Caliban - Ghost empire

Caliban- Ghost empire

Century Media / EMI
VÖ: 24.01.2014

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Auf Dauer

Streng genommen ist Metalcore am Ende, ein müffelnder Haufen aus den Überresten eines zu Tode gehypten Genres. Während nun aber die Kohorten eiligst mit einem Plattenvertrag versehener Bands verdientermaßen so schnell wieder in der Versenkung verschwunden sind, aus der sie für ihre 15 Minuten Ruhm hervorkamen, halten genau die Vertreter, die schon immer für Qualität bürgten, unverdrossen die Fahne hoch. Heaven Shall Burn beispielsweise, die sich in ihrer Semi-Amateur-Nische mehr als überzeugend eingerichtet haben. Und eben Caliban, die qua Herkunft aus dem Ruhrpott wahlweise konsequent oder störrisch seit Beginn an nur marginale Änderungen am Band-Sound vornehmen. Da weiß man, was man hat, sozusagen.

Insofern dürfte bereits vor dem ersten Riff von "Ghost empire" klar sein, dass nennenswerte Überraschungen ausbleiben. Will sagen: Kurzes, düsteres Geplucker als Intro, dann lässt "King" den Moshpit explodieren, bevor der Refrain genretypisch die Arme ausbreitet. Das ist grundsolide, das ist höchst routiniert. Und trotzdem zeigen die ersten Songs, dass Caliban eben doch zu dezenten Entwicklungsschritten bereit sind. Nicht nur, dass sich Front-Brüllwürfel Andy Dörner mittlerweile auch an Clean Vocals herantraut – eigentlich die Aufgabe von Gitarrist Denis Schmidt – die Hattinger haben die donnernden Gitarrenwände des Djent für sich entdeckt. Zuerst dezent bei "Chaos - creation", später zum Beispiel bei "I am ghost" überdeutlich.

Dennoch gibt es Experimente, die sich Caliban besser verkniffen hätten. Während beim deutschsprachigen "nebeL" der Gastbeitrag von Callejon-Frontmann Bastian Sobtzik noch überraschend stimmig ist, entpuppt sich "yOUR song" als eine Hommage an die Fans – was sicher als nette Geste gemeint ist, bleibt weitgehend Anbiederei. Und warum ausgerechnet das höchst durchschnittliche "Devil's night" als Vorab-Single veröffentlicht wurde, bleibt unklar. So sind es dann doch wieder die beinharten "I am ghost" und vor allem das durch die sehr feine Gitarrenarbeit an In Flames erinnernde "Who we are", die die zweifelsohne vorhandene Klasse der Band unter Beweis stellen.

Eines muss man Caliban zugute halten: Sie haben einem Genre, das einst als Marketing-Trend begann, zumindest national ihren Stempel aufgedrückt und bleiben neben den erwähnten Heaven Shall Burn und mit Abstrichen Callejon das Maß aller Dinge der hiesigen Metalcore-Szene. 17 Jahre nach dem ersten Treffen in einem Hattinger Proberaum zeigen die Herren um Andy Dörner, welch immense Souveränität sie mittlerweise besitzen. Doch immer wieder verschwimmen die Grenzen zwischen Routine und Beliebigkeit, zwischen gnadenlosem Druck ohne Pause und Monotonie. Dass das alles grundsolide und alles andere als schlecht ist, darüber besteht kein Zweifel. Für echte Innovationen jedoch sind die Grenzen des Genres zu eng gesteckt. Wirklich mutig wäre, an eben diesen Grenzen zu rütteln. Was nach "Ghost empire" bleiben dürfte, sind zufriedene Fans und ausrastende Moshpits. Immerhin.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • I am ghost
  • Who we are

Tracklist

  1. King
  2. Chaos - creation
  3. Wolves and rats
  4. nebeL
  5. I am ghost
  6. Devil's night
  7. yOUR song
  8. Cries and whispers
  9. Good man
  10. I am rebellion
  11. Who we are
  12. My vertigo

Gesamtspielzeit: 48:09 min.

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User Beitrag
acid
2014-01-14 18:45:27 Uhr
du auch? heftig...
acid
2014-01-14 18:45:12 Uhr
tja bin halt voll auf acid...
acid
2014-01-14 18:43:04 Uhr
für meinen nicknamen sollte man sich allerdings auch schämen...
acid
2014-01-14 18:32:29 Uhr
irgendwie wird die band immer schlechter. wenn ich mir den opener anhöre..für den text würde ich mich zu tode schämen...

Armin

Postings: 13785

Registriert seit 08.01.2012

2014-01-12 21:09:41 Uhr
Wir testen jetzt mal was und eröffnen zu ein paar frisch rezensierten Alben einen neuen Thread, wenn es noch keinen gibt. Hier könnt Ihr Euch über dieses Album austauschen.
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