Peter Maffay - Wenn das so ist

Peter Maffay- Wenn das so ist

RCA / Sony
VÖ: 17.01.2014

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Freie Enthaltung

Rock'n'Roll ist für viele Musiker der Gesundbrunnen schlechthin. Natürlich schießen sich manche unter seinem Deckmantel trotzdem allzu leichtfertig und verfrüht in die ewigen Jagdgründe. Schließlich gestatten es zuweilen weder die feixende Öffentlichkeit noch ein morsches Selbstwertgefühl, dass man das eigene Konterfei auch dann noch aushält, wenn sich der unstete Lebenswandel erst so richtig darin festgefressen hat. Sämtliche von diesem chemisch induzierten Aussterben bedrohte Promispezies kann ein schaurig falsches Besenkammerlied darüber singen, sofern sie es überhaupt bis ins rettende Dschungelcamp schafft.

Bei Peter Maffay jedoch ist das alles etwas anders. Ihn lässt der Boulevard gegen vereinzelte Finca-Exklusivstories aus seinem balearischen Refugium in Ruhe werkeln, und er scheint den bisherigen Reifungsprozess ohne chirurgisches Geplänkel überstanden zu haben. Selbst die alkoholischen Brandbeschleuniger früherer Jahre sind laut eigener Aussage längst passé. Dafür nutzt der wackere Rumäne die Gunst des Jahreswechsels, um sich mit einem knurrigen Kracher sämtliche Riefen aus den Poren zu böllern – ganz konzis und klassisch in Albumform. Denn in Rente gehen wird dieser Mann sicherlich auch mit 67 noch nicht. Dafür hat er noch zu viel Dampf unter seinem Sattel.

So beugt sich "Wenn das so ist" weder dem Alter noch dem Zeitgeist oder sonst jemandem. Die Songs oszillieren stoisch zwischen straffem Bluesrock-Waschbrettbauch, geballter Formatradio-Faust und gereckter Balladen-Morgenlatte. Mögliche Gefahrenritte an die NuRock-Küste oder gar das Surfen auf irgendeiner dudeligen Elektro-Dauerwelle bleiben dem Hörer im Laufe dieser grundsoliden Produktion erspart. Wer Maffay kauft, der kriegt auch Maffay – auf Vollrahmstufe, tuffig und ohne künstliche Geschmacksverstärker.

Keine Frage, seine Fans werden ihm das wohlschmeichelnd epische und tief in den Achtzigern verwurzelte "Wenn der Himmel weint" genauso dankbar abnehmen wie den beschaulichen Wunderkerzen-Zünder "Wer liebt", die warmherzige Gemeinplatz-Hymne "Halleluja" oder "Nur Du hörst", einen jauchzend scheppernden Tanzflächenfeger für jede aufrechte Ü40-Party. Im durchtrainierten Gartenlaubenrocker "Niemals war es besser" bringt es der Meister schließlich treffend auf den Punkt: Er fühlt sich voll im Saft, ganz bei sich und all jenen, die ihn für seine Geradlinigkeit lieben. Und denen gibt er das, was sie brauchen: Rockmusik in Zimmerlautstärke, wohltemperiert, weder anstößig noch allzu anstrengend. Hier ein schütteres Saxophonsolo, dort eine sachte kreischende Leadgitarre, dazwischen ein gerüttelt Maß an Pathos, nirgendwo unnütze Spielereien – und nebenan wacht der muntere Hintergrundchor.

Man kann dieses Album wegschnabulieren wie eine gute Flasche Spätlese aus dem Supermarkt. Aber genau darin liegt zugleich seine Schwäche. Es perlt nicht nach, sondern scheut den Mut, die ausgetretenen Pfade einfach einmal zu verlassen. Stattdessen macht Maffay lieber einige resignative Schritte rückwärts und erzählt uns Dinge, die wir längst wissen und eigentlich schon oft genug gehört haben. Fast so wie die Großmutter, die verklärt und stetig wiederholend von früher erzählt, wie schön alles war und wie schrecklich die heutige Welt doch geworden ist. Maffay hat in seinem Leben mehr erreicht, als vielen seiner Hörer vergönnt sein wird. Schade nur, dass er es aus seiner exponierten Position heraus nicht schafft, den Leuten auch nur ein Quäntchen neuer musikalischer Visionen vorzuleben, sie mit seiner Energie anzustiften und aus ihrem Trott zu holen. Das Zeug dazu hat er und beweist dies abseits der Branche ohne jeden Zweifel mit seiner Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Leider bleibt seine kreative Keuschheit somit kein Vorzug eines freidenkenden Menschen, sondern das vertraute Manko der risikoscheuen Unterhaltungsindustrie.

(Andreas Knöß)

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Highlights

  • Wenn der Himmel weint
  • Halleluja

Tracklist

  1. Niemals war es besser
  2. Wenn der Himmel weint
  3. Wer liebt
  4. Nur Du hörst
  5. Wildnis
  6. Die Geister, die ich rief
  7. Schwarze Linien
  8. Sie bleibt
  9. Gelobtes Land
  10. Bis zum Schluss
  11. Wenn das so ist
  12. Halleluja

Gesamtspielzeit: 63:34 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Philipp Mainländer
2014-04-08 11:46:52 Uhr
https://de-de.facebook.com/Maffay.de
depp und weg
2014-01-22 16:49:05 Uhr
Ich habe als Kind Maffay gehört. Dadurch kam ich zur Rockmusik. Danke, Peter!
Hmpf
2014-01-22 16:40:19 Uhr
Hmpf !
Ludo Indenberg
2013-12-03 01:30:12 Uhr
@Hej Hej wiki
Na jut, ich glaube dir mal ;)
Ich hatte die Info aus dem Heft "Peter Maffay - das Buch", das der 6-CD-Box "Stationen" beilag.
Hej Hej wiki
2013-12-03 01:22:11 Uhr
Am 15. Januar 1970 veröffentlichte Maffay seine erste Single Du
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