I Am Heresy - Thy will

I Am Heresy - Thy will

Century Media / Universal
VÖ: 28.02.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Evil dad

Zwischen ihnen liegen oft Welten. "Mach die Affenmusik leiser!", wird zum täglichen Mantra für den einen. "Ich will doch nur spielen!", kontert der andere. Jeder falsche Knopf ist eine Kriegserklärung – Fronten bilden sich, häufig so verkeilt, als ginge es um einen Machtkrampf zwischen Opposition und Regierung im Bundestag. Keine Frage: Die Geschichte zwischen Vater und Sohn ist oft eine voller Missverständnisse. Gerade, wenn es um Musik geht. Denn die ist Herzens- und Gefühlssache, vor allem ein Stück Zeitgeist der Jahre, in denen sie entstand. Mit Logik ist dem nicht mehr beizukommen, rien ne va plus. Simon Gray hat das Glück der richtigen Geburt gehabt – und ist von guten Eltern: Sein Vater Nathan Gray singt bei der Hardcore-Legende Boysetsfire, und statt den Filius mit Halbwissen aus seiner verstaubten Jugend zwischen Singles von The Monkees und Gelegenheits-Abstürzen zu Jefferson Airplane abzuspeisen, macht er das anders: Er outet sich offen als Atheist, brüllt gegen Missbrauch von Religionswahn jeglicher Art an und spielt zu diesem Zweck mit Sohnemann Simon in einer Band. Sie heißt I Am Heresy. Es ist so eine, die die meisten Väter der Welt, von Gray einmal abgesehen, auf die Barrikaden treiben würde. Auch auf ihrer zweiten Platte "Thy will".

Erlaubt ist, was laut ist: Im Stück "Blasphemy incarnate" explodieren tiefergelegte Heavy-Metal-Gitarren wie aus der gefährlichen Phase von Slayer, und Nathan denkt nur bedingt daran, seiner in den Credits zugedachten Rolle als Sänger gerecht zu werden. Nicht viel Anlauf haben I Am Heresy bis dahin gebraucht, um auf 180 zu kommen. Alles muss kaputt sein, alles muss raus, alles oder nichts. Die Leadgitarre kreischt, als hätte der Besitzer ihr den Hals umgedreht, jemand prügelt auf das Schlagzeug ein, als sei es ein Punchingball. Fans der melodischen Stücke von Boysetsfire kommen auf "Thy will" nicht immer auf ihre Kosten. "Das Leben ist ein Kampf. Ein wunderbar schöner Kampf", wie Gray Senior in einem Interview kürzlich verlauten ließ. "Thy will" ist sicherlich auch so ein Kampf. Und nebenbei Bühne, Gelegenheit und Riesenchance für den Erzeuger, auf die er hörbar lange gewartet hat.

Denn alles, was der bei Boysetsfire nicht sein kann und sein darf, ist auf "Thy will" plötzlich machbar: offen Knüppelsongs wie Ketzerhymnen einprügeln zum Beispiel. Dampf ablassen, sich mit verdorbenen Miststücken wie "Destruction anthems" und eindeutigen Symbolen so deutlich positionieren wie eine Hure am Straßenstrich. "Wenn es das Böse gibt, dann sind es Religionen. Die halten Menschen vom Denken ab", so Gray. Das ist bei Boysetsfire wegen christlichen Hintergrunds der meisten Bandmitglieder nicht drin. Dabei ist auch "Thy will" keine Veranstaltung, auf der nur Krawallbrüder Zutritt haben: Der Song "March of black Earth" hätte auch neben Feuerzeugballaden wie "Never said" von der letzten Boysetsfire-Platte keine krassen Stilbrüche provoziert. Und wer genauer hinhört, erkennt Akustikpickings, eine Riesenlatte Melodien, die Wuchtstimme von Nathan Gray. Natürlich ist "Thy will" innerhalb seiner Brennzonen vor allem eine Brandrede des Frontmannes. Oft halten seine Mitmusiker nicht mit, wenn sie mit Standard-Doublebass, abgestandenen Riffs und vorhersehbaren Dissonanzen dazwischenkrachen. Aber trotzdem bleibt Gray senior in Sachen Hörtoleranz bis zuletzt ein Vater, wie ihn sich "Rock Hard"-Abonennten nur wünschen können.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • March of black Earth
  • Unrepentant

Tracklist

  1. Rahabh
  2. Our father
  3. March of black Earth
  4. Year zero in the temple of fire
  5. Destruction anthems
  6. Thy will I (Black sun alpha)
  7. Thy will II (Black sun omega)
  8. Blasphemy incarnate
  9. As we break
  10. Alarm
  11. Seven wolves and the daughters of apocalypse
  12. Devour
  13. Through wide the gates
  14. Hinnom I (Altar of fire & earth)
  15. Hinnom II (This is the second death)
  16. Unrepentant
  17. Violent convulsions in the throes of life
  18. Written in the blood of wisdom

Gesamtspielzeit: 54:35 min.

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