Viktor & The Blood - Apocalypse right now

Viktor & The Blood- Apocalypse right now

Warner
VÖ: 24.01.2014

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Diebische Spielkinder

Ein schief genageltes Holzschwert in der Hand und einen verbeulten Metalleimer auf der lockigen Rübe, so kam er um die Hausecke gerannt: "Bei der Macht von Grayskull! Uaaaargh!" schrie er und reckte das hölzerne Etwas gen Himmel. Natürlich war der wilde Bengel, seines Zeichens kleiner Bruder eines damals guten Freundes, sich nicht bewusst, dass er in jenen Momenten einfach nur genervt hat. "Er will doch nur spielen", wurde man schulterzuckend um Verständnis für He-Man gebeten.

Manchmal schießen solche Erinnerungen ja regelrecht in einem hoch. Ob Mando-Diao-Kopf Gustaf Norén ähnliche Flashbacks in die Kindheit hat, oder inwiefern im schwedischen Borlänge sich die Norén-Sprösslinge gegenseitig derart auf den Zeiger gingen, ist nicht überliefert. Bekannter hingegen ist der Werdegang von Viktor Noréns erster Band, Sugarplum Fairy, die 2005 erstmals auf sich aufmerksam machte. Nette, ungefährliche Liedchen waren das. Meist jedoch hingen die Kompositionen der Band fest am Tropf der Gallagher-Brüder oder wurden von einer stark beatlesken Medikation am Leben gehalten. Trotz Majorlabel-Anschub konnten Sugarplum Fairy nie mit dem brüderlichen Erfolg von Mando Diao Schritt halten.

Viktor Norén, Sugarplum-Fairy-Gitarrist Jonas Karlosson und Ex-Mando-Diao-Drummer Samuel Giers befanden, es sei an der Zeit für Neues – so vorsichtig man mit diesem Prädikat auch sein sollte. Nicht so neu ist schon mal das offensichtliche Selbstbewusstsein und Rockstar-Gehabe, mit dem Musiker aus dem Borlänge-Dunstkreis traditionell zu kokettieren pflegen. Mit reichlich Blut im Band-Bus und einem ersten Album, das nicht weniger als die sofortige Apokalypse fordert, kleckern Viktor & The Blood natürlich nicht – sie klotzen. "The weight of love" und "Sabotage ya" schaufeln mit dicker Gitarrenhose und gelungenen Haken schon mal das Feld frei. "Boys are in the city" lautet die Ansage, denn hier möchte wer aus den Schatten der Vergangenheit springen – am liebsten direkt auf die Festivalbühnen. Auch "Kicks out on a saturday night" macht mächtig Dampf, klaut einen beachtlichen Teil seiner charmanten Rock'n'Roll-Attitüde allerdings im benachbarten Fagersta, bei Howlin' Pelle Almquist und seinen Kollegen von The Hives.

Waren es einst eher 60s-Garage und Britpop, stehen für das von Jacob Hellner (Rammstein) produzierte "Apocalypse right now" mehr die Foo Fighters, Ash und andere 90er- und 00er-Größen als Klang-Paten bereit. Dass Viktor & The Blood dabei überhaupt nichts auch nur annähernd neu erfinden, dürfte klar sein. "Besser gut kopiert als schlecht erfunden", urteilte Plattentests.de schon 2005 gutmütig beim Sugarplum-Fairy-Debüt "Young and armed". Grundsätzlich – und auch nur, wenn man Songs wie das trotz offensichtlicher Nirvana-Anbiederung gelungene "Not worth a second of my time" gelten lässt – geht dieses Rezept auch neun Jahre später gerade so noch durch.

Denn Viktor & The Blood, damals noch jung und bewaffnet, schrecken heute leider nicht mal vor klebrigem Synthierock zurück, wie etwa "Live for a better day" oder "Don’t drag me down", die nach einem billigen Mash-up aus Live und Linkin' Park klingen. Ziemlich platt sind auch Texte und Reime, und das beinahe über die volle Spielzeit. Hier die "Girls", da noch eine "Party", das ergibt dann, klar, ein bisschen "Love", bevor der "Firefighter / Fighting with fire / Lifting you higher" als erlösender Retter daherkommt. Allzu ernst nehmen sollte man das alles natürlich nicht. Denn der Viktor und seine blutrünstigen Bengels aus Schweden, die wollen doch auch nur spielen. Dafür ist im Schatten des großen Bruders nach wie vor viel Platz.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • The weight of love
  • Kicks out on a saturday night

Tracklist

  1. The weight of love
  2. Sabotage ya
  3. Kicks out on a saturday night
  4. Boys are in the city
  5. Live for a better day
  6. Not worth a second of my time
  7. Don't drag me down (when you're falling apart)
  8. Let it die
  9. Firefighter
  10. The unbreakables

Gesamtspielzeit: 40:52 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2014-01-21 00:32:27 Uhr
Wir testen jetzt mal was und eröffnen zu ein paar frisch rezensierten Alben einen neuen Thread, wenn es noch keinen gibt. Hier könnt Ihr Euch über dieses Album austauschen.
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