Mutual Benefit - Love's crushing diamond

Mutual Benefit- Love's crushing diamond

Fat Possum / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 17.01.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Everyman begins

Ein knisterndes Lagerfeuer, über dem die Marshmallows rösten. Heiße Schokolade und Hausschuhe, während man dem Schneetreiben durchs Fenster zuschaut – oder bei weniger frostiger Wetterlage dem Regen. Eine kuschlige Decke, unter der man es sich zu zweit gut gehen lässt. Mamas selbstgemachter Grießbrei. Ein nettes Gespräch nach einem langen, harten Tag, ein gutes Wort, eine tröstende Berührung, eine liebevolle Geste. All das wärmt das Herz, muntert auf und lässt uns lächeln. Manchmal reicht sogar ein einziger Song, so gut ausgewählt, dass er in verschiedensten Situationen passt und sich sowohl im Auto auf dem Heimweg als auch auf einem Konzert umgeben von hunderten von anderen Menschen gut hören lässt, allein, zu zweit, in der Bar Deines Vertrauens oder über Kopfhörer bei einem Spaziergang. Musik, die alles wieder gut macht, und wenn es nur für einen kurzen Moment ist. Der New Yorker Songwriter Jordan Lee hat mit seinem Projekt Mutual Benefit genau diese Art von Musik erschaffen.

Ein einziges Problem macht sich dann doch bemerkbar auf "Love's crushing diamond", und das recht schnell: Das Album ist zu kurz. Gerade mal sieben Songs und etwas mehr als eine halbe Stunde dauert dieser wunderbar herzerwärmende Moment an, der Lees Versuch markiert, ins düsterste Dunkel des Lebens noch lebensbejahendes Licht zu bringen und den Fokus auf das zu richten, was wirklich zählt: Liebe, Freundschaft, Loyalität, Humor, miteinander statt gegeneinander. Da geht es einem im eigenen Leben gleich besser, hat man "Love's crushing diamond" erst einmal eingelegt. Das Doppelgespann "Strong river" und "Strong swimmer", jeweils am Anfang und am Ende des Albums platziert, wirkt da fast wie ein zusammenhaltender Rahmen. Zwei Minuten Zeit benötigt der Opener, um instrumental das vorzubereiten, was in der kommenden halben Stunde passieren soll, bis Lees erste Worte ihr Ziel mittig im Brustkasten direkt treffen: "I clear my mind of joy and sorrow."

Der Kontrast, der dabei auf "Love's crushing diamond" immer wieder durchschimmert, passt nur allzu gut zum vermeintlich schönsten und manchmal schwersten Gefühl des Lebens, das manchmal kaum ambivalenter sein könnte. Mal schwankt Lee zwischen vollkommener Hingabe und niederschmetternder Hoffnungslosigkeit, mal droht das Herz vor lauter Glück zu bersten, an anderer Stelle am Kummer zu zerbrechen. "Advanced falconry", mit Abstand der schönste Song des Albums und auf gewisse Art auch sein Dreh- und Angelpunkt, macht es überdeutlich, wenn der 25-Jährige zu Banjo- und Violinklängen von der Frau singt, in die er verliebt ist und die er nicht haben kann: "The way she moves / Always on her own / And to look into her eyes / Will make a fool of anyone." Lees Position als verschmähter Antiheld mag auf den ersten Blick arg melodramatisch wirken, offenbart bei näherer Betrachtung jedoch nur die Tatsache, dass er ein Everyman ist, ein vollkommen normaler Mensch, mit eben jenen Problemen, mit denen sich jeder mal rumplagen musste. Genau deshalb entfalten Mutual Benefit auch eine solche Wirkung.

Die Einbindung des Hörers ins Geschehen, das Anwenden auf die eigenen Sorgen und Gedanken, gehört da ganz klar zur Musik dazu, während der schmale Grat hin zum Kitsch nicht übertreten, sondern höchstens einmal gestreift wird. So auch im folkigen "Let's play / Statue of a man", in welchem Lee neben der nur allzu wahren Erkenntnis "There's always love / Even when you think there's none to give" erneut seine eigenen Gefühle zu denen der Allgemeinheit macht: "To say goodbye makes a mess of all my thoughts / Makes me wish for eloquence / When it's love that's all I've got." Zum Schluss holt "Strong swimmer" den Hörer dann wieder genau dort ab, wo ihn "Strong river" eben erst noch abgesetzt hat, mit einer der wohl einfachsten Weisheiten, die ein Everyman nur erlangen kann: "I clear my mind of joy and sorrow / River doesn't know tomorrow / The river only knows to carry on." Eigentlich ist es doch ganz einfach, dieses Leben.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Golden wake
  • Advanced falconry
  • Strong swimmer

Tracklist

  1. Strong river
  2. Golden wake
  3. Advanced falconry
  4. That light that's blinding
  5. Let's play / Statue of a man
  6. C. L. Rosarian
  7. Strong swimmer

Gesamtspielzeit: 31:57 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

saihttam

Postings: 1496

Registriert seit 15.06.2013

2018-09-29 13:52:01 Uhr
Es gibt ein neues Album: Thunder Follows The Light. Bei Gelegenheit höre ich bestimmt mal rein, auch wenn ich das 2016er-Album ausgelassen habe. Das hier kriegt mich in den richtigen Momenten doch immer wieder.
Voodoo
2016-05-22 20:03:04 Uhr
Auch das neue Album "Skip a Sinking Stone" vom 20.05 plätschert richtig nett dahin.

Tracklist:

1 Madrugada
2 Skipping Stones
3 Closer, Still
4 Lost Dreamers
5 Getting Gone
6 Not For Nothing
7 Nocturne
8 Slow March
9 Many Returns
10 City Sirens
11 Fire Escape
12 The Hereafter

Geeignet für Folk Pop Liebhaber die einen warmherzigen und verträumten Sound lieben.
namenslos
2015-09-05 12:18:09 Uhr
Heute wieder rausgekramt. Passt herrlich zum Regen.
caliban
2014-03-06 17:44:20 Uhr
Finde die leicht asiatischen melodiestrukturen sehr schön!

Perfect Day

Postings: 32

Registriert seit 18.01.2014

2014-01-18 09:57:04 Uhr
Einmal beim Bügeln durchgehört, da plätscherte es ganz nett dahin. Nach ein paar Tagen nochmal gehört und jetzt bin ich richtig gerührt.
Das Video zu "Advanced Falconry" ist putzig!
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