Shearwater - Fellow travelers

Shearwater- Fellow travelers

Sub Pop / Cargo
VÖ: 29.11.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

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Wenn Musiker reisen, kann bekanntlich allerhand Kurioses, Spannendes und Unvergessliches passieren. Dabei muss es auch nicht immer die berühmt-berüchtigte Sex, Drugs & Rock'n'Roll-Keule sein. Diese Art Tourprogramm alleine würde den Herren von Shearwater auch nicht gerecht werden. Nein, die texanischen Botschafter des Wohlklangs geben sich da eher als emsige und kreative Köpfe, die Musik gleichermaßen aus Kopf und Bauch sprechen lassen.

Ob dieses "Fellow travelers", das neue Album nach dem tollen "Animal joy" aus dem Jahr 2012, nun auf eine blitzartige Hirnreaktion oder auf ein positives Bauchgefühl Jonathan Meiburgs zurückzuführen ist, ist nicht überliefert. Allerdings hat das Projekt laut eigener Aussage ein Eigenleben entwickelt, das aus einer EP in nur wenigen Monaten einen Longplayer hat erwachsen lassen – obwohl es mit "A wake for the minotaur" nur einen Song aus Meiburgs Feder zu hören gibt. Denn der entwickelte die Vision, sämtliche Musiker, mit denen Shearwater in den letzten Jahren unterwegs waren, auf einem Album zu vereinen. Indem man deren Songs adoptiert, interpretiert, umdeutet, und die Urheber selbst einen Teil dazu beisteuern. Der Clou: Alles war erlaubt – nur nicht das Mitwirken an der eigenen Komposition.

Nach dem hübschen Intro "Our only sun", für das Shearwater ein Songfragment aus Jesca Hoops „Deeper devastation" zum zentralen Element machen, mutiert Xiu Xius schräg-schönes "I luv the valley OH!!" zum stampfenden, euphorischen Stadionrocker. Ein ziemlicher Paukenschlag. Und wenn die Messlatte schon mal oben liegt, darf sich auch ein gewisser Chris Martin nicht sonderlich wundern, dass Jonathan Meiburg die Coldplay-Hymne "Hurts like Heaven" vom letzten Album "Mylo xyloto" kurzerhand aus dem Stadion zerrt, um ihr ein zartes Pianogewand überzuziehen. Ebenfalls äußerst gelungen: Gemeinsam mit Clinic – hier für Basslauf, Orgel und elektronische Effekte zuständig – bekommt das tolle "Fucked up life" von den texanischen Freuden The Bapitist Generals eine hypnotisierende Note, die perfekt zu Jonathan Meiburgs Stimme passt. Im Gegenzug darf deren Sänger Chris Flemmons der 2008er-Clinic-Single "Tomorrow" seine Stimme leihen. Eine der großen Stärken dieses Konzeptalbums ist der Mut, den Songs zwar Luft zu lassen, sie durch die Neuinterpretation jedoch nicht zwanghaft in ein neues Konzept zu pressen und ihnen den Reiz zu lassen, der sie ausmacht. So wird Annie Erin Clark, besser bekannt als St. Vincent, erfreut zur Kenntnis nehmen, dass ihr "Cheerleader" auch in der eingängigeren Shearwater-Version nichts an Eindringlichkeit einbüßt und überhaupt nicht mehr aus den Gehörgang will. Somit ist "Fellow travelers" eine ambitionierte, aber überhaupt nicht verkopfte, weil wunderbar detail- und melodieverliebte Platte geworden – ein musikalisches Danke an die Tourfamilie und eine Hommage an all die gemeinsamen Erlebnisse.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • I luv the valley OH!!
  • Hurts like Heaven
  • Cheerleader
  • Fucked up life

Tracklist

  1. Our only sun
  2. I luv the valley OH!!
  3. Hurts like Heaven
  4. Natural one
  5. Ambiguity
  6. Cheerleader
  7. Tomorrow
  8. A wake for the minotaur
  9. Mary is Mary
  10. Fucked up life

Gesamtspielzeit: 34:42 min.

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