Daughtry - Baptized

Daughtry- Baptized

RCA / Sony
VÖ: 15.11.2013

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Kinderpunsch

Auch wenn es nicht jeden interessiert: Es ist schon wieder so weit. In vielen Städten kann man dieser Tage beobachten, wie Plätze und Gassen langsam mit Holzbretterbuden zugepflastert werden. Schon bald drängeln sich wieder hunderttausende Zimtgeruch-Junkies und Glühweinschmecker durch die Lichterkettenfestivals dieses Landes. Da lassen auch Daughtry nicht auf sich warten und bringen zur besinnlichen Jahreszeit zwölf neue Liedchen über das Leben und die Liebe mit. Jeder, der schon einmal freiwillig mit einem Daughtry-Album Bekanntschaft geschlossen hat, weiß: Kann man ganz gut zu mitwippen, während die Lavendel-Kerzen auf dem Couchtisch für den faden Duft sorgen.

Ein solcher Beigeschmack lässt auf "Baptized" nicht lange auf sich warten. Bevor die erste Single "Waiting for Superman" auflöst, ob die holde Schöne sich tatsächlich in die starken Arme des Superhelden retten kann, trägt der Hörer noch immer innere K(r)ämpfe aus ob des billigen 80/90s-Foxtrott-Beats, mit dem er im Titelstück empfangen wurde. Die nun schon eingeschlafenen Füße frieren. Und weil man sich in der kalten Jahreszeit nur allzu gerne in die warme Sonne sehnt, spendet die Band mit "Wild heart" denjenigen sommerlichen Flair, für die es derzeit mehr Feuerpunsch als Knutschen gibt: "Take me back to those barefoot summer nights / Take me back to the fire in your eyes." Hach. Feuer? Lagerfeuer! Dorthin möchte das Country- und Folk-inspirierte Long live rock & roll" (!) nur allzu gerne entführen. Ob Billy Joel, Bryan Adams, Kurt Cobain und Courtney Love wohl allzu erfreut sind, als Gehuldigte an der flauschigen Runde teilhaben zu dürfen? Man möchte den Lebenden unter ihnen wünschen, dass sie es gar nicht erst mitbekommen.

Bei all den unechten und aufgesetzten Emotionen, die den wehrlosen Hörer auf dieser Platte förmlich überrollen, wähnt man sich umgehend in eine schlecht vertonte Vorabend-Soap versetzt. Die komplett ausgelutschten Themen samt der überwiegend grausam platten Metaphern machen wirklich jede ansatzweise nette Melodie ("Battleships", "I'll fight") sofort zunichte. "Take me back to love", winselt Chris Daughtry, während er auf "wilder See" feststellt: "We love like battleships." Statt Amors Pfeil schlägt dann selbstredend "Boom, boom, boom, boom" die Kanonenkugel ein. "The world is only now", ganz klar, und überhaupt und bitte nie vergessen: "Never give it up!" in Sachen Liebe und so. Klappe zu, alles gesagt. Doch Mr. Daughtry jault einfach weiter. "Darling" hier, "Honey" da. Und noch ein "Yeah!" aus dem Off.

Rein musikalisch betrachtet bietet "Baptized" erwartungsgemäß kaum Neuerungen, sieht man einmal über die poppigere, radiofreundliche Produktion hinweg. Die Bratgitarren treten etwas in den Hintergrund, dazu hier ein wenig mehr Disco-Stampfbeat, ab und an wurde auch in der R'n'B-Kiste gekramt. Eine Extra-Schippe Synthies nicht zu vergessen – die wurde nahezu jedem Song lieblos angeklatscht. "Baptized" ist kalkuliert-schwülstiger Plastikrock in gleich zwölffacher Dosis. Und will auch gar nichts Anderes sein. Warum auch sollten Daughtry die Formel ändern, die den Fünfer aus North Carolina seit Jahren über die Formatradios in alle Welt dudelt und die der Band alle zwei Jahre einen beachtlichen Sack Dollar unter dem Weihnachtsbaum beschert. Für viele ist "Baptized" wohl die passende Beschallung zum vorweihnachtlichen Händchenhalten. Andere halten sich besser intensiv am Glühweinbecher fest. Um diese Platte schnell zu vergessen. Aber vielleicht interessiert sie ja auch keinen.

(Eric Meyer)

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Highlights

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Tracklist

  1. Baptized
  2. Waiting for Superman
  3. Battleships
  4. I'll fight
  5. Wild heart
  6. Long live Rock&Roll
  7. The world we knew
  8. High above the ground
  9. Broken arrows
  10. Witness
  11. Traitor
  12. 18 years

Gesamtspielzeit: 44:56 min.

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