Cripple Bastards - Nero in metastasi

Cripple Bastards - Nero in metastasi

Relapse / Rough Trade
VÖ: 14.02.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Terrorgruppe

Achtung, Baby. Es kommt selten vor, dass wir unsere Leser warnen müssen. Meistens hat es mit abscheulicher Musik zu tun, wenn es passiert. Manchmal liegt es an unfassbarem Getöse, das uns ein Promo-Waschzettel als unverzichtbare Größe verticken wollte. Cripple Bastards sind irgendwie alles zusammen: Heiß, unfassbar – und abscheulich ganz bestimmt. Gelegenheitslesern, die nur mal eben wegen den Hupen von Haim vorbeigoogeln, in alten Coldplay-Rezensionen nach Stilblüten schmökern und im Forum ihren Senf zur letzten Daft-Punk-Platte abladen, raten wir vor Hörprobe dringend zu einem Vorab-Systemcheck. Beim Arzt ihres Vertrauens, mit allem Pipapo. Denn diese mittlerweile fünfte Cripple-Bastards-Platte, "Nero in metastasi" genannt, ist ein wenig wie ein bierfeuchter Rülpser, der unaufgefordert in einen Song von Sigur Rós schallt: absolut unerhört. Und grandios verhaltensauffällig.

Wahrscheinlich wollen sie nur spielen: Giulio the Bastard, Schintu the Wretched, Al Mazzotti – und Der Kommissar am Schlagzeug, naturalemente. So nennen sich die vier Musiker hinter Cripple Bastards. "Senza impronte" heißt eine Nummer ihrer neuen Platte, die irgendwann in der Mitte des Albums heißläuft und die übrig gebliebenen Nachbarn verschreckt. Ob man sie als Musik oder Riesengaudi wahrnimmt, hat viel mit der eigenen musikalischen Sozialisation zu tun: Der Kommissar nämlich prügelt auf sein Schlagzeug ein, als hätte es ihm die Frau ausgespannt, Sänger Giulio the Bastard ist offenbar nur pro forma als "Sänger" irgendwo in den Credits der Platte zweckvermerkt – und diesen 40-sekündigen Wutklumpen von Musik würde auch eine Hasstirade auf Mario Balotelli nicht noch mehr auf die Palme kriegen. Beckenrandkrauler, die sich schon bei Kvelertak eine Wadenzerrung einfangen, nehmen Reißaus. Feinschmecker, die mit Napalm Death groß geworden sind, fühlen sich plötzlich wieder jung. Ganz klar: Smells like Grindcore. Und nach einem guten Kessel Gegrunztes, mit dem man jede Hipster-Party fachgerecht torpedieren kann.

Oben in Norditalien sind Cripple Bastards alle vier daheim, in Asti. Mittlere Provinz ist das, Postleitzahl 14100, prego prego. Und wer ansonsten noch Musikprominenz sucht, findet höchstens den Keyboarder von Eiffel 65, da ba dee, daba dei – die Alten graust es noch heute. Die Spaghetti sind mittags auch hier in Asti sicherlich zum Sterben al dente. Bloß bei Cripple Bastards, da gibts am Ende doch wieder nur rohes Hackfleisch, meine Fresse. Darauf legt die Band es auch an: Das Stück "Soggetto leucemico", das auf dieser Platte nicht alleine die Hummeln achtern hat, das Hardcoregitarren, Bollerbeat, Klopperschlagzeug vom Kommissar und amtliche Riffs auffährt, es ist mit eingeschobenen Nebensätzen eigentlich nur unzureichend gewürdigt. Und die Synkopen, mit denen Cripple Bastards im Song " L'apice estremo" Takte, so monströs wie Botox-Bizeps, aus dem Tritt bringen, sind uns ein Empfehlungsschreiben wert. Außer für Schmusebrüder, versteht sich. Die versorgen sich mit Oropax. Und flüchten zur nächsten Rezension, bitte. Wir halten so lange die Stellung. Und bejubeln jeden Einschlag, jeden Trommelwirbel und jeden Lärmangriff wie Tore unseres Lieblingsclubs. Herr Kommissar, Ihre Waffe bitte.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Fumo passivo
  • Morti asintomatiche

Tracklist

  1. Malato terminale
  2. Fumo passivo
  3. Strage di ostacoli
  4. Regime artificiale
  5. Lapide rimossa
  6. Promo-parassita
  7. Soggetto leucemico
  8. Passi falsi
  9. Occhi trapiantati
  10. Anima in disgregazione
  11. Senza impronte
  12. Nemico a terra
  13. L'apice estremo
  14. Sconfitto di ritorno
  15. Agonia di un rientro Forzato
  16. Marcatori positivi
  17. Splendore e tenebra
  18. Morti asintomatiche

Gesamtspielzeit: 38:04 min.

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