Captain Capa - Foxes

Captain Capa- Foxes

Audiolith / Broken Silence
VÖ: 25.10.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Torschlusspanik at the disco

Die Geschichte des Ausbruchs aus der, in Captain Capas Fall, thüringischen Provinz hinaus in die große Welt ist genau so oft wie schnell erzählt. Der einzige Unterschied besteht bei den Bad Frankenhausenern darin, dass sie sich zwischen großer USA- und ausgiebiger, europäischer Festivaltour ihre Kleinstadtidylle zum Ausspannen erhalten und sich nicht völlig von ihrer Heimat isoliert haben. Diese Ruhephasen haben aber offensichtlich doch nicht ausgereicht, um die vielen, bunten Eindrücke der Konzertreisen stimmig kanalisieren zu können. Zwar ist "Foxes", das nun schon dritte Captain-Capa-Album, tatsächlich vielfältiger geworden, vereint düstere Emo-Einflüsse und Popmelodien, bleibt allerdings trotzdem wenig ausgereift und eigenständig.

Der verschobene Rhythmus zu Beginn von "As far as it goes" erinnert dabei stark an das R&B-raunende "M.O.N.E.Y." von "The 1975" der gleichnamigen Band. Überhaupt lassen sich etliche Parallelen zum elektronisch aufgeheizten Emo-Poprock der britischen Shootingstars schlagen. Leider mangelt es Captain Capa sowohl musikalisch als auch inhaltlich an kreativen Ideen, um diesem Vergleich standzuhalten. Zu oft verfangen sie sich in monotonen Strophen über das Zurückblicken und Evaluieren des eigenen Werdegangs, in dem die Stimmchen von Hannes Naumann und Maik Biermann gegen die stumpf stampfenden, programmierten Plastik-Indie-Discobeats arg zart erscheinen. So quält sich "Ikari (Where do we go now)" emotionslos durch seine Verse, bevor es unverblümt klischeehaft fremdwirkende Gitarrenwände vor dem Refrain aufbaut. Ein organisches Verschmelzen von Gitarrenmusik und elektronischen Tanzelementen hört sich dann doch anders an. Lediglich Frittenbudes Johannes Rögner, der als Strizi Hasselhoff in "Wittgensteins Monster" einen Gastauftritt hat, weiß dem hybriden Gebilde etwas mehr entgegenzusetzen und einen raren Höhepunkt über verspielte Nintendo-Sounds zu platzieren.

Die weiteren Kollaborationen mit den Audiolith-Label-Kollegen von Fuck Art, Let's Dance! in "Arsenic" oder mit Sebastian Henkelmann von Escapado an der Gitarre in "The false shepherd" können den Captain-Capa-Sound auch kaum spürbar erweitern. Das Album bleibt unbalanciert und zuweilen kopflos überdreht. Auch die Texte wirken oftmals unreif und schlagen sich exemplarisch in Zeilen wie "When you drop your kids off by the school / I'll keep telling me that I once was cool" in "24" nieder. Dies lässt den Eindruck zurück, dass "Foxes" eben doch noch nicht das propagierte Coming-of-Age-Album des Duos ist, sondern es dazu noch mindestens einen weiteren Anlauf brauchen wird.

(Andreas Menzel)

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Highlights

  • As far as it goes
  • Wittgensteins Monster (feat. Strizi Hasselhoff)

Tracklist

  1. Ghosts
  2. As far as it goes
  3. Ikari (Where do we go now)
  4. Sirens
  5. Vienna
  6. Foxes
  7. Arsenic
  8. RM*Star
  9. Johnny 5
  10. 24
  11. The false shepherd
  12. Wittgensteins Monster (feat. Strizi Hasselhoff)
  13. Lambda core

Gesamtspielzeit: 50:09 min.

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