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Scycs - Time-lapse

Scycs- Time-lapse

Polydor / Universal
VÖ: 07.10.2002

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Zeitschinder

Das Formatradio. Gehaßt, verdammt und aus dem Fenster geworfen. Leider nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung. Noch immer nämlich dient die Beschallung mit "dem Besten der Achtziger, Neunziger und von heute" ungezählten Zuhörern der freiwillig in Kauf genommenen Gehirnwäsche. Willenlos rotieren silberne Scheiben im Einheitsbrei zwischen den überdimensionierten Brüsten von Britney, Kylie und DJ Ötzi. Wer heutzutage noch an die Kraft der sechs Saiten glaubt, steht auf verlorenem Posten. This is Radio Bullshit, listen and cry.

Manchmal jedoch deutet sich in all der Popgrütze so etwas ähnliches wie Hoffnung an. Fast jeder Sender hält sich in diesen Zeiten zur bewußten Hörertäuschung ja eine Alibi-Rockband, die mit familienfreundlichen Riffs und butterweichen Ohrwürmern wuchern darf und die Gitarren irgendwo in ihrem Klanggewusel versteckt. Das rockt dann zwar nicht für fünf Cent, tut aber wenigstens so. Einen Sommer lang wird mitgegröhlt, bis sich unweigerlich das Mäntelchen des Vergessens ausbreitet. Suit Yourself und Re!nvented heißen solche Bands heutzutage. Vor ein paar Jahren trugen sie noch den Namen Scycs. Die Magdeburger gibt es übrigens überraschenderweise heute noch.

Und so können sie uns auch dieses Jahr mit "Time-lapse" ein paar freundliche Melodien um die Ohren pfeifen. Dabei bekamen sie sogar fachkundige Unterstützung: Neben Steve Lyons (The Cure, Paradise Lost, Reamonn) Schieberei an den Reglern gab ihnen Dirk Darmstädter (The Jeremy Days) Nachhilfe in Sachen Songwriting. So darf also nun Mikrofonhalter Stephan Michme mit Zeilen wie "We are not a part of the time" oder "You're a drunken girl with a sober heart" das Rotkehlchen spielen. Hochrot wird sein Kopf dabei allerdings nicht wegen unsachgemäßer Anwendung der englischen Sprache, sondern wegen all der Leidenschaft, die er in die Songs legt. Das ist voller Einsatz, also bitte keine voreilige Kritik!

Diese sollte man sich für Grausamkeiten wie "Unbelievable" aufsparen. Vor etwas mehr als zehn Jahren stellte diese bitterböse Haßtirade von EMF den Höhepunkt des Madchester Rave dar. Im Jahre 2002 darf leb- und liebloses Gesäusel zum durchgepausten Plastikbeat der grandiosen Hymne den Garaus machen. Wo ist die Geschmackspolizei, wenn man sie mal braucht? Da hilft es auch wenig, wenn "How it feels" oder "Dirty mind" am Emo naschen, "Weak" mit pointiertem Geschrammel daherkommt, "Come alive" munter drauflos prescht und "Injured" als halbgelungenes New Romantic-Imitat durchgeht. Immerhin wären die meisten Songs auf "Time-lapse" fürs Formatradio mittlerweile ein wenig zu ungestüm.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • How it feels
  • Come alive
  • Rainy morning

Tracklist

  1. How it feels
  2. Unbelievable
  3. Anything
  4. Injured
  5. Come alive
  6. Favourite song
  7. Weak
  8. Dirty mind
  9. No need to cry
  10. 20 something
  11. Rainy morning

Gesamtspielzeit: 43:52 min.

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  • Scycs (18 Beiträge / Letzter am 28.09.2017 - 20:13 Uhr)