Paula - Paula

Paula- Paula

QQ5 / JSM / Rough Trade
VÖ: 14.02.2014

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Entschuldigen Sie die Störung

Aus der Kategorie "Was macht eigentlich...?": Arabella Kiesbauer. Zum zehnjährigen Jubiläum der von ihr moderierten Comeback-Show mit Coolio, den Weather Girls und Chris Norman könnte man das Format doch eigentlich mal wieder auflegen. Ein paar Kandidaten würden sich in der Fernseh- und Dschungel-Landschaft bestimmt finden lassen und Frau Kiesbauer könnte die Aufmerksamkeitsspritze im deutschen Fernsehen sicherlich auch gebrauchen. Und bei Paula könnte man auch gleich anfragen. Das Berliner Duo ist zurück und die Heimkehr von Berend Intelmann an die Seite von Elke Brauweiler wäre sicher die ein oder andere moderative Überleitung wert. Mehr als fünf Jahre sind seit dem letzten Paula-Album "So wie jetzt" vergangen. Und die richtigen Fragen stellen die beiden auch gleich selbst: "Will ich zurück? / Kann ich zurück? / Und wenn ja, macht es überhaupt Sinn zurückzugehen?"

Statt sich allerdings am gegenseitigen Zusammenfinden zu erfreuen, verpacken Paula als zentrales Thema das Lebewohl in die gewohnte, elektropoppige Sommer-, Sonne- und Strand-Nostalgie. Das tanzbare, schmissig anschiebende "Ich verbrenne alle Brücken" stellt alle Richtungen bis auf eine zu – Melancholie nach vorn, ein "Ade" als Aufbruch. So weit, so beachtlich und tatsächlich als Underground-Sommerhit denkbar. Das "Gut auseinander gehen" scheint auch zu gelingen, urteilt man am Kochshow-tauglichen, gesäuselten "Hmmm" im Refrain, welches sich einmal nicht komplett in ewigem Hall und Delays aufbläht. Und "1987" bekommt klanglich eine große Schippe Instagram-Filter verpasst, um die jugendliche, unglücklich endete Ferienliebe im vorvorletzten Jahrzehnt zu veranschaulichen. Paula setzen auch nach ihrer Kooperationspause auf die gleichen süßstoffhaltigen, bunt gescheckten Schablonen und füttern ihr sechstes Album mit Schichten von Retro-Synthieflächen.

Gleichzeitig ist es aber auch "1987", das deutliche Schwächen im Text offenbart. Der Rezensent muss schon mal kurz die CD wenden und auf den Aufdruck "Helene Fischer" überprüfen, wenn sich zum geschmachteten "Ihre blauen Augen waren so blau wie der Blue Curaçao / Den sie tranken / Weil sie noch nichts anderes kannten" zumindest der Nagel eines kleinen Zehs rollt. Das sedierende "Bangkok" stellt schmucklos fest: "Was sollen sie auch tun? / Sie warten auf den Monsun", was wiederum dazu führt, die beiden Protagonisten nicht nur nach Asien, sondern ganz und gar auf den Mond zu wünschen. Dort ist es dann auch mit der Schwerkraft schwieriger und an ein "Ist das Leben eine Achterbahn / Dann bin ich gerade Looping gefahren" wie in "Dunkle Nacht" gar nicht mehr zu denken.

"Hallo? Ist da Arabella Kiesbauer? Haben Sie vielleicht Zeit um...? Nein? Sie moderieren das österreichische 'Bauer sucht Frau'? Komplett ausgebucht? Nun gut, einen schönen Tag noch." Keine Chance – wird es also nichts mit dem Comeback der ehemaligen Indie-Popsternchen. Aber laut Promotext ist "Paula" ja sowieso kein Neustart: "Das Wesen von Comebacks ist in mehr Fällen als nicht, dass Bands eine stark verwässerte Version ihres eigenen Selbst heraufbeschwören und dabei deutlich vergessen haben auf den Kalender zu sehen. Nicht so Paula." Ach so! Wenn dem so ist, entschuldigen Sie die Störung, Frau Kiesbauer.

(Andreas Menzel)

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Highlights

  • Was für ein Ende
  • Ich verbrenne alle Brücken

Tracklist

  1. Was für ein Ende
  2. In Farbe sehen
  3. 1987
  4. Gut auseinander gehen
  5. Ins Wasser gehen
  6. Bangkok
  7. Dunkle Nacht
  8. Vergessen
  9. Ich verbrenne alle Brücken
  10. Mehr Entertainment
  11. Tu parles

Gesamtspielzeit: 44:53 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2014-02-03 19:49:04 Uhr
Frisch rezensiert, aber noch ohne Thread. Das ändert sich hiermit.
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