Toy - Join the dots

Toy- Join the dots

Heavenly / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 06.12.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Echte Spielkinder

Es ist jedes Jahr das gleiche Theater, und doch erschüttert es einen immer wieder: Schlimm genug, dass die warmen Tage endgültig vorbei sind, der Blick aus dem Fenster sich ob der grauen Masse draußen kaum noch lohnt und die Zeit bis Weihnachten jetzt ganz schnell vergehen wird, bis man merkt, dass es noch gefühlt vier Minuten bis Heiligabend ist und man immer noch keine Geschenke hat. Eine Idee wäre ja, einfach allen das zweite Album der englischen Band Toy zu schenken. Dank seiner relativ euphorischen Grundstimmung hat man da trotz des trüben Wetters noch eine gute Zeit, mehr noch: Mit "Join the dots" kann man durch den kalten Winter tanzen, nur um im Frühling einfach genau damit weiterzumachen.

Nach dem selbstbetitelten Debüt, das im letzten Jahr veröffentlicht und zumindest von der Kritik relativ einstimmig bejubelt wurde, am gemeinen Musikhörer jedoch sang- und klanglos vorbeiging, nahm sich das Quintett rund um Sänger Tom Dougall doppelt so viel Zeit im Studio – nämlich vier statt zwei Wochen. Die Band habe damit einen ausgefeilteren Sound schaffen, mehr Experimente wagen und ein durch und durch runderes Album produzieren wollen. Als Vorab-Single gab es den achtminütigen Titeltrack zu hören, der mit lupenreinem Basslauf startet und sich langsam für Dougall öffnet, der hier ein noch besseres Gespür für Melodien beweist als auf dem Vorgänger. Ab der Hälfe wird es wunderbar krautrockig dank schepperndem Schlagzeug und schrammeliger Gitarre, bis schließlich "To a death unknown" das Ruder an sich reißt und sich dem 90er-Jahre-LoFi hingibt, den man so zuletzt von Pavement und Co. gehört hat.

Psychedelischer wird es im komplett instrumental gehaltenen Opener "Conductor", der mit fast sieben Minuten zunächst etwas lang erscheinen mag, dank des sich aufbauenden Spannungsbogens aber sicher perfekt ins Konzept passt. Mit ordentlich Verve und tatsächlich leichten The-Verve-Anleihen plustert sich "Too far gone to know" von Anfang an zur kleinen Hymne auf, dem ein Tempowechsel zur richtigen Zeit guttut, während "It's been so long" bereits so hektisch startet, dass man schon drei Runden um den Weihnachtsbaum gedreht hat, ohne es zu merken. Die im Gegensatz zum Debüt relativ deutlich ausgelebte Spielfreude merkt man Toy nicht nur hier an, und obwohl es mit dem Schlusslicht "Fall out of love" fast schon droht, doch noch traurig zu werden, lässt Dougall das Singen schließlich wieder sein und schrammelt sich mit seinen vier Kameraden bis zum Schluss durch. Doch schon vorbei? Naja, wir haben ja noch ein paar Monate.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • You won't be the same
  • Join the dots
  • Too far gone to know

Tracklist

  1. Conductor
  2. You won't be the same
  3. As we turn
  4. Join the dots
  5. To a death unknown
  6. Endlessly
  7. It's been so long
  8. Left to wander
  9. Too far gone to know
  10. Frozen atmosphere
  11. Fall out of love

Gesamtspielzeit: 61:02 min.

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