Faultline - Your love means everything

Faultline- Your love means everything

Blanco Y Negro / Warner
VÖ: 08.07.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Turn into something beautiful

"Ui, die neue Coldplay!", denkt man gleich, als die Stimme einsetzt. Doch irgendetwas ist merkwürdig. Sollten die britischen Vorzeigemelancholiker mittlerweile auf synthetisches Gerät umgerüstet haben? Natürlich nicht. Sie liehen nur Chris Martin für eine kurze, aber um so beeindruckendere Wortmeldung an ein Projekt namens Faultline aus. "Where is my boy?" heißt das famose Stück, welches zirpt und scheppert und dennoch an die grandiosen Tränenepen von "Parachutes" anknüpft.

Doch es ist nicht nur Martins Stimme, die diesen Song zu etwas ganz Besonderem macht. David Kosten, der zum einen hinter Faultline und zum anderen hinter einer ganzen Wand an technischem Gerät steckt, schüttelt sich nämlich auf "Your love means everything" noch mehr erhabene Momente aus dem Ärmel. Sanftmütige Bits und Bytes krabbeln durch seine melancholischen Arrangements. Behutsam werden schwebende Orgeln, metallisch schmeckendes Scheppern und kristallklare Gitarren eingewoben. Nur selten brennen die Schaltkreise Störfeuer ab, denn die kleinen Explosionen zucken eher wie ein malerisches Feuerwerk über den Nachthimmel.

Selbst die verchromten Beats aus "Missing" oder "Clocks" donnern nicht aggressiv ins Leere, sondern suchen nach Anlehnung. Bald schon weicht die rauhe Schale wieder dem sanften Kern. Wie in "Bitter kiss", wo Jacob Golden zu süßlichem Pizzicatos schwelgt, oder im beklemmenden Sanftmut von "Greenfields". Dort entblößt Michael Stipe einmal mehr seine zerbrechliche Seite. "You can't be happy when your heart's all alone." Und der Synthesizer seufzt stille Tränen.

Solche berührenden Momente finden sich zwischen all dem elektrischen Geplänkel voller Schwermut und Bombast. Der Hall ist den Klängen ein guter Freund, und auch die Downbeats verheißen wenig Aufregung. Zwar versteckt sich zwischen den ausgefeilten Oszilliationen auch der eine oder andere unfokussierte Augenblick, doch bald schon richten sich die Nackenhärchen wieder auf. Sanft mäandernde Klänge tragen verschüchterte Melodien wie auf Wolken. Und zum Schluß haucht Martins Falsett noch eine heisere Abschiedsnote. "And then away I crawl."

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Where is my boy?
  • Bitter kiss
  • Clocks
  • Greenfields

Tracklist

  1. Your love means everything
  2. Where is my boy?
  3. Sweet Iris
  4. Bitter kiss
  5. Missing
  6. The colossal gray sunshine
  7. Clocks
  8. Theme for half speed
  9. Greenfields
  10. Lost broadcast
  11. I only know myself
  12. Your love means everything Part 2

Gesamtspielzeit: 45:23 min.

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