Run The Jewels - Run The Jewels

Run The Jewels- Run The Jewels

Big Dada / Rough Trade
VÖ: 10.01.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bunker die Klunker

Das Zusammentreffen von El-P und Killer Mike ist für den HipHop vielleicht so wichtig wie das von Lionel Messi und Neymar für den FC Barcelona. Auch wenn El-P und Killer Mike eigentlich eher Abräumertypen sind. So oder so: Hier kommen zwei Typen zusammen, die derzeit zu den wichtigsten Gestalten des Rap-Geschäfts zählen und sich mit ihrem gemeinsam Projekt Run The Jewels ein wenig die Bälle zuspielen wollen. Das Debüt der beiden erschien ja eigentlich schon irgendwie 2013, in Deutschland ist es nun mit ein paar Monaten Verspätung so weit. Dass sich das Warten auf die Platte gelohnt hat, nun ja, das dürfte keine Überraschung sein.

Killer Mike und der hierzuseits schon hochgelobte El-P fackeln jedenfalls nicht lange und starten die gute halbe Stunde direkt mit dem wortgewaltigen Titelsong: "I don't wanna sound unkind / But the sounds I make are the sounds of the hounds that are howlin' / Under your bed, I'm here growling / Same time under the blanket you're cowering." Die hochfrequentierte Lyrics-Datenbank RapGenius sagt "Horror movie shit", wir nicken das ab und gehen uns eine Runde gruseln. Im Ernst: Die Skills der beiden sind unbestritten erste Sahne, ihre Geschichten handeln natürlich nicht selten davon, der Beste sein zu wollen und das ist ja auch nur legitim, wenn man es doch so eloquent auf den Punkt bringt wie Killer Mike: "I move with the elegance of an African elephant / I presented the evidence / Eloquent as the president / Evident is the emphasis / I deserve me a championship." Technisch so sauber wie ein Hackentrick vom kleinen Leo, mit der Durchschlagskraft eines Gennaro Gattuso auf Pasta-Entzug.

Der Unterschied zwischen "Run The Jewels" und den Solo-Platten der beiden Buddies liegt wohl in den musikalischen Beweggründen. Während El-P und Killer Mike auf ihren Alben gesellschaftlich-politische Missstände anprangern – man höre beispielsweise "Reagan" auf Killer Mikes letzter Platte "R.A.P. music", produziert von El-P –, so ist Run The Jewels vor allem ein punchline-gespicktes Wortwitz-Album, das vielmehr wie eine lockere Fingerübung wirkt, denn als angestrengte Kampfansage. Dass es am Ende des Tages nicht ohne eine spitze Zunge gegenüber den Irrungen und Wirrungen einer neoliberalen, unterschwellig rassistischen Gesellschaft geht, ist bei zwei so scharfsinnigen Charakteren dann irgendwie auch logisch: "We're here to tell you all your false idols are just pretenders / They're corporation slaves indentured to all the lenders / So even if you got seven figures, you're still a nigga." Und doch bleibt dieses Debütalbum der zwei bekannten Rap-Nasen vor allem eine unterhaltsame Veranstaltung, während ebenjener sich Killer Mike und El-P gegenseitig zu Höchstleistungen anstacheln, was im absurd-witzigen "Job well done" wohl am allerdeutlichsten wird. Über einen düsteren Beat inszenieren sich die beiden als Reinkarnation der personifizierten Rap-Gefahr, wandeln mit ihren unmissverständlichen Metaphern auf dem feinen Grat zwischen humorvollem Sarkasmus und beißender Ironie. Ernst wird es nochmal zum Ende, im starken "A Christmas fucking miracle". Nach einem herrlich verschneiten Intro legen El-P und Killer Mike los und ballern ihre biestigen Tiraden in den amerikanischen Nachthimmel: "Still spell America with the triple K." Die gehen dahin, wo's wehtut. Ganz filigran, im steten Doppelpass.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Job well done
  • A Christmas fucking miracle

Tracklist

  1. Run the jewels
  2. Banana clipper (feat. Big Boi)
  3. 36" chain
  4. DDFH
  5. Sea legs
  6. Job well done (feat. Until The Ribbon Breaks)
  7. No come down
  8. Get it
  9. Twin hype back (feat. Prince Paul)
  10. A Christmas fucking miracle

Gesamtspielzeit: 32:58 min.

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