Billie Joe + Norah - Foreverly

Billie Joe + Norah- Foreverly

Reprise / Warner
VÖ: 22.11.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Für heute

Zweiteiler haben schon den Sprung von der Film- in die Musikindustrie geschafft. "Use your illusion" hatte einen ersten und einen zweiten Teil, so wie "Ghostbusters" einen ersten und einen zweiten Teil hatte. Der eine oder andere mag sogar in beiden Fällen auf einen dritten warten. Ähnlich sieht es mit von vornherein geplanten Trilogien aus: Peter Jackson hat seine Sache allerdings mit "Der Herr der Ringe" wesentlich besser gemacht als Green Day mit ihrer durchnummerierten Albentrilogie. Es steht also 1:0 für Jackson im nicht existenten Duell zwischen Billie Joe Armstrong und dem neuseeländischen Regisseur. Aber Armstrong schlägt zurück, indem er die zweite Runde in der Kategorie "Remake" eröffnet.

Die weniger relevante Erkenntnis: Jacksons "King Kong" war wirklich kein großer Wurf. Wesentlich interessanter: Warum brauchen wir denn jetzt auch noch Remakes von alten Platten? Armstrong hat sich nämlich für "Foreverly" mit Norah Jones zusammengetan und eine alte Platte von den Everly Brothers neu aufgenommen: "Songs that our daddy taught us". Die größte Änderung besteht wahlweise darin, dass zwei Songs an anderen Stellen der Trackliste auftauchen oder an der etwas opulenteren Instrumentierung.

Ansonsten ist die Ähnlichkeit so groß, dass man sich auch gleich das Original anhören kann. Ganz nach dem Vorbild der Everly Brothers sind die meisten Songs Duette im "Close harmony"-Stil, zum Teil Traditionals und zum Teil Songs von sehr frühen Country-Größen, die schon Platten verkauft haben, als Johnny Cash noch Windeln trug. Die Songs sind so schlicht und rootsy, wie es nur geht. Und die Originalaufnahme aus dem Jahr 1958 fängt das perfekt ein - so perfekt, dass Armstrong und Jones sich eigentlich nur in die Nesseln setzen konnten.

Das Ergebnis ist trotzdem okay. "Foreverly" klingt erwartbar wie eine Mischung aus Akustikalbum eines alternden Punkrockers und radiotauglichem Jazzpop à la Norah Jones. Die Arrangements bedienen sich beim typischen Instrumentarium: vorsichtiges Schlagzeug, viele Akustikgitarren, ein paar Steelguitars, Mundharmonika, Bass und diverse Percussion. Armstrong übernimmt meistens die Leadstimme, Jones die Harmonie. Das Aufpolieren macht die Songs nicht schlechter, aber ein bisschen stromlinienförmiger.

"Roving gambler" hat zweifellos mehr Feuer unterm Hintern als das Original, "Long time gone" ist eine schöne Single für ein Indiepop-Album, und mit dem wunderbaren Erzählton und den windschiefen Geigen in "I'm here to get my baby out of jail" trauen sich die beiden tatsächlich, dem Song eine dezidiert eigene Note zu verpassen. Aber der Gesamteindruck ist sehr glatt. Da "Foreverly" eben nicht nur eine Platte voller Cover, sondern das lupenreine Remake eines Albums ist, ist es ein bisschen wenig, die Songs nur nachzuspielen, auch wenn es ein gutes Nachspielen ist. Gegen Jacksons "King Kong" gewinnt Billie Joe Armstrong damit locker, aber nicht gegen das Original.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Roving gambler
  • Long time gone
  • I'm here to get my baby out of jail

Tracklist

  1. Roving gambler
  2. Long time gone
  3. Lightning express
  4. Silver haired daddy of mine
  5. Down in the willow garden
  6. Who's gonna show your pretty little feet?
  7. Oh so many years
  8. Barbara Allen
  9. Rockin' alone (In an old rockin' chair)
  10. I'm here to get my baby out of jail
  11. Kentucky
  12. Put my little shoes away

Gesamtspielzeit: 45:35 min.