Iced Earth - Plagues of Babylon

Iced Earth- Plagues of Babylon

Century Media / EMI
VÖ: 03.01.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Den Block umgestoßen

Wenn von Iced Earth die Rede ist, muss zwangsläufig neben der Musik auch die überdurchschnittlich hohe Fluktuation von Bandmitgliedern erwähnt werden. Denn klar ist: Iced Earth, das ist Jon Schaffer mit Begleitband. Im Falle der Position am Mikro waren diese Wechsel in der Vergangenheit – um genau zu sein, seit dem Abgang des stilprägenden Matt Barlow vor etwa einer Dekade – allerdings eher kontraproduktiv. Denn dessen Nachfolger Tim "Ripper" Owens ist zwar ein guter Sänger, wurde aber von den Fans nie richtig akzeptiert. Und Barlows kurzzeitige Rückkehr für die beiden "Something wicked"-Alben scheiterte an allzu uninspiriertem Songwriting. Erst mit "Dystopia" aus dem Jahr 2011 war dank dem bis dahin nur marginal bekannten Stu Block ein Aufwärtstrend erkennbar.

Diverse Festivals und eine Tour im Vorprogramm von Volbeat später ist klar: Block ist angekommen, auch bei den Fans. Das dadurch gewonnene Selbstvertrauen wird auf "Plagues of Babylon" umgehend hörbar. So benötigt das eröffnende Titelstück zwar einige Minuten, um sich wirklich entfalten zu können, doch gemeinsam mit den für Schaffer so typischen Stakkato-Riffs und einer wuchtigen Produktion sorgt Block dafür, dass "Plagues of Babylon" zu dem wird, was man gemeinhin einen Signature-Track nennt – eben typisch Iced Earth. Und spätestens zu den Background-Vocals von Hansi Kürsch von Blind Guardian, bekanntermaßen ein langjähriger Freund Schaffers, darf sich der Fan zurücklehnen und festhalten, dass Iced Earth wieder zu alter Stärke zurückgefunden haben.

Erst recht, wenn das folgende "Democide" richtig in die Vollen geht – donnernde Riffs, die schneller galoppieren als Fury auf Speed, mächtige, breitbeinige Chöre im Refrain, so herrlich ewiggestrig, aber letztlich einfach nur Power Metal vom Feinsten. Auch "The end?" kann mit seinen für Iced-Earth-Verhältnisse fast schon verzwickten Riffs überzeugen – ebenso wie die dramatische Ballade "If I could see you", auch wenn diese nicht ganz an ähnlich gelagerte Glanztaten wie "Melancholy (Holy martyr)" heranreicht. Richtig stark und überaus mutig – endlich, möchte man Schaffer zurufen! – ist jedoch das abschließende "Highwayman", eine mit diversen Gastmusikern wie Michael Poulsen von Volbeat eingespielte Coverversion eines Country-Songs, der im Original vom Quartett Willie Nelson, Johnny Cash, Kris Kristofferson und Waylon Jennings stammt.

Dazwischen jedoch geht "Plagues of Babylon" ein wenig die Luft aus. Das Manko: Die Platte ist schlicht zu lang. Songs wie "Peacemaker" oder "Spirit of the times" sind lediglich solide, haben zu offensichtlich den Charakter von Füllmaterial, das die Spielzeit auf eine Stunde hochschrauben soll. Und genau das tut dem Eindruck des Albums eigentlich Unrecht. Denn es ist lange her, dass Schaffer ähnliche Rasereien wie "Ctulhu" zu schreiben imstande war. Und doch tut Block Iced Earth hörbar gut, indem er eine neue Dynamik in die Songs bringt – ruppiger als der mitunter zu technokratische Owens, vor allem aber motivierter als Barlow und Schaffer auf den beiden Alben vor Blocks Einstieg. Iced Earth sind wieder da. Nicht so brillant wie zu Zeiten von "The dark saga". Aber stärker als auf vielen Alben der jüngeren Vergangenheit. Und das war so nicht zwingend zu erwarten.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Plagues of Babylon
  • The end?
  • Ctulhu

Tracklist

  1. Plagues of Babylon
  2. Democide
  3. The culling
  4. Among the living dead
  5. Resistance
  6. The end?
  7. If I could see you
  8. Ctulhu
  9. Peacemaker
  10. Parasite
  11. Spirit of the times
  12. Highwayman
  13. Outro

Gesamtspielzeit: 62:19 min.

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