Lorelle Meets The Obsolete - Chambers

Lorelle Meets The Obsolete- Chambers

Sonic Cathedral / Al!ve
VÖ: 14.02.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gerausch

Monotonie kann so schön sein. Nicht nur in der Südsee, sondern auch hier und jetzt. Vor Lautsprechern, die blechern ihrer baldigen Entsorgung entgegenscheppern. Ein dauerndes Nicken der Zustimmung. "Outside, outside, outside" singt eine Frau. Von weit weg erklingt ihre Stimme, verhuscht, verhallt.

Bis die Hölle losbricht.

Dreißig Sekunden lang kreischen die Gitarren, während Schlagzeug und Bass sich um die Wette prügeln. Dreißig Sekunden Erhabenheit und Wahnwitz, nachzuhören auf "Chambers", dem dritten Album des mexikanischen Duos Lorelle Meets The Obsolete. "Music for dozens" heißt der beschriebene Song, wobei Bescheidenheit hier völlig Fehl am Platze ist.

Denn Lorena (alias Lorelle) und Alberto (alias The Obsolete) machen Lärm für alle. Herrlichen, zügellosen und trotzdem stets melodiegetränkten Lärm. Deutlich beeinflusst von ostinatoversessenen Krautrockbands wie Neu! und Faust verpassen die beiden Musiker dem meist recht schläfrig daherschrammelnden Shoegaze-Genre den psychedelischen Arschtritt, den es verdient. Schon die ersten Töne des Openers "What's holding you?" sind verheißungsvoll. Endlich mal wieder ein Bass, der richtig grummelt! Nach dem Einstieg von Drums, Gitarren und Sängerin gibt es kein Halten mehr. Lorelle Meets The Obsolete klingen so, wie My Bloody Valentine klingen könnten, wenn Kevin Shields nicht gar so verkopft ans Musizieren heranginge.

Ähnlich wie beim großen Vorbild ist die Produktion auch hier nur an der Oberfläche auf Lo-Fi getrimmt. Erst jene bewusste Verstümmelung des Sounds verhilft Glanzideen, wie der sich während "Grieving" in bester Sigur-Rós-Manier durchs balladeske Arrangement fräsenden Noisegitarre, zu ihrer wahren Größe. Unbestrittener Kulminationspunkt des Albums ist derweil der Song "Sealed scene", dessen völlig enthemmter Schlusspart schon jetzt zu den Höhepunkten des noch jungen Musikjahrs 2014 gerechnet werden kann. Auch die schaurig-schönen Verschnaufpausen wie das depressive "Dead leaves" tragen ihren Teil zu einem Album bei, das zu faszinierend und zu versponnen ist, um im Wust der allwöchentlichen Musikschwemme unterzugehen.

Was bleibt? Monotonie, immer noch. Das Scheppern hält an, zum Glück. Alltag kann auch Krach machen.

(Christopher Sennfelder)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • What's holding you?
  • Music for dozens
  • Grieving
  • Sealed scene

Tracklist

  1. What's holding you?
  2. The myth of the wise
  3. Dead leaves
  4. I can't feel the outside
  5. Music for dozens
  6. Grieving
  7. Sealed scene
  8. Third wave
  9. 13 flowers
  10. Thoughts about night noon

Gesamtspielzeit: 39:18 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Christopher

Postings: 942

Registriert seit 12.12.2013

2014-02-11 22:12:25 Uhr
Dieses Album braucht Liebe.

https://www.youtube.com/watch?v=xiXR0__lYdM

Armin

Postings: 11598

Registriert seit 08.01.2012

2014-02-11 21:21:09 Uhr
Mal wieder ein paar Threads zu frisch rezensierten Alben, die noch keinen haben.

Eure Meinung hierzu?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum