Blood Orange - Cupid deluxe

Blood Orange- Cupid deluxe

Domino / GoodToGo
VÖ: 15.11.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Sax and the city

Ob Dev Hynes wirklich tausend Gesichter hat, wissen wir nicht, drei kennen wir aber jetzt schon in jedem Falle. Er veröffentlichte Mitte des vergangenen Jahrzehnts mit seinen Test Icicles ein Album, das hittigen Postpunk und nervösen Blood-Brothers-Hardcore in ein Boot holte, um das völlig aus dem Ruder laufende "For screening purposes only" zu veröffentlichen. Danach besann sich Hynes auf semi-barocken Hipster-Pop, veröffentlichte als Lightspeed Champion zwei umsichtige Platten, erkannte jedoch, dass dies nicht das Ende der Fahnenstange sein kann. Nun ist er als Blood Orange unterwegs, hat mit "Cupid deluxe" eine vielseitige zweite Platte am Start und reist damit durch die Pop-Geschichte, bleibt dabei jedoch meist in den seligen 80er Jahren hängen. Auch dabei: Dirty-Projectors-Boss David Longstreth und Solange, die kleine Schwester von Beyoncé, die sich selbst per se eher mit Independent-Künstlern umgibt. Das sind doch mal Gäste, die man auch selbst auf einen Eistee in seine Gartenparty einladen würde.

"Cupid deluxe" zeigt Hynes' Leidenschaft für funk-infizierten Pop, der bei Liebeskummer eher die Hüften kreisen als den Kopf hängen lässt. Eine Strategie, die sicherlich gesünder ist und mehr Spaß macht. Die Platte beginnt mit dem xylophonesken "Chamakay", einer sanften Neo-Soul-Nummer, die so zartschmelzend ist, wie ein Cuja Mara Split in der hochstehenden Sommersonne. Ein sachter Beat legt sich unter das reduzierte Soundgerüst, Hynes säuselt mit sehnsuchtsvoller Stimme und klingt dennoch nicht verzweifelt. Zum Ende schleicht sich ein Saxofon in die Szenerie, und man erinnert sich unweigerlich an das hervorragende "Kaputt", die letzte Platte von Destroyer. Noch besser: Das folgende "You're not good enough" mit 80s-Gitarre, die manchem Puristen die Schamesröte ins Gesicht treiben könnte. Alle anderen sind dann schon längst auf der Tanzfläche und grooven sich ein. Blood Orange ist nicht nur deswegen das bisher interessanteste Projekt von Dev Hynes. Man hat das Gefühl, dass er sich mit diesem Sound so wohlfühlt wie noch nie. Und weil dem so ist, bekommt auch "Uncle Ace" nochmal ein softpornöses Saxofon auf den Leib geschneidert. Hynes hat die Spendierhosen an.

Besonders herausragend ist dann der Mittelteil dieses musikalischen Selbstfindungstrips. Das heterogene Triple aus "It is what it is", "Chosen" und "Clipped on" gehört zum Besten, was der breitwandoptimierte Pop dieses Jahr zu bieten hatte. Neben dem immer noch herausragenden Debüt von Haim, versteht sich. "Chosen" ist mit seinen sieben Minuten ein vollmundiges Versprechen, in dem Blood Orange ziemlich viel unterbringen: Spoken-Word-Passagen, Prince'scher Soul, göttliche Background-Chöre, funkiges Gitarrenflirren und, of course!, einem steilgehenden Saxofon. "Clipped on" zelebriert dann eher Oldschool-HipHop mit klassischen Beats, was ein weiteres Mal die stilistische Vielfalt und popkulturelle Informiertheit unterstreicht, die Hynes mit "Cupid deluxe" zum Ausdruck bringt. Eine Platte, so bunt wie die Lichter, die die Großstadtnächte erhellen. Und nebenbei das bislang beste Werk des wandlungsfähigen Devonté Hynes.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • You're not good enough
  • It is what it is
  • Chosen

Tracklist

  1. Chamakay
  2. You're not good enough
  3. Uncle Ace
  4. No right thing
  5. It is what it is
  6. Chosen
  7. Clipped on
  8. Always let u down
  9. On the line
  10. High street
  11. Time will tell

Gesamtspielzeit: 47:10 min.

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User Beitrag

MopedTobias

Postings: 10618

Registriert seit 10.09.2013

2014-07-27 18:12:33 Uhr
Großartiges Sommer-Album <3
Blablablubb
2014-04-17 09:49:05 Uhr
Um Gottes Willen, sein "Tanzen" im Chamakay-Video ist schon sehr creepy!! Da gehts mir eiskalt den Rücken runter.

Naja, sonst klingt das für mich ein wenig wie Michael Jackson. Aber sowas ist ja zurzeit angesagt. Also so "Hipster"-Pop, der stark an frühere Idole angelehnt ist (Spice Girls, Michael Jackson etc.). Von daher verwundert die Pitchfork-Wertung nicht.

Mixtape

Postings: 1925

Registriert seit 15.05.2013

2014-04-17 06:42:37 Uhr
Das Debüt war auf jeden Fall stärker, weil es dadurch, dass Hynes alle Songs selbst gesungen hat, homogener war. Beim neuen gibt es starke Einzelsongs, aber die Rap-Sachen etc. skippe ich.

saihttam

Postings: 1213

Registriert seit 15.06.2013

2014-04-17 01:25:14 Uhr
Ich weiß nicht. Insgesamt schon ein nettes Album mit einigen tollen Momenten. Aber irgendwie fehlen mir die richtig herausragenden Melodien, die die Songs über das gehobene Mittelmaß hinausheben. Dazu würde ich mir auch wünschen, dass Hynes ein wenig öfters selbst singt. Außer Dave Longstreth und Caroline Polachek überzeugt mich keiner von den Gästen so wirklich. Die Rap-Einlagen sind auch nicht so wirklich meins. Naja, der Sound gefällt mir größtenteils dann schon. Also wie schon gesagt, ganz nettes Album
MAXIMAN
2013-11-23 18:14:23 Uhr
@Kreuzgut
natürlich hahaha
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