Scott H. Biram - Nothin' but blood

Scott H. Biram- Nothin' but blood

Bloodshot / Rough Trade
VÖ: 28.02.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ein Mann für alle Genres

Scott H. Biram ist einer von diesen Typen, denen ihre Musik mehr bedeutet als ihre Gesundheit. 2003 war er in einen Autounfall verwickelt, bei dem er sich mehr Knochen brach, als man zählen kann. Knie, Fuß, Arm, Oberschenkel. Dazu kamen schwere innere Verletzungen, ein Großteil seines Darmes musste entfernt werden. Einen Monat später saß er im Rollstuhl wieder auf einer Bühne, neben ihm der Tropf. Vielleicht ist Musik für Leute wie Biram aber auch die Essenz ihrer Gesundheit. Als One-Man-Band ist er Sänger, Drummer und Gitarrist in einem, sein ganzer Körper macht die Musik auf "Nothin' but blood". Es mag Einbildung sein, aber irgendwie hört man das auch.

Dabei ist Biram kein Wunderkünstler, der mit beiden Händen gleichzeitig verschiedene Instrumente zupft, Mundharmonika spielt und mit seinen Füßen ein komplettes Drumset abklopft. Die Dynamik, die seine Songs durchzieht, hat trotzdem etwas sehr Körperliches. Man kann sich fast vorstellen, wie er bei jedem Song in der passenden Pose und mit dem passenden Hut auf dem Kopf vor dem Mikro sitzt, die Gitarre auf dem Schoß, und sich die Seele aus dem Leib spielt. Und die Hüte und Posen sind vielfältig.

Ganz grob lässt sich "Nothin' but blood" wohl in die Country- oder Blues-Schublade einsortieren. Songs wie "I'm troubled" oder "Gotta get to Heaven" erinnern nicht nur dank der Mundharmonika und dem leicht abgerissenen Sound an Bob Dylan. "Jack of diamonds" stampft etwas elektrischer durch einen Glücksspielabend, und bei "Nam weed" und dem nuschelig-abgehangenen Opener "Slow & easy" orientiert sich Biram mehr am modernen Folk. Das Kontrastprogramm dazu sind Songs wie "Alcohol blues" oder das fantastisch kreischende "Church point girls". Hier schrammelt Biram sich seine Finger auf der E-Gitarre blutig und grölt und grummelt sich durch Verse voller Schweinereien und hochprozentiger Abgründe. "Only whiskey can sleep in my bed" stellt er dann zwei Songs später fest.

Diese Trinkerseite von "Nothin' but blood" hat zunächst zwar etwas Vulgäres, das den Hörer erst einmal vor den Kopf stößt. Die Platte zerreißt daran aber nicht, sondern setzt bis zum Schluss interessante Kontrapunkte und steigert sich geradezu in einen Wettkampf mit sich selbst. Das endet damit, dass Biram sich in "Around the bend" mit Metal-Riffs und schlechter Laune in Richtung Sludge wagt und danach – um seine Tour durch die Südstaaten-Genres komplett zu machen – noch drei Gospelsongs zu Besten gibt, die nicht nur wunderschön versöhnlich und angenehm knarzig instrumentiert sind, sondern in ihrer sonnigen Melodieverliebtheit den Kreis zum Anfang wieder schließen. Hoffentlich nicht auch den zum Rollstuhl.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Gotta get to Heaven
  • Church point girls
  • When I die

Tracklist

  1. Slow & easy
  2. Gotta get to Heaven
  3. Alcohol blues
  4. Never comin' home
  5. Only whiskey
  6. Jack of diamonds
  7. Nam weed
  8. Backdoor man
  9. church point girls
  10. I'm troubles
  11. Around the bend
  12. Amazing grace
  13. When I die
  14. John the revelator

Gesamtspielzeit: 51:55 min.

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