Left Boy - Permanent midnight

Left Boy- Permanent midnight

Downbeat / Warner
VÖ: 14.02.2014

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die Abrissbirne

"Permanent midnight" ist ein wahnsinnig persönliches Album geworden. Sagt zumindest Ferdinand Sarnitz, gebürtiger Österreicher, dessen bürgerlicher Name so gar nicht zur musikalischen Identität passen will. Nennen wir ihn also lieber Left Boy und machen uns nicht allzu viel aus den Persönlichkeits-Behauptungen. So oft er von sich erzählt auf "Permanent midnight", nie hat man das Gefühl, den Ferdinand hinter der Fassade kennenzulernen. Left Boy ist sein Wirklichkeit gewordenes Idol, mit so viel Herzblut inszeniert, dass es ihm schwer fallen dürfte, das wieder abzulegen. Sarnitz sagt von sich selbst, er denke und träume auf Englisch, obwohl er den Großteil seines bisherigen Lebens in Wien verbracht hat. Als Sohn von Chansonnier und Multimediakünstler André Heller. Mit 18 ging es nach New York, erst Tontechnikstudium in Manhattan, später weiter nach Brooklyn. Geld? Hat Papa genug, Musikmachen war wichtig.

Ohne Zwang, den eigenen Lebensunterhalt verdienen zu müssen, widmete sich Sarnitz ganz dem musikalischen Traum. Schnell machte er sich im Internet einen Namen, ließ ein Partytier nach dem anderen auf die schnell wachsende Facebook-Fanbase los. Er traf von Anfang an genau den Nerv des Netzwerks, wusste, wozu die vergnüngssüchtigen Kids gerne tanzen: HipHop, Electro, Dubstep, Pop – alles durchzogen vom exzessiven Hang zum Sampling. In der Hinsicht hat sich zwei Jahre nach dem ersten Hype nichts geändert. Auch auf seinem Debüt samplet Left Boy wie bekloppt, kippt alles an Sound dazu, was nicht bei drei auf den Boxentürmen war und wirkt dabei nicht selten etwas planlos.

"Permanent midnight" will von allem zu viel und hat häufig enttäuschend wenig Substanz hinter der Bugwelle. Dabei ist es eigentlich so einfach: Left Boy reißt die Hütte ab, im ruhelosen, vollkommen überladenen Partysound von 2014. Punkt. Nix mit Persönlichkeit und Emotionalität, wo ist der Wodka? Genau dieser Teil von Left Boy winkt in Tracks wie "Get it right" und "Security check" vom Wrecking Ball der Abi-Fete und macht das ziemlich überzeugend. Der Mann ist mutig, alles zu kombinieren, worauf Menschen in den letzten Jahren ausgerastet sind und bastelt daraus durchaus seinen eigenen Sound.

Doch genauso schnell wie "Permanent midnight" zur richtigen Zeit den Floorfiller machen dürfte, wird die Platte auch anstrengend. Sarnitz feiert sich selbst ein wenig zu intensiv und verliert im Partyrausch jeglichen Sinn für Dramaturgie. Die einsame Akustik-Nummer "Everything flows" fällt da eher unangenehm aus dem Rahmen als dass sie das Album bereichert. Und generell klingt "Permanent midnight" meist wie das völlig abgedrehte Baby eines verwöhnten Jugendlichen mit deutlich zu viel Freizeit. Sarnitz selbst braucht das aber natürlich nicht zu kratzen, zumindest er hat hier permanent den Spaß seines Lebens. "It's okay if you touch my dick / Cause this is the security check."

(Konrad Spremberg)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Permanent midnight
  • Security check

Tracklist

  1. Permanent midnight
  2. Time and again
  3. Black dress
  4. Through
  5. Marie
  6. Stoned
  7. Star
  8. 10 AM
  9. Everything flows
  10. Moment
  11. That's how much
  12. Get it right
  13. Security check
  14. Left Boy's coming

Gesamtspielzeit: 41:45 min.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum