Hail Of Bullets - III - The Rommel chronicles

Hail Of Bullets- III - The Rommel chronicles

Metal Blade / Sony
VÖ: 25.10.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gesprengte Ketten

Eine Death-Metal-Band veröffentlich ein Konzeptalbum über einen Feldherrn des Zweiten Weltkriegs. Soweit erstmal nicht wirklich ungewöhnlich. Wenn es sich bei dieser Person allerdings um einen gewissen Erwin Rommel handelt, setzt bei so manchem erst einmal der Beißreflex ein – darf man einen Wehrmachtsoffizier zum Thema einer Platte machen? Natürlich darf man. Zumindest wenn man sich dem Thema so nähert wie Martin van Drunen, Frontmann von Hail Of Bullets. Denn Rommel, dieser Exkurs in die Geschichte sei erlaubt, war nicht nur der so genannte "Wüstenfuchs", der von den Alliierten durchaus respektiert wurde, sondern zum Ende auch ein erklärter Kritiker Hitlers – vermied er doch durch Befehlsverweigerung ein Massaker, indem er eigenmächtig die Truppen aus Afrika abzog. Eine Haltung, die ihn zumindest in die Nähe der leider erfolglosen Attentäter um Claus Schenk Graf von Stauffenberg führte und ihm letztlich den Tod brachte, als er von den Nazis in den Suizid getrieben wurde. Genau diese Ambivalenz zwischen Gehorsam und Widerstand ist das Faszinierende an der Person Rommel – und Grund genug für van Drunen, sich nach eigener Aussage durch Tausende Seiten Quellenstudium zu ackern, um historisch korrekt zu bleiben.

Streng musikalisch gesehen, machen Hail Of Bullets auf "III - The Rommel chronicles" allerdings erwartungsgemäß keine Gefangenen. Denn "Swoop of the falcon" eröffnet die Schlacht mit einem derart fetten Midtempo-Stampfer, dass kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Bleischwer walzen die Riffs, dazu brüllt van Drunen jeden Zweifel nieder – das beherrschen in dieser Güteklasse sonst nur noch Bolt Thrower. Und wenn beim folgenden "Pour le merité" das Tempo angezogen wird, greifen auch noch die verbleibenden Nackenmuskeln zur weißen Fahne. Nur gut, dass diese Flucht nicht gelingt, ist doch "DG-7" so ziemlich das beste, was im traditionellen Death Metal seit Jahren abgeliefert wurde.

Fast noch beeindruckender als die durchgängig hochklassigen Songs allerdings ist die Produktion. Allzu oft zeichnen sich heutige Death-Metal-Alben durch glattgebügelten Einheitssound aus; Produzent Dan Swanö gelingt es hier, einen immens druckvollen, aber dennoch rohen Sound zu kreieren, der die Wucht der Songs kongenial transportiert. Es ist geradezu eine Wohltat, wieder Drums zu hören, die auch nach Drums klingen, denen nicht durch Trigger und pappige Produktion jegliche Räumlichkeit genommen wird. Ganz abgesehen davon, dass Schlagzeuger und Co-Produzent Ed Warby, der unter anderem unlängst das Fundament für das feine Album "The theory of everything" von Ayreon legte, ein echter Meister seines Fachs ist. Genau so hat Death Metal zu klingen: Roh, wütend, bösartig, alles nieder reißend, was sich in den Weg stellt.

Mit "III - The Rommel chronicles" zeigen Hail Of Bullets eindrucksvoll, dass es keiner großartigen Experimente bedarf, um als Band zu reifen. Songschreiber Martin van Drunen gelingt es, die Stärken der beiden Vorgängeralben zu bündeln und in ein ungehobeltes, aber zu jeder Sekunde durchdachtes Werk zu gießen. Hier wird eben nicht stumpf durchgeballert, vielmehr setzen die Niederländer immer wieder Reizpunkte durch gekonnte Breaks wie dem geradezu pervers düsteren doomigen Mittelteil von "The final front" oder eben durch geschickte Tempo-Variationen, mit denen insbesondere der getragene Schlussakt "Death of a field marshal" überzeugen kann. Kombiniert mit dem provokanten Textkonzept, stellt "III - The Rommel chronicles" nicht nur die alte, sondern auch die hohe Schule des Death Metal dar.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Swoop of the falcon
  • DG-7
  • The final front

Tracklist

  1. Swoop of the falcon
  2. Pour le merité
  3. DG-7
  4. To the last breath of man and beast
  5. DAK
  6. The desert fox
  7. Tobruk
  8. Farewell to Africa
  9. The final front
  10. Death of a field marshal

Gesamtspielzeit: 45:46 min.

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