Jake Bugg - Shangri la

Jake Bugg- Shangri la

Mercury / Universal
VÖ: 15.11.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Königslau

Für Folk-Puristen, junge Dylan-Hörer und meinungsfreudige Rolling-Stone-Abonnenten war Jake Bugg sicherlich eine der Entdeckungen dieses Jahres. Der schmächtige Brite wandelte auf den Spuren der folkrockenden Großmeister und debütierte im Januar mit einer erzkonservativen Singer-Songwriter-Platte, die zwar ihre tollen Momente hatte, aber für die Rock and Roll Hall of Fame deutlich zu schwachbrüstig daherkam. Nach außen gab sich der junge Bursche als schnodderiges Großmaul in bester Gallagher-Manier, für seine Songs engagierte er dann dennoch fremde Hilfe. Naja, naja. Gerade einmal zehn Monate nach dem selbstbetitelten Debüt erscheint nun mit "Shangri la" ein neues Album, das sich vor allem darauf konzentriert, falsche Fährten zu legen, meist aber eher wie ein Mixtape wirkt und letzten Endes auch keinen Meilenstein markiert.

Mit dem grungig-schwungvollen Garagenrocker "What doesn't kill you" schickt Bugg eine Vorab-Single ins Rennen, die nur wenig bis gar nicht repräsentativ für dieses Album steht, finden sich doch sonst nur sehr wenige übersteuerte Punk-Momente auf "Shangri la". Klar, da wäre noch der flotte Folkpunk-Opener "There's a beast and we all feed it", doch so richtig Fahrt will ansonsten nicht aufkommen. Bugg quängelt sich durch ein Dutzend grundsolider Folk-Songs, die sich von Classic Rock, Country und Garagenrock beeinflusst zeigen, dabei aber selten zutiefst begeistern. Vielmehr versammelt Bugg hier wunderschöne bis eher belanglose Fingerübungen, die im winterlich-verschneiten Morgenradio eine gute Figur machen werden. Man denke da nur an das verschmuste "Me and you", das natürlich höchst simpel gestrickt ist, dabei aber die richtigen Knöpfe drückt.

"A song about love" ist hingegen nah am Wasser gebauter Sentimentalfolk, der höchst dramatisch recht unterkomplexe Gefühligkeit zelebriert. Gut, das passt natürlich in die kommende Jahreszeit, doch irgendwie hatte man vom vermeintlichen Wunderkind mehr erwartet als alten Tee aus neuen Beuteln. Dieser muss nicht schlecht schmecken, wärmt auch von innen, hat mit Innovation aber halt gar nichts am Hut. "All your reasons" beginnt dann überraschenderweise wie ein Wilco-Stück neuerer Schule und entwickelt in seinen fünf Minuten noch eine ausgeprägte Liebe für den zähflüssigen, aber keineswegs schlechten Britpop der späten 90er. Bugg wird immer dann gut, wenn er sich mit voller Inbrunst auf den Song einlässt. "Shangri la" hat solche Lieder zwar im Aufgebot, doch – um mal in der Sprache von Philosophen wie Wolff-Christoph Fuss und Fritz von Thurn und Taxis zu bleiben – "die zweite Reihe ist zu dünn besetzt, um ganz oben mitzuspielen." Ist Jake Bugg vielleicht das Schalke 04 unter den frisch-frivolen Folk-Emporkömmlingen?

War ein fieser Vergleich? Nun, auf diesem von Rick Rubin produzierten Album liegen eben Genialität und Schlampigkeit recht nah beieinander. Auf das etwas tumbe "Kingpin" folgt der mindestens als interessant zu bezeichnende Schleicher "Kitchen table", der in seiner loungigen Bluesigkeit zu überzeugen weiß. "Pine trees" ist eine nette, aber keineswegs überwältigende Fingerübung, die beispielsweise nicht an die Qualität eines Kristian Matsson heranreicht. Ebendieser hat als The Tallest Man On Earth in den letzten Jahren drei Platten veröffentlicht, die Dylan'schen Folk wirklich sinnig in die Jetzt-Zeit transkribieren konnten. Jake Bugg zeigt diesbezüglich tolle Ansätze, wirkt manchmal aber nicht konsequent genug. "Shangri la" wird dadurch zu einer wackligen, vergnüglichen, aber nicht durchwegs überzeugenden Versuchsanordnung, die offenbart, dass Jake Bugg vielleicht mehr sein möchte als ein junger Dylan-Imitator. Und immerhin dies ist ihm vorzüglich gelungen – dafür gibt es in anderen Bereichen noch genug zu beweisen.

(Kevin Holtmann)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • What doesn't kill you
  • Me and you
  • Simple pleasures

Tracklist

  1. There's a beast and we all feed it
  2. Slumville sunrise
  3. What doesn't kill you
  4. Me and you
  5. Messed up kids
  6. A song about love
  7. All your reasons
  8. Kingpin
  9. Kitchen table
  10. Pine trees
  11. Simple pleasures
  12. Storm passes away

Gesamtspielzeit: 39:54 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MopedTobias

Postings: 11258

Registriert seit 10.09.2013

2014-08-14 17:16:04 Uhr
Habs grad wieder gehört; gefällt mir besser als das Debüt, das sehr schnell genervt hat. Jetzt kein Meisterwerk, aber ein schönes spaßiges Album mit ausgereifterem Songwriting als noch auf dem Vorgänger. Und Slumville Sunrise ist echt ein Brett.

troubler

Postings: 8

Registriert seit 11.11.2013

2013-11-24 18:09:52 Uhr
Live Version von "Song About Love" ist schon ziemlich groß (habe das Album noch nicht gehört)

http://www.youtube.com/watch?v=uCgC5yUal5Y
Kohlliesels Tochter
2013-11-21 00:48:35 Uhr
Das ist mal richtig feige, wenn man sich nicht traut, diesen Mist abzuwatschen. Von wegen Hoffnungsträger, neuer Dylan oder waßweißich. DIe Musik ist nicht nett, nett ist es, wenn diese Musik nicht zu hören ist

qwertz

Postings: 401

Registriert seit 15.05.2013

2013-11-20 21:55:36 Uhr
Für mich ist die Stimme viel zu quäkend und laut abgemischt, dass ich Jake Bugg gar nicht nebenbei hören könnte - selbst wenn ich es wollte.
Mc Donald
2013-11-20 18:15:28 Uhr
Die Rezi auf Spiegel Online ist auch nicht schlecht:

http://www.spiegel.de/kultur/musik/neue-alben-jake-bugg-blood-orange-messer-donny-hathaway-a-934267.html
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify