Käptn Peng & Die Tentakel Von Delphi - Expedition ins O

Käptn Peng & Die Tentakel Von Delphi- Expedition ins O

Kreismusik / Soulfood
VÖ: 12.04.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die üblichen Geächteten

"Unsere Nichtigkeit heißt zum einen Peng und Sie zum anderen herzlich willkommen! / Nehmen Sie sich ein Getränk aus unserer imaginären Minibar." Bevor Käptn Peng & Die Tentakel Von Delphi so richtig zu ihrer "Expedition ins O" durchstarten, begrüßt die Truppe um die Gebrüder Gwisdek aufs Höflichste wie Ausuferndste ihre Hörerschaft: Freunde wie Feinde finden neben Kugelblitzen, Hologrammen und einer illustren Tierschar Platz in der musikalischen Kennenlernrunde. Wer Teil dieser spektakulären Willkommenheißung werden möchte, der scheue sich nicht das knapp sechsminütige Video von "Der Anfang ist nah" anzusehen.

Was Käptn Peng & Die Tentakel Von Delphi da tun, ist unüblich, ist anders und ausgeflippt, genauso wie die selbstgebastelten Bühnenoutfits der Kombo und die Instrumentierung ihrer Musik. Das ist auf Platte schon ein Fest der Obskuritäten, live verschwimmt die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn vollends. Aber, und zwar ein Aber der ganz dicken Sorte: Käptn Peng & Die Tentakel Von Delphi sind alles andere die Malle-Atzen, sind nicht Grinsepo-MC-Fitti, sind nicht Nacktsein-geht-über-Musik-Bonaparte, sondern kluge und ehrliche Jungs. Die wollen keine Show machen, die wollen sich ausdrücken.

In "Omega Peng" berichtet Peng von seiner Ankunft auf der Erde, schildert aus der Perspektive eines extraterrestrisch Zugereisten die Seltsamkeiten dieser Welt, prangert den Zustand unseres Planeten an: "Was Du Wissen nennst, ist nur Information, die Dir gegeben wurde von – wissen Sie es schon? / Diesen ein Prozent, die man Despoten nennt, die wollen, dass die Fabrik aus allen Schloten brennt." Hier wird vieles auf den Punkt gebracht, was ansonsten allzu gern unter den Teppich gekehrt wird. Womöglich fehlt der Menschheit ja genau dieser peinlich berührte Blick von außen, um ihre Probleme endlich einmal anzupacken.

Über den "Eisprung des Ursprungs" und dessen Widersprüchlichkeit berichtet "Sockosophie". "Genau genommen kann aus nichts nichts entstehen" – aber warum zum Geier sind wir dann hier? Peng philosophiert im Zwiegespräch mit einem, sich allwissend fühlenden, Handstrumpf über Henne und Ei. "Konvertiere zur 'Sockosophie', zum 'Sockismus' / Jetzt oder nie", schreit die Socke schließlich. Doch Peng will sich nicht partout nicht beugen und antwortet mit einem klugen Frageschwall. Der Umgang mit der Angst, mit dem übergroßen Fürchterlichen, ist das Thema von "Monster". Der Track gipfelt im großen Chaos, doch das Monster wird besiegt.

Käptn Peng legt Wörter an die Marionettenleine, beherrscht die deutsche Sprache in ihren wunderbarsten Facetten, während die Band auf Koffern und Kuchenblechen trommelt und eine Akustik irgendwo zwischen Funk und Alternative erzeugt. Ist das HipHop? Nicht im herkömmlichen Sinne. Das stört aber auch nur denjenigen, der sein eigenes Korsett zu eng geschnürt hat. Hier wird Musik so einfach gemacht, wie sie eigentlich immer sein sollte: Eben, weils geil ist, weils raus muss, weil das Leben meist entweder zum Schreien komisch oder zum Heulen traurig ist und weil eine Verkleidung im Gedanken wie im Physischen dem Selbst helfen kann sich wiederzuerkennen. Während der Feuilleton feiert, hat die HipHop-Szene hierfür offenbar nicht viel mehr als übrig schiere Ächtung. Leider allzu üblich, denn wenn es ans Eingemachte im Sinne der Realness geht, zieht selbst der härteste Rapper gern den Schwanz ein.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Der Anfang ist nah
  • Omega Peng
  • Sockosophie
  • Monster

Tracklist

  1. Der Anfang ist nah
  2. Absolem
  3. Champagner & Schnittchen
  4. Es ist
  5. U-boot
  6. Omega Peng
  7. Monster
  8. Platz da
  9. Die Tentakel von Delphi
  10. Liebes Leben
  11. Sockosophie
  12. Unten
  13. 1234PengPengPeng
  14. Oha
  15. Kugelschlucker

Gesamtspielzeit: 53:29 min.

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