Paradise Lost - Tragic illusion 25 (The rarities)

Paradise Lost- Tragic illusion 25 (The rarities)

Century Media / Universal
VÖ: 18.10.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kompliziert kompiliert

Nur Rares bringt Bares? Eine hundsgemeine Unterstellung. Aber auch eine, der sich Paradise Lost zumindest ansatzweise erwehren müssen. Die Gothic-Metaller können in ihrer Karriere nämlich nicht nur auf 13 Studioalben, sondern inklusive "Tragic illusion 25 (The rarities)" nun auch auf bereits vier Compilations zurückblicken – Rereleases und Livemitschnitte nicht mitgezählt. "The singles collection" und "Reflection" gaben schon Ende der neunziger Jahre einen inzwischen notwendigerweise unvollständigen Überblick über das Schaffen der Briten, und "Drown in darkness – the early demos" ermöglichte beinharten Komplettisten 2009 den Zugriff auf längst nicht mehr erhältliche Stücke aus der Anfangsphase. Konstatieren wir also: Nick Holmes und Kollegen wollen dem Hörer nicht in erster Linie das Geld aus der Tasche ziehen.

Gitarrist Greg Mackintosh gab vorsichtshalber zu Protokoll, die Idee zu "Tragic illusion 25 (The rarities)" sei auf dem Mist der Plattenfirma gewachsen und die Band habe zum 25-Jährigen um eine möglichst sinnvolle Trackauswahl gebeten, statt einfach irgendetwas zum wiederholten Male zusammenzuklatschen. Und in der Tat: Was hier versammelt ist, dürfte zahlreiche Fans zufriedenstellen, die nicht das Glück hatten, eine der in teilweise winzigen Stückzahlen erschienenen Limited Editions seit 2007 zu ergattern. Allerdings führt die Jahreszahl im Titel auf die falsche Fährte: Raritäten gibt es in der Tat zuhauf, jedoch stammen diese hauptsächlich aus den Sessions der letzten drei Alben "Tragic idol", "Faith divides us – death unites us" und "In requiem" statt aus der kompletten Bandgeschichte. Klingt kompliziert? Ach was. Eins nach dem anderen.

Mit "Loneliness remains" eröffnet immerhin ein nagelneuer Song, der allerdings erst verspätet in Wallung kommt und den Auftakt ein wenig lustlos erledigt. Bedeutend besser und ein hochwertiger Brecher nach Art von "Tragic idol": das bis jetzt Abonnenten des amerikanischen "Decibel"-Magazins auf Flexi-Disc vorbehaltene "The last fallen saviour". Danach pumpt das City Of Prague Philharmonic Orchestra zwei Stücke aus "Faith divides us – death unites us" mächtig auf – und wer froh war, dass Paradise Lost die Erhabenheit klassischer Musik bisher unberücksichtigt ließen, muss erkennen, dass nicht jede Metal-Band die "S&M"-Falle zu umgehen weiß, in die schon Metallica einmal tappten. Was aber zu verknusen ist, denn ansonsten präsentiert sich das Quintett in weitgehend solider, manchmal souveräner Form.

Die seinerzeit aussortierten Tracks "Ending through changes" und "Back on disaster" etwa stehen den Songs auf den entsprechenden Alben in Härte und Präzision kaum nach. Womöglich wäre eine andere Art von Special-Veröffentlichung sogar noch reizvoller gewesen, denn die Coverversionen von Spear Of Destinys "Never take me alive" und "Missing" von Everything But The Girl rücken den Originalen respektvoll und mit erstaunlich defensiven Mitteln zu Leibe. Aus der Post-Punk-Verzweiflungstat wird eine Outlaw-Ballade, aus dem Du-fehlst-mir-Klopfer eine Hommage an alte Weggefährten. Und aus Adrian Erlandsson der glücklichste Schlagzeuger der Welt: Endlich darf er bei den Neufassungen der frühen Klassiker "Gothic" und "Our saviour" auch zwei Lieblingsstücke betrommeln, die lange vor seiner Zeit entstanden. Das ist ja fast wie – Weihnachten?

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Never take me alive
  • The last fallen saviour
  • Back on disaster
  • Missing

Tracklist

  1. Loneliness remains
  2. Never take me alive
  3. Ending through changes
  4. The last fallen saviour
  5. Last regret (Lost in Prague Orchestra mix)
  6. Faith divides us – death unites us (Lost in Prague Orchestra mix)
  7. Cardinal zero
  8. Back on disaster
  9. Sons of perdition
  10. Godless
  11. Missing
  12. Silent in heart
  13. Gothic 2013
  14. Our saviour 2013

Gesamtspielzeit: 59:35 min.

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