Broilers - Noir

Broilers- Noir

People Like You / Universal
VÖ: 07.02.2014

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Los. Stop. Schade.

Vorneweg: All diejenigen, die hinsichtlich des jüngeren Outputs von Broilers schon einmal den Satz "Früher waren die aber besser und haben sich noch nicht verkauft" auf den Lippen hatten, brauchen das hier nicht unbedingt lesen und können "Noir" größtenteils links liegenlasssen. Attribute wie Oi!-, Street- oder Sonstwas-Punk bleiben nämlich anno 2014 fast komplett in der Schublade. Sprich: Broilers sind auf ihrer nunmehr sechsten Platte endgültig zu einer Rockband mutiert. Das mögen manche mit einem resignierten Seufzen quittieren, wird aber für alle, die sich darauf einlassen, zu einer einigermaßen runden Sache. Denn was die Düsseldorfer auf "Noir" fabrizieren, klingt über weite Strecken durchaus amtlich.

Unterstützt von Vincent Sorgs meterdicker, aber dennoch unaufdringlicher Produktion legt der Fünfer mit dem Einstiegsdoppel "Ist da jemand?" und "Zurück in Schwarz" mächtig beschwingt los. Der Weg führt direkt ins Uptempo, direkt hin zu Refrains, die zwar leicht zu erraten, aber dennoch schwer zu vergessen sind. Unkomplizierte Nummern mit genügend Widerhaken, um nicht langweilig zu werden. Ihre Kernkompetenz beherrschen Broilers also nach wie vor. Ob mal etwas ruppiger wie im erwähnten "Zurück in Schwarz" oder mit überbordendem Hitpotential, wie in "Grau, grau, grau" – immer dann, wenn die Band nach vorne will, funktioniert "Noir" ganz und gar hervorragend. Da fällt selbst das latente Nervpotential von "Nanana (Ich krieg' das hin)" einmal großzügig unter den Tisch.

Schwieriger wird die Chose allerdings, wenn die Songs versuchen, eine ruhigere oder gar romantischere Kugel zu schieben. Dann nämlich sieht die Trefferquote von Broilers ähnlich duster wie der Albumtitel aus. Kann man den formidablen Offbeat von "Irgendwo dazwischen" noch problemlos auf der Habenseite verbuchen, hat man bei Stücken vom Schlage "Ich hol' Dich da raus" oder "Nur nach vorne gehen" immer Angst, dass jeden Moment Campino um die Ecke kommt und "An Tagen wie diesen" über den Refrain grölt. Dann ist – zumindest musikalisch – der Weg zum nächsten Bierzelt oder zur nächsten CDU-Wahlkampfparty gar nicht so mehr weit. Auch der rührselige Akustikschunkler "Wo bist Du (Du fehlst)?" verdient sich das Etikett "braucht kein Mensch". Dabei versteht sich die Band durchaus auf poppigere Gefilde, wie nicht nur der durchweg gelungene Schlusstrack "Gutes Leben" deutlich macht.

Wodurch "Noir" letztlich ziemlich grau wird. Wo genau Broilers denn nun mit dieser Platte hin wollen, erschließt sich nämlich nicht. Weder musikalisch noch textlich. Sie lassen einerseits Plattitüden wie "Ich weiß Lebewesen kommen / Und Lebewesen gehen / Das ist der Lauf der Dinge" vom Stapel und erinnern andererseits in der furiosen Rechtsruck-Absage "Der Rest und ich" gewitzt an Rostock-Lichtenhagen: "Als der Rest schon klatschte / Kam er ebenfalls raus / Vollgepisste Jogginghose / Vor brennendem Haus." Und man ist geneigt zu fragen, ob in beiden Songs die gleiche Band am Werk war. Denn Broilers stehen mit diesem Werk schlussendlich in der Tat irgendwo dazwischen. Was schade ist, hätte "Noir" doch ein richtig tolles Album werden können.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Ist da jemand?
  • Zurück in schwarz
  • Der Rest und ich

Tracklist

  1. Ist da jemand?
  2. Zurück in Schwarz
  3. Wo es hingeht
  4. Nur nach vorne gehen
  5. Ich hol' Dich da raus
  6. Die Hoffnung stirbt nie
  7. Wo bist Du (Du fehlst)?
  8. Ich brenn'
  9. Nanana (Ich krieg' das hin)
  10. Ich will hier nicht sein
  11. Die Letzten (an der Bar)
  12. Grau, grau, grau
  13. Der Rest und ich
  14. Irgendwo dazwischen
  15. Das da oben (Nur in Dir)
  16. Gutes Leben

Gesamtspielzeit: 52:01 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Broiler_PUNK
2014-03-17 19:58:56 Uhr
Goile Band auf jeden Fall. Wenn meine Jungs und ich nicht gerade schafkopfspielend und fassbiertrinkend in der Dorfkneipe hocken, sieht man uns oft auf Broilers-Konzerten - "Oi, Oi, Oi"-rufend natürlich.

Achim

Postings: 6167

Registriert seit 13.06.2013

2014-03-17 19:35:03 Uhr
http://paul.shure.me/review-broilers-noir/

köstlich. das kann ich so unterschreiben.

Achim.
Donnerjohann
2014-03-17 17:43:50 Uhr
Hand in Hand
schlurfen wir vereint,
bis aus unserem Arsch
wieder die Sonne scheint

Ihr seid die Größten
Euer Donny

whitenoise

Postings: 291

Registriert seit 17.06.2013

2014-03-17 16:29:08 Uhr
Gar nicht so einfach, im Netz oder in den Printmedien nen echten Verriss zu finden, auch auf Plattentests ist die Platte ja noch als Durchschnitt weggekommen. Habe versucht, die Lücke zu stopfen:
http://paul.shure.me/review-broilers-noir/
Philipp Mainländer
2014-02-25 13:53:09 Uhr
Wolfgang Petry, umgangssprachlich auch als "Wolle" bekannt, hat dieser Tage auch und unerwartet ein neues Album veröffentlicht. Mann sollte eine gemeinsame Tour planen.
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