Various Artists - The songs of Tony Sly: A tribute

Various Artists- The songs of Tony Sly: A tribute

Fat Wreck / Edel
VÖ: 02.11.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Letzte Runde

Sein Tod erschütterte viele. Als Anthony J. Sly im Sommer des letzten Jahres plötzlich und vollkommen unerwartet im Alter von gerade einmal 41 Jahren verstarb, machte sich unter Angehörigen, Fans und Kollegen gleichermaßen Rat- und Fassungslosigkeit breit. Label-Boss und NOFX-Frontmann Fat Mike nannte ihn "one of the true greats" und gab später zu, dass dies für ihn eine schlimmere Erfahrung war als der Tod seiner eigenen Eltern. Auf den einschlägigen Videoportalen hochgeladene Mitschnitte des letzten Konzertes von Tony Sly zusammen mit seinem langjährigen Weggefährten Joey Cape zwei Tage vor seinem Tod sah man fortan mit anderen Augen. Mitunter gesellt sich jedoch auch ein Schmunzler hinzu. Wie zum Beispiel die Entschuldigung eines Fans für etwas wackeliges Videomaterial: "I didn't realize it would be the final time, otherwise I wouldn't have gotten so drunk and I would have paid more attention to how sloppily I was recording, but hey, if you're going to see TSly and the Caper you gotta have a few drinks!"

Und damit trifft er mehr oder weniger unfreiwillig den Punkt. Nicht nur, dass Tony Sly ihm dafür vermutlich lächelnd und anerkennend ein Bier spendieren würde. Nein, auch auf dem nun erschienenen Tribute-Album kommt bei aller Ernsthaftig- und Großartigkeit die Spielfreude und Laune nicht zu kurz. Zunächst einmal zeigt die Vielfältigkeit und Anzahl der beteiligten Künstler an der unter Regie von Fat Mike zusammengestellten Compilation, welches Standing Tony Sly hatte und noch immer hat. Insgesamt 16 der 25 Jahre des musikalischen Schaffens werden hier neu interpretiert und decken dabei sowohl die Solo-Programme, als auch die Zeit als Kopf von No Use For A Name ab. Herzergreifend zaubert Dance-Hall-Crashers-Dame Karina Denike aus der einstigen Knüppelnummer "Biggest lie" ein wunderschönes A-Capella-Kleinod, das sich hören lassen kann. Gleich im Anschluss daran lassen die Labelmates Mad Caddies eine ungemein chillige Reggae-Version von "AM" folgen. Meine Güte, wie entspannend. Simple Plan legen später mit "Justified black eye" in Sachen Lässigkeit nach und animieren den Hörer im Unterbewusstsein dazu, demnächst mal wieder die alten No-Use-Scheiben aus dem Regal hervorzukramen.

Wie es sich für einen gestandenen Punkrocker gehört, darf auch auf dieser Zusammenstellung ordentlich die Sau rausgelassen werden. Das Cover des Klassikers "Soulmate" von Strung Outs wird zwar in Sachen Originalität keine vorderen Platzierungen einnehmen, geht allerdings genauso amtlich nach vorne, wie es unter anderem auch bei den Genre-Haudegen NOFX mit "The shortest pier", Lagwagons "Discomfort Inn" oder Pennywises "Devonshire & crown" der Fall ist. Selbst Yellowcard hauen – trotz obligatorischer Violine – mit "Already won" gehörig auf den Putz. Tony Sly hatte es stets geschafft, in seiner Musik und seinen ausdrucksstarken Texten eine gewisse Melancholie mitschwingen zu lassen. Kein typischer Cali-Punk, aber auch weit entfernt von einem Moralapostel. Genau dieses Gefühl transportieren The Bouncing Souls mit "Homecoming", The Flatliners mit "Fireball" oder auch Alkaline Trio mit "Straight from the jacket".

Allen Nummern merkt man deutlich an, mit wieviel Herzblut und persönlichem Engagement die Damen und Herren zu Werke gegangen sind. Für Weggefährten war es sicherlich eine Ehre und Selbstverständlichkeit gleichermaßen, nochmals Abschied zu nehmen und damit gleichzeitig Slys Frau und den beiden Töchtern finanziell unter die Arme zu greifen. Apropos Familie: Selbstverständlich dürfen auch die seinen Mädels gewidmeten "For Fiona", "Keira" und "International you day" nicht fehlen. Rise Against, Frank Turner und Joey Cape zusammen mit Scorpios legen die Gefühlslatte hoch an und dürften für manchen Kloß im Hals sorgen. Gleiches gilt für auch für das doppelt vertetene "On the outside", wobei der Folk-Country-Mix von Jon Snodgrass & The Dead Pleasants knapp gegen die Calypso-Version von Snuff gewinnt. Prost, Tony, auf Dich!

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • AM (Mad Caddies)
  • For Fiona (Rise Against)
  • Not your savior (Swingin' Utters)
  • On the outside (Jon Snodgrass & The Dead Pleasants)
  • International you day (Joey Cape with Scorpios)

Tracklist

  1. Biggest lie (Karina Denike)
  2. AM (Mad Caddies)
  3. Soulmate (Strung Out)
  4. For Fiona (Rise Against)
  5. Let it slide (Bad Religion)
  6. The shortest pier (NOFX)
  7. On the outside (Snuff)
  8. Homecoming (The Bouncing Souls)
  9. Feel good song of the year (Old Man Markley)
  10. Discomfort Inn (Lagwagon)
  11. Via Munich (Teenage Bottlerocket)
  12. Keira (Frank Turner)
  13. Pre-medicated murder (Get Dead)
  14. Devonshire & crown (Pennywise)
  15. Straight from the jacket (Alkaline Trio)
  16. Capo 4th fret (The Gaslight Anthem)
  17. Already won (Yellowcard)
  18. Not your savior (Swingin' Utters)
  19. Fireball (The Flatliners)
  20. Justified black eye (Simple Plan)
  21. Frances Stewart (Useless ID)
  22. On the outside (Jon Snodgrass & The Dead Pleasants)
  23. Dark corner (American Steel)
  24. Flying south (Frenzal Rhomb)
  25. Toaster in the bathtub (Anti-Flag)
  26. International you day (Joey Cape with Scorpios)

Gesamtspielzeit: 70:37 min.

Referenzen

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