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Maximo Park - Too much information

Maximo Park- Too much information

Vertigo / Universal
VÖ: 31.01.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wer wird sie denn gleich Streber nennen?

Bald ist es zehn Jahre her, dass uns Franz Ferdinand und Co. mit ihren Debüt-Alben Woche für Woche einen neuen Hype und mindestens ein paar neue, kleine Ohrwürmer bescherten. Viele Bands der britischen Class Of 2005 existieren schon längst nicht mehr oder haben sich mit mediokren Nachfolgern selbst ins Abseits geschossen. So wirklich nachhaltig war das ganze britische Indie-Gedöhns also nicht: Alex Kapranos und seine Anzugträger zählen wohl zu den Beständigsten, Bloc Party auch, wenn man mal von den personellen Unstimmigkeiten absieht. Aber sonst? So richtig gut gealtert sind allenfalls noch Maximo Park, die mittlerweile fernab jeglicher Hype-Hysterie alle zwei Jahre verlässlich ihre eloquenten Alben abliefern und dafür meist wohlwollende Kritiken absahnen, ohne jedoch an ihrem eigenen Opus Magnum "A certain trigger" zu kratzen.

"Too much information" ist nun die fünfte Platte von Charme-Bolzen Paul Smith und seiner Bande und man wäre ein Idiot, würde man etwas anderes erwarten als eine quietschfidel zwischen Disco-Fieber und Herzschmerz changierende Songsammlung. Dass der Synthie-Anteil in Relation zu den einst so zackigen Gitarren deutlich zugenommen hat, darf man kritisieren, wenn man denn möchte, doch an der Fähigkeit kluge Gedanken in smarte Geschichten zu kleiden, hat sich seit jeher wenig verändert. Wie kaum eine zweite Gruppe von damals wissen sie mit ihrem schieren Wortwitz zu überzeugen, eine Fähigkeit, die sie über die Jahre ausgebaut haben. "Too much information" profitiert davon natürlich auch und sollte allein deshalb schon jeden überzeugen, der auf der textlichen Ebene mehr fordert, als post-pubertäre Liebesgeschichten und anderen Quatsch.

Der ganze Spaß beginnt mit dem beschwingten "Give, get, take", einer Nummer, die wie keine zweite auf "Too much information" die klassischen Stärken der Engländer ausspielt. In eine gänzlich andere Richtung denken Smith und Co. beim folgenden "Brain cells", einer für ihre Verhältnisse düsteren Wave-Nummer, die ihnen jedoch nicht entgleitet. Sicherlich wird man nicht befürchten müssen, dass sich Maximo Park bald Kajal unter die Augen schmieren und auf dem Cover des Sonic Seducer landen, aber es integriert eine neue Facette in den Bandsound, die tatsächlich stimmig erscheint. In eine ähnliche Kerbe schlagen "Is it true" und "Leave this island" und mit dem starken "Lydia, the ink will never dry" wird dann auch noch The Smiths gehuldigt. Maximo Park bleiben also wandlungsfähig, ohne jedoch beliebig zu klingen. Das muss ihnen erstmal jemand nachmachen. Und die 80er-Jahre-Kante steht ihnen einfach zu gut, um sie blöd zu finden.

Kaum einer Band gelang es überdies, in den letzten zehn Jahren auf so scharfsinnige Weise urbane Melancholie einzufangen, ohne platt oder klischeehaft zu klingen. Mit "Midnight on the hill" und "Drinking Martinis" knüpfen Maximo Park an die eigene Tradition an, man denke zurück an die unvergessenen "Books from boxes", "By the monument" oder unzählige andere Songs, die so clever und wortreich Momente des zwischenmenschlichen Zweifels versinnbildlichen. Besonders schön wird es dann gegen Ende, wenn Maximo Park mit "Where we're going" in unter drei Minuten süffisanten Gitarrenpop spielen, der süßlicher, schöner, vertrauter kaum sein könnte. Dafür gibt es kein Rezept oder keine Anleitung, man hat das Gefühl, dass Smith und Co. solche Stücke locker aus dem Ärmel schütteln, ohne sich besonders anstrengen zu müssen. Wer möchte, darf sie nun Streber nennen. Alle anderen tanzen und träumen zu den Songs der Klassenbesten.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Lydia, the ink will never dry
  • My bloody mind
  • Midnight on the hill
  • Where we're going

Tracklist

  1. Give, get, take
  2. Brain cells
  3. Leave this island
  4. Lydia, the ink will never dry
  5. My bloody mind
  6. Is it true
  7. Drinking Martinis
  8. I recognise the light
  9. Midnight on the hill
  10. Her name was Audre
  11. Where we're going
  12. Out of harm's way

Gesamtspielzeit: 38:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

jo

Postings: 3766

Registriert seit 13.06.2013

2022-01-10 14:55:55 Uhr
Merke gerade, dass das mit dem Übersong ja vor einigen Jahren schon erörtert wurde :D. Mein Standpunkt hat sich scheinbar nicht geändert, obwohl ich sie gerade letztes Jahr sehr viel gehört habe (alle Alben).

jo

Postings: 3766

Registriert seit 13.06.2013

2022-01-10 14:50:56 Uhr
Hmm, ich finde ja, dass sie aus dem Stadium "Lass'-uns-einen-Floor-Filler-Schreiben" spätestens seit dem Zweitwerk längst raus waren. Daher kommt mir das gar nicht so vor. Aber mir gefällt auch "Brain Cells" danach hervorragend ;). "Leave This Island" finde ich zwar auch toll, aber der Übersong, wie hier öfter genannt, ist es für mich nun auch nicht...

James Bondage

Postings: 58

Registriert seit 09.10.2021

2022-01-10 14:36:50 Uhr
@ jo

Für mich ein eindeutiger Fall von "hey, wollen wir nicht nochmal einen zackigen Indie-floorfilla anno 2005 schreiben?", der jedoch absolut spannungsarm und austauschbar gerät.

Da mundet mir "...Audre" wesentlich mehr, weil jener auch angenehm kurz ausfällt.

jo

Postings: 3766

Registriert seit 13.06.2013

2022-01-10 11:30:05 Uhr
lahmen-Signature-Song-Ripp-off

? Ist das so? Habe ich nie so empfunden.

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 18640

Registriert seit 10.09.2013

2022-01-10 11:08:25 Uhr
Immer noch eins ihrer besten Alben, finde ich. Neben dem Übersong "Leave this island" sind noch "Lydia" und "Midnight on the hill" besonders toll.
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