk und gemächlichere Rhythmen, wobei eine echte Erdbefriedung erst mit den abschließenden sphärischen Trompetenstößen, Postrock-Gitarren und Chören von "A brighter tomorrow" gelingt. Eingeleitet durch "Northern comfort", das noch kongenial zwischen Up- und Downtempo herumflippert, spielen darauf vor allem "Wake me up when it's time to sleep" und "We remember you" wunderbar warmen Trauerfolk, mit zugleich gemessenen und dichten Beats, Kaskaden aus dispergieren Pedal Steels, Slides und Piano-Läufen sowie Änghedes Gesang, dem das Gelassene und Elegische noch um einiges besser steht als die Songs der pumpenden "Black side". Auch mit seiner Hilfe halten Crippled Black Phoenix die Ideallinie zwischen ein wenig Kitsch und Düsterkeit, zwischen Pomp und Nachdruck insbesondere auf der zweiten Albumhälfte so selbstverständlich wie nie zuvor. Wie gesagt: Crippled Black Phoenix hält nichts und niemand auf – auf "White light generator" noch nicht einmal ihr eigener inhärenter Widerspruch.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • No! Part 1
  • Wake me up when it's time to sleep
  • We remember you
  • A brighter tomorrow

Tracklist

  1. Sweeter than you
  2. No! Part 1
  3. No! Part 2
  4. Let's have an apocalypse now!
  5. Black light generator
  6. Parasites
  7. -
  8. Northern comfort
  9. Wake me up when it's time to sleep
  10. Caring breeds horror
  11. You'll be murdered
  12. We remember you
  13. A brighter tomorrow

Gesamtspielzeit: 70:46 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
spkueylwu
2014-07-17 03:05:04 Uhr
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MR C
2014-03-31 14:20:52 Uhr
"Dieses bescheuerte Guerilla-Artwork ist auch wieder gewohnt hässlich, diesmal hat man's aber sogar geschafft, den riesigen Sticker der den Inhalt der Vinyl-Version anpreist direkt auf die Pappe zu kleben."

Zu dem Aufkleber auf der Pappe hat der gute Justin schon ein Statement auf der Facebook-Seite abgegeben. Eigentlich sollte der Aufkleber auf die Folie der LP, die man dann später ja eh abzieht. Die Plattenfirma hat auch schon ein Statement rausgegeben, dass an einer Lösung für die Leute gearbeitet wird, die das reklamieren...
Sisalgeorty
2014-03-15 19:14:42 Uhr
Hochinnovativ, was die fünf Mazedonier da wieder abgeliefert haben.
9/10

Walenta

Postings: 271

Registriert seit 14.06.2013

2014-03-15 17:24:11 Uhr
Ja, dieses Matthew Dunn Artwork ist mal echt wieder unter aller Kanone...hab nie verstanden was Greaves an den Bildern von dem Typen so dermaßen anspricht (oder naja, eigentlich schon), vielleicht ist dieser Zuspruch aber auch nur zu symptomatisch dafür, dass ich den Bezug zu CBP immer mehr verliere...

Clown_im_OP

Postings: 233

Registriert seit 13.06.2013

2014-03-15 16:37:21 Uhr
Nach den ersten Durchgängen: Die schwarze Seite ist mit ihren vorhersehbaren großen, aber substanzlosen Gesten einfach nur langweilig, da weiß mir in seiner Monotonie gerade mal der Zweiteiler 'No!' zu gefallen. Krankt für mich alles an den selben Dingen wie Mankind, nur dass hier eben nicht Volk singt. Die weiße Seite ist viel(!) besser ausgefallen, ich würde sogar sagen, die hätte gereicht - zusammen mit 'No!' wäre das mehr als eine vernünftige EP geworden, die über weite Strecken die Vibes des Debuts verströmt. Blöd nur, dass gerade in den ruhigen Momenten deutlich wird, das Änghede recht fehlbesetzt ist. Wirklich anfreunden kann ich mich mit dessen Stimme eigentlich nur wenn man ihn kaum hört, oder wenn er versucht Volk zu kanalisieren (was er auf den besten Songs des Albums, 'Wake Me Up When It's Time To Sleep' und 'A Brighter Tomorrow' recht eindeutig macht). Wie zum Hohn ist dann auf der Bonus 7" eine neue Version von 'When You're Gone' drauf, die für mich so gar nicht hinhaut. Aber wie schon gesagt, ich bin halt ein ziemlicher Volk-Fanboy, und kann mittlerweile definitiv sagen, dass mir die Richtung die die Band nach ihm gegangen ist einfach nicht liegt. Da ist mir erstmal egal wer da wessen Konzept nicht verstanden hat. Dieses bescheuerte Guerilla-Artwork ist auch wieder gewohnt hässlich, diesmal hat man's aber sogar geschafft, den riesigen Sticker der den Inhalt der Vinyl-Version anpreist direkt auf die Pappe zu kleben.
Ich bin nur froh, dass Chapman wieder dabei ist, sonst wäre das vielleicht komplett in die Hose gegangen. Kann mir aber durchaus vorstellen, dass einiges von der schwarzen Seite live wesentlich besser funktioniert.
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