Ikara Colt - Chat and business

Ikara Colt- Chat and business

Fantastic Planet / Sanctuary / Zomba
VÖ: 03.06.2002

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Revolte im Anzug

Der Schlag ins Gesicht. Der Tritt in die Magengrube. Das unfreiwillige Säurebad. Ikara Colt stehen lächelnd mit dem Kanister daneben. Die vier Gestalten im Anzug verstümmeln erst und fragen später. Entsprechend ist auch ihr Debüt ein einziger Affront. Minimalistisch, krachig, unterproduziert. Der Alptraum jedes Plattenlabels. Statt sich mit Melodien und Harmonien abzugeben, vertrauen die vier Briten für ihren Art Punk lieber auf die Plattensammlung als Stichwortgeber. The Fall, Sonic Youth, die Pixies - nicht die schlechtesten Referenzen, wenn es um Zorn, Dissonanz und Zynismus geht.

Und anstatt endlos über den Umsturz zu intellektualisieren, legen die derzeit wohl lautesten Kunststudenten der Welt gleich los. Claire Ingrams Riffs fletschen die Zähne, während die Unmelodien von Paul Resende sich im Gehörgang verkanten. Stolpernde Rhythmen lassen die Späne fliegen wie Konfetti, und alles wartet auf den großen Knall. Perfide Ohrwürmer wie "Belgravia" oder die Sonic-Youth-geschulte Langsamkeit "City of glass" zerlegen sich selbst, und "Rudd", "After this" und "Bishop's son" schütten Haß und Häme über alle diejenigen aus, die sich erdreisten, zu existieren. Ikara Colt sind schließlich keine "Pop group". Spaß gibt's woanders. Hier gibt's Lärm.

Auf "Chat and business" setzt es Dekonstruktion mit Hingabe: "Viele Bands können nicht mal ihr Equipment ordentlich zerschlagen", läßt Schlagwerker Dominic Young wissen. "Wir haben zwar ehrlich gesagt nicht die Kohle, aber hätten wir sie, gäbe es Splitter." Derlei Kompromißlosigkeit kann man sich nur leisten, wenn man Unnötiges einfach wegläßt. So ist "One note" ein hektisch schepperndes Anderthalb-Akkord-Gemetzel, zu dem Resende gallige Parolen in die Welt brüllt. "Sink Venice" fordert er zum Beispiel. Und sein frenetischer Vortrag verheißt Tourette statt Tourismus.

Ungeduldig sägen Ikara Colt an den Nerven ihrer Zuhörer und warten doch bloß darauf, daß eine noch lärmigere Band kommt, um ihnen den Hintern wegzublasen. Ihren Namen haben die Vier von der Insel übrigens von einem fiktiven Rennpferd. Diesem wurde ein Colt angepappt, weil Rennpferde ja eh nach fünf Jahren erschossen würden. Ein Schicksal, das sie nebenbei auch allen Rockbands wünschen. Sich selbst eingeschlossen. "Fünf Jahre ist lang genug für jeden." And I swear that I don't have a gun.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • One note
  • Rudd
  • City of glass
  • Sink Venice

Tracklist

  1. One note
  2. Rudd
  3. Bishop's son
  4. City of glass
  5. Pop group
  6. Belgravia
  7. Sink Venice
  8. After this
  9. At the lodge
  10. Here we go again
  11. May B 1 day
  12. Video clip show

Gesamtspielzeit: 45:00 min.

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