Eläkeläiset - Humppakalmisto

Eläkeläiset- Humppakalmisto

Nordic Notes / Broken Silence
VÖ: 15.11.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die spinnen, die Finnen!

Ein Gedanke, der nicht allein Freund Obelix aus den berühmten Asterix-Comics beim Klang der neuesten Arbeitsgeräusche aus der etwas weniger bekannten Polka-Werkstatt von Eläkeläiset durch den Kopf gehen wird. Sicher, Geiz wird immer geiler, selbst nördlich des Baltikums, wo die Sonne als unbekannt verzogen gilt und die meisten wodkagetränkten Transaktionen daher zwangsläufig im Dunkeln stattfinden müssen. Um folglich vor der weltumspannenden Abmahnwut der stocknüchternen Rechteverwertungsmafia bewahrt zu bleiben, haben sich die besagten Berufsalkoholiker ihren ganz eigenen Schrauberkniff ausgedacht. Sie bedienen sich kurzerhand aus dem Potpourri vieler trinkender Urheber, die sich nicht (mehr) wehren können: Dem der Volkslieder und des Gemeinguts. Es wird dabei leider kein noch so trübes und abgestandenes Digestif ausgelassen, was das heitere Stückeraten weitaus magenbitterer als jemals zuvor erscheinen lässt. So man überhaupt noch um die Herkunft der gebotenen Tränenlieder weiß, denn der Bezug zu zeitgenössisch wirklich populärer Musik fällt zwangsläufig wesentlich geringer aus.

Okay, die nicht zu bremsende Humppa-Maschine übersetzt das lebertranige "Quantanamera" gekonnt in beschwingten Zweivierteltakt mit leicht angesauten Texten, zu dem ein jeder Rekonvaleszent in der heimischen Sitzecke mitpogen oder auf den Hörgeräten pfeifen darf. Das Gleiche gilt für sein mit starken Nebenwirkungen behaftetes Generikum "El cóndor pasa" oder das Musik gewordene Magengeschwür namens "La bamba". Nur geht zu viel des Mutterwitzes in der fremdsprachlichen Wandlung unter. Und für sich stehend bleiben die Ergebnisse namens "Aimolle heila", "Rattoisa humppa" und "Humppariivaaja" viel zu handzahm und arm an Überraschungen, als dass sie auch nur einen unbesiegbaren Gallier zum Tanzen brächten. Geschweige denn den neuzeitlichen Hörer.

Eläkeläiset scheinen in der drallvollen Enge der eigenen Schablone gefangen, der sie zuvor stets mit einer schamlosen Songauswahl und ihrer alles niederreißenden Spielfreude begegnen konnten. Davon ist heuer nicht mehr allzu viel zu spüren. Jeder Witz verfügt fraglos über eine gewisse Halbwertzeit, jedes erquickende Lachen bedarf eines neuerlichen Anreizes und jeder Gag hat seinen Zeitpunkt, das wissen nicht bloß Asterix und Obelix. Eläkeläiset täte diese Erkenntnis gut, bevor man sie endgültig ins Heim für schwer erziehbare Musiker abschiebt. Sie kämen sich unter den ganzen Bekloppten wohl eher deplatziert vor. Außerdem fällt einem dort garantiert der Himmel auf den Kopf, schneller als man meint.

(Andreas Knöß)

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Highlights

  • Humppaa veressä
  • Sieluni huutaa humppaa

Tracklist

  1. Humppaa veressä
  2. Aimolle heila
  3. Humppavammanen
  4. Pultsariano humpparotti
  5. Vanhan ukon humppa
  6. Trad onni waris
  7. Humppakerjäläinen
  8. Humppaan pellola
  9. Trad ensio hienonen
  10. Humppaa ja jenkkaa
  11. Humppapullon henki
  12. Rattoisa humppa
  13. Mummo elä mee
  14. Hanuria hellästi
  15. Sieluni huutaa humppaa
  16. Humppakunto
  17. Humppariivaaja

Gesamtspielzeit: 39:19 min.

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