Love A - Irgendwie

Love A- Irgendwie

Rookie / Cargo
VÖ: 12.04.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Botschaften von der Mosel

"Eigentlich war’s ja ganz schön, aber irgendwie auch nicht richtig gut!" – "Na prima, danke für die Auskunft!" Solche Konversationen kennt jeder. "Eigentlich" und "Irgendwie" gehören wohl zu den Lieblingsbegriffen der alltäglichen Kommunikation. Warum aber werden diese beiden Wörter eigentlich (verdammt!) so häufig benutzt? Vielleicht, weil sie Unwissenheit, Unentschlossenheit oder gar innere Zerrissenheit durchschimmern lassen? Weil sie die Schwierigkeit ausdrücken, Erlebtes einzuordnen und Zustände richtig zu bewerten?

Wahrnehmung lautet das Stichwort. Den alltäglichen Wahnsinn aufnehmen, bündeln – und sich vom Bauchgefühl durchs Chaos manövrieren lassen. Auch davon handelt "Irgendwie", das zweite Album von Love A aus Trier. Dass man an der Mosel offenbar nicht immer Nettigkeiten austauscht, wird schnell klar. "Dieses Leben wie für Dich gemacht, so schlicht und auch so schön / Mit ein bisschen Glitzer – so‘n bisschen wie Italien / Und all‘ die makellosen Menschen packen Koffer voller sicher ist sicher" poltert "Juri" zum Auftakt auf bekannten Das-gehört-sich-so-Traditionen und deren Verfechtern herum. Überhaupt nehmen Love A höchst selten ein Blatt vors Mikrofon. Wie einige andere bekommt auch Andreas Frege, besser bekannt als Campino, der sich bekanntermaßen partout nicht von seinem eigenen "Kreuzzug gegen die Ordnung" abbringen lassen will, ungefragt eine persönliche Widmung in "Der tausendste Affe".

Ein bisschen böse, aber nicht minder amüsant, wird es, wenn die vier Liebesbotschafter sich an Herzthemen wagen, und so manches Pärchen besser weghören sollte. In "Valentinstag (n Husum)" bringen sie Zweisamkeit fernab jeder Lebensbereicherung ziemlich auf den Punkt: "Du bist Kirmes, Du bist Möbelhaus / Und ich? Ich bin genervt!" Kann man so machen, Ja-Sager gibt’s schließlich genug. Doch weil auch diese "Nieten" erstaunlich oft aus dem "Lostopf" gezogen werden, "findet jeder Horst am Ende seine Tanja", wie sie in "Horstmannscher Hass" feststellen. Gegen die grassierende Rückgratlosigkeit und Konsum-Marionetten unserer Zeit schießt das tolle "Windmühlen". "Du wünschst Dir Facetime mit Kathrin /Ich wünsch‘ mir meine Faust in Deinem Gesicht", poltern Love A los, vergessen bei aller Ansage aber auch die melancholischen Momente nicht. "Hab‘ den Extremen und der Nacht gedient, doch auch das hat nicht gereicht / Hab‘ die Sehnsucht im Wodka ertränkt, damit sie mich endlich loslässt / Du hast keine Ahnung, wofür mein Herz schlägt!"

"Irgendwie" positioniert 13 ziemlich tanzbare Punkrock-Perlen ziemlich unruhig zwischen den Stühlen – mit Klartext, lyrischer Raffinesse und schaufelweise Zynismus. Was nach Peer Steinbrück klingt, liefern Love A auch ohne allzu offensichtliche Fuck-you-Pose. Und doch lauert der gestreckte Mittelfinger überall – ein bisschen versteckt hinter tollen Gitarrenmelodien, post-punkigen Bassläufen und Sänger Jörkks unbestrittenen Entertainment-Qualitäten. "Es wurde alles schon gesagt / Bloß noch nicht überall." Ganz nach dieser Devise zeichnen Love A den Zustand einer Gesellschaft, in der man eigentlich immer weniger weiß, wohin – aber irgendwie auch ganz klar, wohin nicht.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Juri
  • Windmühlen
  • Das Mädchen, das immer "Scheiße" sagt
  • Nutzlos glücklich
  • Horstmannscher Hass

Tracklist

  1. Juri
  2. Oder?
  3. Windmühlen
  4. Entweder
  5. Zaunmüllerei
  6. Der tausendste Affe
  7. Valentinstag (in Husum)
  8. Kommen und gehen
  9. Das Mädchen, das immer "Scheiße" sagt
  10. Nutzlos glücklich
  11. Heul' doch, Punk
  12. Horstmannscher Hass
  13. Reise, reise

Gesamtspielzeit: 38:03 min.

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