Corrections House - Last city zero

Corrections House- Last city zero

Neurot / Cargo
VÖ: 02.11.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Staub und Dreck

Es rumort in den Sümpfen der Südstaaten. Fiesen Metal ist man von dort ja nicht erst seit gestern gewöhnt. Als Speerspitze des Unhörbaren gelten seit jeher Eyehategod, die sicher auch durch ihre nur sporadischen Auftritte und Veröffentlichungen – eine Compilation und eine Single in den vergangenen zehn Jahren – mittlerweile zur Legende geworden sind. Der kompromisslose Lärm, den Jimmy Bower, Mike Williams und Kollegen in den 90er Jahren auf vier Platten gebannt haben, hat allerdings in der Metal-Szene rund im New Orleans seinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nur auf einem solchen Nährboden konnte zum Beispiel ein Album wie "Walk through exits only" entstehen, Phil Anselmos durchaus geglückter, aber auch ziemlich nervenzerrender Soloausflug.

Auch der Sound von Corrections House fußt auf diesem Vorbild. Williams hat sich für das Projekt mit Scott Kelly von Neurosis, Bruce Larmont von den Jazz-Metallern Yakuza und Sanford Parker von Minsk zusammengetan, um eine Industrial-Platte aufzunehmen. Hier trifft das Kalte, Unnachgiebige von Neurosis und Yakuza auf zerstörerischen Gesang und einen doomigen Unterton. Dabei entsteht ein interessanter Kontrast: Williams' und Parkers sonstige Musik als warm oder gar einladend zu bezeichnen, ginge wohl zu weit – doch sowohl Eyehategod als auch Minsk sind immerhin sehr organische Bands, deren Dynamik nicht aus der Summe der Instrumente entsteht, sondern aus dem Staub und Dreck, den sie gemeinsam aufwirbeln.

Diesen Aspekt rettet Williams, der sich den Gesang mit Scott Kelly teilt, gut herüber. Von der Sterilität anderer Industrial-Alben sind Corrections House meilenweit entfernt. "Hallows of the stream" driftet gar in schlurfig-folkigen Gespenster-Doom ab, Kellys Stimmbänder vibrieren über einem minimalistisch-mechanischem Drumbeat und halbakustischen Gitarren, "Run through the night" verbeugt sich sogar ganz tief vor dem späten Johnny Cash. Die ruhigen Momente auf "Last city zero" sind mehr als nur Fassade, der Krach an anderen Stellen dafür aber auch mehr als nur ein kurzer Ausbruch.

In "Bullets and graves" etwa zersplittert jedes Instrument noch vor der ersten Strophe, in der Williams jede Hoffnung auf Melodie zumindest für diesen Song konsequent niederschreit. Etwas elektronischer und langsamer, aber ebenso intensiv verdreht "Dirt poor and mentally ill" eine ganze Wagenladung musikalischer Konventionen. "Last city zero" ist ein im besten Sinne zerrissenes Album, das beweist, dass Supergroups nicht nur wie die langweilige Schnittmenge ihrer Akteure klingen müssen. Und der Hörer sollte aufpassen, dass es ihn nicht selbst zerreißt.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Bullets and graves
  • Drapes hung by Jesus

Tracklist

  1. Serve or survive
  2. Bullets and graves
  3. Party leg and three fingers
  4. Run through the night
  5. Dirt poor and mentally ill
  6. Hallows of the streams
  7. Last city zero
  8. Drapes hung by Jesus

Gesamtspielzeit: 46:46 min.

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