Nick Cave & The Bad Seeds - Live from KCRW

Nick Cave & The Bad Seeds- Live from KCRW

Bad Seed / Rough Trade
VÖ: 29.11.2013

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Abrechnung

Für manche kam es unerwartet, für andere war es unausweichlich: Mit "Push the sky away" legte der ungreifbare Nick Cave auf der Zielgeraden zum Pensionsalter in diesem Jahr noch ein sinistres Meisterwerk vor, einen dunklen Brocken, einen schockschwarzen Taumel, das vielleicht tiefschürfendste Album seiner Karriere. Und statt nun zufrieden und hämisch grinsend im Rentnerparadies zu versacken, nahm er im Frühjahr genau dort, im sonnigen Los Angeles, gemeinsam mit seinen Bad Seeds ein intimes, furchterregendes Livealbum auf. "Live from KCRW" ist ein Studiokonzert für einen öffentlichen Radiosender und zeigt eine Band auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft.

Aufgenommen wurden die Songs während der laufenden Welttournee, zwischen den beiden Auftritten beim Coachella Festival am 18. April. Die Band ist eingespielt, hält die Spannung hoch, vielleicht sogar mehr, als auf der letzten Studioaufnahme. Der große "Higgs Boson blues" wächst hier in den Himmel, ist mehr Stoßgebet als Rock'n'Roll. Manisch lässt sich Cave von seiner Cern-Institut-Geschichte treiben, flüstert, spricht, spuckt und ist am Ende ein Gefallener, der über dem gespenstischen Männerchor seiner Mitstreiter schwebt. Was für ein irrer Trip.

Die Musik ist hier so minimal, so akzentuiert, sodass die wenigen lauten Passagen nach einem endlosen, aufgewickelten Vorspiel wie eine alles reinigende Explosion daherkommen. Beim evokativen Übersong "The mercy seat" kann man die Spannung kaum aushalten, die Cave am Piano und sein ewiger Begleiter Warren Ellis an der Violine heraufbeschwören. Das zynisch-traurige "People ain't no good" feiert sich als angetäuschte Schmachtballade und ist auch nach mehr als 15 Jahren noch immer die vielleicht schönste Abrechnung mit all den Menschen dieser Welt.

Fast ist das Konzert schon vorbei, da wabert eine körperlose Tonspur rechts und links, die Pauke kommt als finaler Herzschlag und Cave flüstert: "And some people say it's just Rock'n'Roll / Oh, but it gets you / Right down to your soul". Ein Glockenspiel setzt sich drüber und alles ist elektrisiert, alles aufgeladen und die Erlösung will und will nicht kommen. Dann klingt dieses unmenschliche "Push the sky away" aus und wird vom walzenden "Jack The Ripper" niedergezwungen. So etwas können nur die ganz Großen. "Live from KCRW" ist ein Album, das die Welt ein Stückchen besser macht.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Higgs Boson blues
  • The mercy seat
  • People ain't no good
  • Push the sky away

Tracklist

  1. Higgs Boson blues
  2. Far from me
  3. Stranger than kindness
  4. The mercy seat
  5. And no more shall we part
  6. Wide lovely eyes
  7. Mermaids
  8. People ain't no good
  9. Push the sky away
  10. Jack The Ripper

Gesamtspielzeit: 52:27 min.

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