Robbie Williams - Swings both ways

Robbie Williams- Swings both ways

Island / Universal
VÖ: 15.11.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Big band theory

Tausche Synthies gegen Trompete: Robbie Williams begibt sich wieder auf Zeitreise. In doppelter Hinsicht. Natürlich einerseits zurück zur Zeit des Benny Goodman Orchestra und zur Swing-Hochzeit des Rat Pack, als die kontinuierliche Verköstigung hochprozentiger Getränke zum guten Ton gehörte und gleichermaßen zur Stimmbildung beitrug. Andererseits führt Williams der Weg zurück in das Jahr 2001, als er gerade unangefochtener Inhaber des Popthrons war, um dann mit "Swing when you're winning" seine ersten Gehversuche im Swing-Metier zu wagen und damit damit auf ganzer Linie zu gewinnen. Es ist bis heute sein meistverkauftes Album, sagt die Plattenfirma. Insofern scheint es kein so überraschender Schritt, sich nach dem äußerst schwachen und mit orientierungslosen Synthies belegten "Take the crown" in alte Zeiten zu flüchten. Hätte auch schiefgehen können. Hätte.

Stattdessen begrüßen wir Williams' Stimme wieder. Hallo auch. Kein Wegbrechen mehr, kein Krächzen, trotz durchaus kraftvoller Einsätze am Ende von "Puttin' on the Ritz". Sinatras Liga ist immer noch nicht seine, aber auf "Swings both ways" kommen seine Entertainer-Qualitäten wieder vermehrt in den Songs zum Tragen. Wie groß dann der Abstand zu anderen Künstlern ausfallen kann, beweist der Dschungelbuch-Soundtrack "I wan'na be like you". An Williams' Seite: Olly Murs. Der ist jünger, Schlitzohr-Azubi und einfach nur dankbar dafür, mitsingen zu dürfen - und so klingt er auch durchgehend. Die Brass-Sektion leistet Schwerstarbeit, dennoch steckt hinter Affenlauten und Kontrabass das schwächste Feature der Platte. Nicht weniger herausfordernd gibt sich "No one likes a fat pop star": Im Refrain plustert sich der Chor auf mit einer Mischung aus Guys-And-Dolls-Musical sowie Monty Python und tanzt zu Rummel-Atmosphäre arg um die Weird-Grenze. Obwohl Williams, der in seiner Karriere zwischenzeitlich immer wieder ein paar Pfund zu viel auf den Rippen hatte, die Selbstironie stilsicher durch die Zeilen winkt.

Erfreuen wir uns eher an Williams' Reunion mit Guy Chambers. Sein langjähriger Co-Songschreiber fungiert als Produzent von "Swings both ways", und prompt gerät die Platte zu seinem besten Studioalbum seit "Escapology" - ihrer letzten gemeinsamen Zusammenarbeit. Vorgeknöpft haben sie sich für "Swings both ways" unter anderem Ozzie Nelson: Gemeinsam mit Lily Allen schafft Williams eine würdige Version des später als Hippie-Ballade bekanntgewordenen "Dream a little dream of me". Cab Calloways klamaukiges "Minnie the moocher" röhrt der 39-Jährige gekonnt, und sein Hit "Love supreme" mutiert zu "Swing supreme". Anders als "Swing when you're winning" beinhaltet "Swings both ways" auch sechs Eigenkompositionen. "Shine my shoes" setzt einen einfachen Beat, klimperndes Piano, Bläser und Heyheyheys zu einer Kritiker-Kritik zusammen: "Here's is something that'll make you sick, I'm as happy as a pig in shit." Es grunzte zu ihnen die Rampensau, die auch anders kann. Im folgenden "Go gentle", dem wie der Opener ein Brückenschlag zu Robbies sonstigem Solomaterial gelingt und in dessen schunkelndem Piano-Takt immer noch mehr Pop als Swing steckt, gibt Williams mit seriösem Ton den fürsorglichen Vater für Tochter Theodora Rose.

Was Rufus Wainwright und Robbie Williams dann im Titeltrack veranstalten, ist großes Tennis. Umringt von Disney-Streichern und -Flöten erfreuen sich beide im Big-Band-Sound diebisch am humoristischen Zusammenspiel, das neben der Feststellung "Happy people don't have sex" auch konkludiert: "Face it, Robbie, you're a little bit gay." Im 50s-Rock-'n'-Roll-Swinger "Soda pop" bleibt Michael Bublé blass, während Kelly Clarkson wohl alle überrascht. Stünde ihr Name nicht neben dem durch O.C. Smith in die Welt getragenen "Little green apples" niedergeschrieben, man hätte sie kaum erkannt. Losgelöst von ihren zuletzt meist völlig belanglosen Poprock-Aufnahmen, obliegt ihr die Rolle an Williams' Seite, die 2001 Nicole Kidman einnahm. Für "If I had a brain" reicht Williams dann wieder sich selbst: "I could wile away the hours, conferrin' with the flowers, consultin' with the rain / If I only had brain". Hier hat er es eingeschaltet. Der erste Schritt zur musikalischen Genesung ist getan.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Go gentle
  • Swings both ways (feat. Rufus Wainwright)
  • Little green apples (feat. Kelly Clarkson)
  • If I only had a brain

Tracklist

  1. Shine my shoes
  2. Go gentle
  3. I wan'na be like you (feat. Olly Murs)
  4. Swing supreme
  5. Swings both ways (feat. Rufus Wainwright)
  6. Dream a little dream (feat. Lily Allen)
  7. Soda pop (feat. Michael Bublé)
  8. Snowblind
  9. Puttin' on the Ritz
  10. Little green apples (feat. Kelly Clarkson)
  11. Minnie the moocher
  12. If I only had a brain
  13. No one likes a fat pop star

Gesamtspielzeit: 45:06 min.

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Achim

Postings: 5567

Registriert seit 13.06.2013

2013-12-01 19:25:00 Uhr
@Knackschuh: Deine Zitierweise verrät dich ein ums andere Mal ;)

Achim

Postings: 5567

Registriert seit 13.06.2013

2013-12-01 19:24:24 Uhr
hähä
Abdul
2013-12-01 19:17:42 Uhr
"musik für dicke hausfrauen jenseits der 40."

Also für dich!
AngelsAufEins
2013-12-01 18:15:59 Uhr
@alle Robbie Williams-Fans:

Wir wollen Robbie ein besonderes Geburtstagsgeschenk zu seinem 40. Geburtstag machen und seinem Lied "Angels" endlich den Platz in den Charts verschaffen, den es verdient - nämlich eine Nummer 1.

Alle Infos dazu findet ihr auf unserer Webseite: www.angels-auf-eins.de.vu oder hier auf unserer Facebook-Seite (https://www.facebook.com/AngelsAufEins) unter Notizen.

Wir hoffen, euch bald dort begrüßen zu können und freuen uns auf eure Hilfe!!!

PS: Weitersagen erwünscht!

Achim

Postings: 5567

Registriert seit 13.06.2013

2013-11-29 10:34:11 Uhr
ist doch so. musik für dicke hausfrauen jenseits der 40.
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